Warum Wespen Ende August plötzlich so aufdringlich werden

Südhessen. Kaum steht der Kuchen auf dem Tisch oder das erste Glas Saft im Garten, sind sie da: Gerade Ende August scheinen Wespen besonders hartnäckig zu werden. Sie fliegen über Teller, landen auf Lebensmitteln und lassen sich teilweise kaum vertreiben.

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Dass Wespen ausgerechnet im Spätsommer so stark auffallen, hat einen natürlichen Grund. Die Wespenvölker haben zu dieser Jahreszeit eine enorme Größe erreicht. Gleichzeitig verändert sich das Leben im Nest. Vor allem die Gemeine und die Deutsche Wespe sind es, die sich für unsere Lebensmittel interessieren, die große Mehrheit der Wespenarten lässt Menschen dagegen weitgehend in Ruhe.

Wespen Ende August: Warum sind plötzlich so viele unterwegs?

Ein Wespenvolk beginnt im Frühjahr zunächst sehr klein.

Eine überwinterte Königin gründet einen neuen Staat und zieht die ersten Arbeiterinnen heran. Diese übernehmen anschließend Aufgaben wie Nestbau, Brutpflege und Nahrungssuche.

Im Laufe des Sommers wächst das Volk immer weiter.

Bei der Gemeinen und der Deutschen Wespe können große Staaten schließlich mehrere Tausend Tiere umfassen. Die Deutsche Wildtier Stiftung nennt Größenordnungen von bis zu 7.000 Tieren.

Im August sind also schlicht wesentlich mehr Arbeiterinnen unterwegs als noch im Mai oder Juni.

Das ist aber nur ein Teil der Erklärung.

Im Wespenstaat beginnt jetzt der große Umbruch

Ab August verändert sich das Leben innerhalb des Nestes.

Die Völker beginnen, neue Königinnen hervorzubringen. Gleichzeitig nähert sich der einjährige Wespenstaat langsam seinem Ende. Die alte Königin stirbt später und der Staat zerfällt schließlich. Den Winter überstehen bei den sozialen Wespen nur die zukünftigen Königinnen.

Für Menschen wird diese Phase vor allem dadurch auffällig, dass zahlreiche Arbeiterinnen außerhalb des Nestes unterwegs sind.

Und dort stoßen sie auf etwas, das auf unseren Tischen reichlich vorhanden ist: energiereiche Nahrung.

Deshalb interessieren sich Wespen plötzlich für Kuchen und Limonade

Erwachsene Wespen benötigen vor allem Energie.

Zuckerhaltige Lebensmittel sind dafür besonders attraktiv.

Reifes Obst, Fruchtsäfte, Limonaden, Marmelade und Kuchen können Wespen deshalb regelrecht anziehen.

Das erklärt auch, warum ein gemütliches Kaffeetrinken im Garten im Mai oftmals problemlos funktioniert, während Ende August ständig Wespen um den Tisch fliegen.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Völker groß und entsprechend viele Tiere unterwegs.

Nur zwei Arten machen sich regelmäßig über unser Essen her

Hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung.

Deutschland besitzt zahlreiche Wespenarten. Die typischen Besucher an Kuchen, Grillteller und Limonade sind aber hauptsächlich zwei:

die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe.

Die Deutsche Wildtier Stiftung weist darauf hin, dass gerade diese beiden Arten für den schlechten Ruf der Wespen verantwortlich sind. Viele andere Wespenarten interessieren sich überhaupt nicht für unsere Lebensmittel.

Wer im Garten eine Wespe sieht, hat es deshalb nicht automatisch mit einem lästigen „Kuchenräuber“ zu tun.

Sind Wespen Ende August aggressiver?

Das ist etwas komplizierter.

Der Eindruck entsteht schnell, weil Wespen jetzt häufiger und hartnäckiger an unseren Tischen auftauchen.

Dass ein Tier immer wieder zum Teller zurückkehrt, bedeutet aber nicht automatisch, dass es einen Menschen angreifen möchte.

Problematisch wird es vor allem, wenn eine Wespe sich bedroht fühlt.

Hektisches Schlagen nach den Tieren kann deshalb genau das Gegenteil dessen bewirken, was man erreichen möchte.

Auch Anpusten ist keine gute Idee.

Die Deutsche Wildtier Stiftung rät davon ab, Wespen anzupusten oder nach ihnen zu schlagen.

Warum sollte man Wespen nicht anpusten?

Das klingt zunächst nach einer einfachen Möglichkeit: Die Wespe sitzt auf dem Teller, also pustet man sie weg.

Davon wird jedoch abgeraten.

Die ausgeatmete Luft enthält viel Kohlendioxid. Dieses kann bei Wespen als Warnsignal wirken.

Das Tier wird dadurch nicht unbedingt friedlicher, sondern kann sich bedroht fühlen.

Besser sind langsame und ruhige Bewegungen.

Wer eine Wespe verscheuchen möchte, sollte also nicht mit dem Gesicht dicht an das Tier herangehen und kräftig pusten.

Auch wildes Herumschlagen ist keine gute Idee

Ähnlich ungünstig ist hektisches Wedeln mit den Armen.

Eine Wespe fliegt normalerweise nicht zum Tisch, weil sie einen Menschen stechen möchte.

Sie sucht Nahrung.

Wird sie plötzlich geschlagen oder eingequetscht, kann sich die Situation jedoch verändern.

Deshalb gilt am Tisch:

ruhig bleiben und hektische Bewegungen vermeiden.

Das ist leichter gesagt als getan, wenn eine Wespe direkt vor dem Gesicht schwirrt – senkt aber das Risiko einer unnötigen Eskalation.

Süße Getränke sind besonders tückisch

Bei Limonade, Saft und anderen süßen Getränken besteht ein zusätzliches Problem.

Eine Wespe kann unbemerkt in ein Glas oder eine Flasche gelangen.

Wer anschließend daraus trinkt, kann das Tier versehentlich in den Mund bekommen.

Deshalb sollten offene Getränke im Freien kontrolliert oder abgedeckt werden.

Besonders bei Kindern ist Aufmerksamkeit wichtig.

Und auch Strohhalme lösen das Grundproblem nicht vollständig, wenn eine Wespe bereits in das Getränk gelangt ist.

Fallobst kann Wespen anlocken

Nicht nur der Gartentisch bietet im Spätsommer reichlich Nahrung.

Unter Obstbäumen liegen im August und September häufig reife oder bereits gärende Früchte.

Pflaumen, Birnen, Äpfel oder Trauben können zahlreiche Insekten anziehen.

Wer einen Obstbaum im Garten hat, sollte deshalb beim Barfußlaufen aufmerksam sein.

Eine Wespe, die an einer heruntergefallenen Frucht sitzt, wird leicht übersehen.

Regelmäßiges Entfernen von Fallobst kann außerdem verhindern, dass sich unmittelbar an Terrasse oder Sitzplatz besonders viele Tiere sammeln.

Auch Fleisch kann interessant sein

Dass Wespen auf Kuchen fliegen, überrascht kaum.

Doch auch am Grill tauchen sie regelmäßig auf.

Das hängt mit ihrer Lebensweise zusammen.

Wespen ernähren ihre Brut mit tierischem Eiweiß und erbeuten dafür beispielsweise andere Insekten. Die Deutsche Wildtier Stiftung beschreibt Wespen deshalb sogar als natürliche Schädlingsbekämpfer.

Fleisch und andere eiweißreiche Lebensmittel können daher ebenfalls interessant sein.

Eine Wespe am Grillteller sucht also nicht zwangsläufig Zucker.

Wespen sind wichtige Schädlingsbekämpfer

So lästig die Tiere beim Essen sein können, erfüllen sie eine wichtige ökologische Funktion.

Wespen jagen zahlreiche andere Insekten.

Die Deutsche Wildtier Stiftung gibt an, dass ein großes Wespenvolk täglich etwa ein halbes bis zwei Kilogramm Insekten erbeuten kann.

Dazu können beispielsweise Fliegen und andere Insekten gehören.

Außerdem besuchen erwachsene Wespen Blüten und tragen damit ebenfalls zur Bestäubung bei.

Die Vorstellung, Wespen seien grundsätzlich nutzlose Schädlinge, ist deshalb falsch.

Wie hält man Wespen beim Essen fern?

Ganz verhindern lässt sich ein Besuch nicht.

Einige einfache Maßnahmen können den Tisch aber weniger attraktiv machen:

  • Lebensmittel möglichst abdecken
  • süße Getränke nicht lange offen stehen lassen
  • Flaschen und Gläser vor dem Trinken kontrollieren
  • Essensreste zeitnah wegräumen
  • Fallobst in der Nähe von Sitzplätzen entfernen
  • ruhig bleiben, wenn eine Wespe auftaucht
  • nicht nach den Tieren schlagen
  • Wespen nicht anpusten

Gerade bei einem längeren Frühstück oder Grillabend im Freien lohnt es sich, Speisen nur so lange offen auf dem Tisch stehen zu lassen, wie sie tatsächlich benötigt werden.

Was tun, wenn ständig Wespen in den Garten kommen?

Einzelne Wespen am Gartentisch sind im August vollkommen normal.

Tauchen jedoch immer wieder sehr viele Tiere aus derselben Richtung auf, kann sich in der Umgebung ein Nest befinden.

Das muss trotzdem nicht automatisch entfernt werden.

Viele Nester bestehen nur für eine Saison und werden im Herbst aufgegeben.

Wer wissen möchte, wie man mit einem Nest am Gebäude umgehen sollte, findet weitere Informationen in unserem Überblick Wespennest am Haus: Was tun? Diese Regeln gelten in Hessen.

Gerade bei einem Nest an einer ungünstigen Stelle sollte nicht eigenmächtig herumgestochert oder der Eingang verschlossen werden.

Wespen im Garten lieber sanft vertreiben

Wer kein Nestproblem hat, sondern lediglich regelmäßig Besuch am Sitzplatz bekommt, braucht normalerweise keine drastischen Maßnahmen.

Oft reichen bereits Abdecken, Wegräumen und ein ruhiger Umgang.

Weitere Möglichkeiten haben wir in unserem Ratgeber Wespen im Garten effektiv und sanft vertreiben zusammengestellt.

Von aggressiven Methoden ist schon deshalb abzuraten, weil sie die Tiere unnötig in Alarmbereitschaft versetzen können.

Darf man Wespen einfach töten?

Auch Wespen fallen unter die Schutzvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes. Wild lebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden.

Bei besonders geschützten Arten gelten noch strengere Regeln.

Die Deutsche und die Gemeine Wespe gehören zwar nicht zu den besonders geschützten Wespenarten, das bedeutet aber nicht, dass man ihre Nester beliebig zerstören sollte.

Wer ein problematisches Nest entdeckt, sollte deshalb zunächst klären, um welche Art es sich handelt und ob tatsächlich eine Gefahr besteht.

Wann verschwinden die Wespen wieder?

Wer von den täglichen Besuchern am Gartentisch genervt ist, muss nicht bis zum Winter warten.

Wespenstaaten sind einjährig.

Im Herbst stirbt der alte Staat nach und nach ab. Spätestens mit Frost endet die Saison der Arbeiterinnen. Nur die neu hervorgebrachten Königinnen suchen geschützte Plätze zum Überwintern und gründen im kommenden Frühjahr neue Völker.

Das alte Nest wird im folgenden Jahr nicht einfach vom gleichen Wespenvolk weitergenutzt.

Wird ein altes Wespennest im nächsten Jahr wieder bewohnt?

Normalerweise nicht.

Nach dem Ende des Wespenstaates bleibt das Nest leer zurück.

Die jungen Königinnen überwintern an geschützten Orten und gründen im Frühjahr jeweils einen neuen Staat. Die Deutsche Wildtier Stiftung weist darauf hin, dass verlassene Nester im Folgejahr nicht wiederbesiedelt werden.

Ein altes Nest auf dem Dachboden bedeutet deshalb nicht automatisch, dass dort im kommenden Sommer wieder ein Wespenvolk lebt.

Warum sind Wespen bei warmem Wetter besonders auffällig?

Wespen sind wechselwarme Tiere und ihre Aktivität hängt von den äußeren Bedingungen ab.

Warme, trockene Tage eignen sich wesentlich besser für die Nahrungssuche als kalte und verregnete Perioden.

Deshalb kann der Eindruck der „Wespenplage“ von einem Tag zum nächsten stark schwanken.

Ein sonniger Nachmittag Ende August mit Kuchen, reifem Obst und süßen Getränken bietet schlicht optimale Bedingungen dafür, dass Mensch und Wespe aufeinandertreffen.

Gibt es 2026 besonders viele Wespen?

Hier sollte man mit pauschalen Aussagen vorsichtig sein.

Wie erfolgreich sich Wespenvölker entwickeln, hängt stark von den Bedingungen im Frühjahr und Sommer ab. Wetter, Nahrungsangebot und lokale Gegebenheiten können dazu führen, dass regional unterschiedlich viele Tiere auftreten.

Dass Ende August besonders viele Wespen am Essen auffallen, reicht deshalb allein nicht als Beleg für ein außergewöhnliches „Wespenjahr“.

Der saisonale Effekt tritt grundsätzlich jedes Jahr auf.

Wespe oder Schwebfliege?

Nicht jedes schwarz-gelb gestreifte Insekt am Gartentisch ist überhaupt eine Wespe.

Gerade Schwebfliegen werden häufig verwechselt.

Dabei sind sie für Menschen vollkommen harmlos: Schwebfliegen besitzen keinen Stachel und können nicht stechen. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung haben Schwebfliegen zudem nur zwei Flügel, während Wespen und Bienen vier besitzen.

Typisch ist außerdem ihr namensgebendes Verhalten.

Schwebfliegen können scheinbar auf der Stelle in der Luft stehen und anschließend blitzartig die Richtung wechseln.

Wer genau hinsieht, erkennt deshalb häufig schnell den Unterschied.

Was tun, wenn eine Wespe auf dem Essen sitzt?

Nicht hektisch reagieren.

Am besten wartet man kurz ab oder bewegt das Lebensmittel langsam weg.

Wichtig ist vor allem, nicht nach dem Tier zu schlagen.

Besondere Vorsicht gilt bei Speisen, bei denen eine Wespe leicht übersehen werden kann.

Bevor man beispielsweise in ein Stück Obst oder Gebäck beißt, sollte man kurz prüfen, ob sich dort ein Tier befindet.

Bei Getränken gilt das erst recht.

Was tun nach einem Wespenstich?

Ein Wespenstich verursacht meist zunächst Schmerzen, Rötung und Schwellung.

Die Einstichstelle kann vorsichtig gekühlt werden.

Anders sieht es bei schweren allergischen Reaktionen aus. Atemnot, starke Schwellungen außerhalb der Einstichstelle, Kreislaufprobleme oder andere ausgeprägte Beschwerden können auf eine gefährliche Reaktion hinweisen und erfordern schnelle medizinische Hilfe.

Besonders ernst zu nehmen sind außerdem Stiche im Mund- oder Rachenraum, weil Schwellungen dort die Atemwege beeinträchtigen können.

Warum Wespen gerade jetzt überall auftauchen

Dass Wespen Ende August plötzlich so präsent wirken, ist also kein Zufall.

Ihre Völker haben über Monate hinweg an Größe gewonnen. Gleichzeitig beginnt im Spätsommer die letzte Phase des einjährigen Wespenstaates. Besonders die Gemeine und die Deutsche Wespe interessieren sich dabei für unsere Lebensmittel.

Kuchen, Limonade, reifes Obst und Grillgut machen Terrasse und Balkon für sie besonders interessant.

Das erklärt auch, warum der August häufig als Höhepunkt der „Wespenzeit“ wahrgenommen wird.

Die Tiere sind nicht plötzlich auf der Suche nach Menschen.

Meist sind sie schlicht auf der Suche nach Nahrung.

Häufig gestellte Fragen zu Wespen im August

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