Südhessen. Der September steht vor der Tür, doch das bedeutet nicht automatisch das Ende warmer und sonniger Tage. Gerade in der zweiten Septemberhälfte kann sich noch einmal eine längere Phase mit trockenem Wetter, viel Sonne und angenehm warmen Temperaturen einstellen. Genau diese Wetterlage wird traditionell als Altweibersommer bezeichnet.
Quelle: Bild von UnsplashOb es tatsächlich einen ausgeprägten Altweibersommer in Südhessen geben wird, lässt sich Ende August noch nicht zuverlässig vorhersagen. Erste Langfristmodelle deuten für den September allerdings auf insgesamt eher überdurchschnittliche Temperaturen und teilweise unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen hin. Für einen konkreten Altweibersommer reicht diese Aussage allein jedoch noch nicht aus.
Altweibersommer: Wann beginnt er normalerweise?
Ein festes Datum gibt es nicht.
Der Altweibersommer ist keine astronomische Jahreszeit und beginnt auch nicht automatisch am 1. September. Gemeint ist vielmehr eine typische Schönwetterperiode im frühen Herbst.
Der Deutsche Wetterdienst beschreibt den Altweibersommer als Phase mit schönen, warmen Herbsttagen im September, die durch eine stabile Hochdruckwetterlage geprägt ist. Temperaturen von mehr als 20 Grad sind dabei durchaus möglich. Gleichzeitig können die Nächte bereits deutlich kühler werden und Tau bringen.
Besonders typisch ist der Zeitraum in der zweiten Septemberhälfte. Auch Wetterdienste verwenden diese Phase als klassische Zeit des Altweibersommers.
Als grobe Orientierung gilt:
| Zeitraum | Einordnung |
| Anfang September | häufig noch klassischer Spätsommer |
| Mitte September | Altweibersommer kann beginnen |
| zweite Septemberhälfte | typische Phase |
| Ende September | weiterhin möglich |
| Oktober | ähnliche Schönwetterlagen werden eher Goldener Oktober genannt |
Der Übergang ist allerdings fließend.
Was genau ist ein Altweibersommer?
Meteorologisch handelt es sich um eine länger anhaltende Phase mit relativ stabilem Hochdruckwetter.
Typisch sind:
viel Sonnenschein
geringe Niederschlagsneigung
angenehm warme Nachmittage
vergleichsweise kühle Nächte
Tau am Morgen
teilweise Nebel in Tälern und Niederungen
Die Temperaturen müssen dabei keineswegs hochsommerlich sein.
Ein Nachmittag mit 22 oder 23 Grad, Sonnenschein und trockenem Wetter kann bereits hervorragend in einen Altweibersommer passen, wenn die Wetterlage über mehrere Tage stabil bleibt.
Das unterscheidet das Phänomen von einem einzelnen warmen Septembertag.
Warum kann es im September noch einmal so warm werden?
Auch wenn meteorologisch bereits am 1. September der Herbst beginnt, besitzt die Atmosphäre noch viel Wärme aus den Sommermonaten.
Gleichzeitig können sich stabile Hochdruckgebiete etablieren, die Wolken und Niederschläge fernhalten.
Der Deutsche Wetterdienst beschreibt für typische Altweibersommerlagen eine stabile Hochdrucksituation, bei der warme Luft nach Deutschland gelangen kann.
Unter solchen Bedingungen erwärmt die Sonne die Luft tagsüber noch deutlich.
Allerdings steht die Sonne im September bereits niedriger als im Hochsommer. Die Tage werden kürzer und nachts kann die Erde stärker auskühlen.
Genau daraus entsteht das typische Gefühl des Altweibersommers: morgens frisch, nachmittags überraschend warm.
Gibt es 2026 einen Altweibersommer in Südhessen?
Das lässt sich aktuell noch nicht sicher sagen.
Langfristmodelle können zwar grobe Trends anzeigen, aber keine konkrete mehrtägige Hochdrucklage mehrere Wochen im Voraus zuverlässig festlegen.
Die derzeitigen Septemberprognosen zeigen für Deutschland einen möglichen Temperaturüberschuss. Das europäische ECMWF Modell berechnet derzeit im Monatsmittel ungefähr ein Grad über dem üblichen Niveau. Im Süden Deutschlands könnte die Abweichung sogar etwas höher ausfallen. Gleichzeitig werden durchschnittliche bis teilweise unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen erwartet.
Das klingt grundsätzlich günstig für spätsommerliche Phasen.
Es bedeutet aber nicht automatisch, dass Südhessen tatsächlich einen klassischen Altweibersommer bekommt.
Dafür müsste sich zur richtigen Zeit eine stabile Hochdrucklage einstellen.
Anfang September könnte zunächst wechselhafter werden
Interessant ist die zeitliche Entwicklung.
Die aktuell verfügbaren längerfristigen Modelltrends zeigen für den Beginn des Septembers zunächst eher eine kühlere und wechselhaftere Phase. Im späteren Monatsverlauf werden dagegen wieder mildere und trockenere Bedingungen als Möglichkeit berechnet.
Das würde grundsätzlich zum klassischen Muster passen.
Denn der typische Altweibersommer liegt ohnehin eher in der zweiten Septemberhälfte und nicht zwingend direkt am Monatsanfang.
Wer auf sonniges Spätsommerwetter wartet, sollte deshalb nicht enttäuscht sein, wenn die ersten Septembertage zunächst herbstlicher ausfallen.
Warum ist Südhessen für warme Septembertage besonders interessant?
Südhessen gehört innerhalb Hessens zu den klimatisch milden Regionen.
Besonders an der Bergstraße und im Hessischen Ried können Temperaturen vergleichsweise hoch ausfallen.
Die Rheinebene erwärmt sich an sonnigen Tagen schnell. Gleichzeitig profitieren geschützte Lagen an der Bergstraße häufig von milden Bedingungen.
Das zeigt sich auch an anderen Jahreszeiten.
Warum der Frühling an der Bergstraße häufig früher beginnt als in anderen Teilen Hessens, haben wir bereits in unserem Artikel „Darum beginnt der Frühling an der Bergstraße früher“ erklärt.
Im September können dieselben regionalen Besonderheiten dazu beitragen, dass spätsommerliche Temperaturen in Südhessen noch einmal besonders angenehm ausfallen.
Wie warm wird es beim Altweibersommer?
Eine feste Temperaturgrenze gibt es nicht.
Der DWD nennt Temperaturen von mehr als 20 Grad als typisches Merkmal warmer Altweibersommertage.
In besonders warmen Jahren sind auch deutlich höhere Werte möglich.
Ein Altweibersommer muss aber keine Hitzewelle sein.
Gerade das macht ihn für viele Menschen angenehm.
Morgens können Jacke oder Pullover notwendig sein, während am Nachmittag kurze Ärmel ausreichen.
Diese großen Unterschiede zwischen Tag und Nacht gehören zu den typischen Merkmalen des Frühherbstes.
Warum sind die Nächte trotzdem schon so kalt?
Im September verändern sich die Lichtverhältnisse deutlich.
Die Nächte werden länger, während die Sonne tagsüber einen niedrigeren Stand erreicht.
Dadurch kann die Erdoberfläche nachts länger Wärme abstrahlen.
Bei klarem Himmel verstärkt sich diese Abkühlung zusätzlich.
Deshalb können selbst auf einen sonnigen Tag mit mehr als 20 Grad Temperaturen in der Nacht im einstelligen Bereich folgen.
Morgendlicher Tau ist dann besonders häufig.
In Niederungen und Flusstälern kann sich außerdem Nebel bilden.
Nebel am Morgen und Sonne am Nachmittag passen zusammen
Ein grauer Septembermorgen spricht deshalb nicht automatisch gegen einen Altweibersommer.
Gerade bei stabilen Hochdrucklagen können sich nachts und am frühen Morgen Nebel oder Hochnebel bilden.
Sobald die Sonne stärker wird, löst sich die feuchte Luftschicht häufig auf.
Der Nachmittag kann anschließend sonnig und angenehm warm werden.
Besonders im Hessischen Ried und in anderen tiefer gelegenen Bereichen Südhessens ist dieses Muster im Herbst gut bekannt.
Wer morgens aus dem Fenster schaut, sollte das Wetter des gesamten Tages deshalb nicht allein anhand des ersten Eindrucks beurteilen.
Woher kommt der Begriff Altweibersommer?
Mit älteren Frauen hat der Begriff wahrscheinlich weniger zu tun, als sein heutiger Klang vermuten lässt.
Eine verbreitete Erklärung führt den Namen auf die feinen Spinnfäden zurück, die im Herbst durch die Luft treiben.
Vor allem junge Spinnen lassen sich an diesen Fäden vom Wind tragen und verbreiten sich auf diese Weise in neue Lebensräume.
Der NABU beschreibt, dass die langen silbrigen Fäden im Herbst möglicherweise an graue Haare erinnert haben und damit zur Bezeichnung Altweibersommer beigetragen haben.
Auch andere historische und mythologische Deutungen existieren.
Was haben Spinnen mit dem Altweibersommer zu tun?
Gerade im September werden die feinen Spinnfäden besonders sichtbar.
In kühlen Nächten bildet sich Tau. Dieser setzt sich an Netzen und Fäden ab und macht Strukturen sichtbar, die tagsüber kaum auffallen.
Hinzu kommen sogenannte Flugfäden.
Junge Spinnen produzieren besonders leichte Seidenfäden und lassen sich daran vom Wind tragen. Der NABU beschreibt dieses Phänomen ausdrücklich als eine mögliche Erklärung für den Begriff Altweibersommer.
Wer an einem sonnigen Septembermorgen über eine Wiese läuft, kann deshalb häufig unzählige glitzernde Spinnennetze entdecken.
Ist Altweibersommer das Gleiche wie Goldener Oktober?
Nein, auch wenn sich die Wetterlagen ähneln können.
Als Altweibersommer bezeichnet man typischerweise eine stabile Schönwetterphase im September.
Tritt ein ähnliches Wetter im Oktober auf, spricht man häufiger vom Goldenen Oktober.
Der Begriff spielt zusätzlich auf die zunehmende Färbung des Laubes an.
Meteorologisch gibt es aber keine scharfe Grenze zwischen beiden Phänomenen.
Eine Hochdrucklage hält sich schließlich nicht an Monatsgrenzen.
Kann der Altweibersommer jedes Jahr auftreten?
Nein.
Der Altweibersommer gilt zwar als bekannte sogenannte Singularität im Wetterverlauf, tritt aber nicht jedes Jahr gleich deutlich auf.
Der Deutsche Wetterdienst führt den Altweibersommer als typische Besonderheit des mitteleuropäischen Witterungsverlaufs.
Manchmal gibt es über mehrere Tage sonniges und trockenes Wetter.
In anderen Jahren dominieren Tiefdruckgebiete, Regen und kühlere Luft.
Es kann deshalb auch Jahre geben, in denen sich keine klar erkennbare Altweibersommerphase entwickelt.
Hat der Altweibersommer ein festes Datum?
Nein.
Auch deshalb sind Aussagen wie „Der Altweibersommer beginnt am 15. September“ zu pauschal.
Es handelt sich um eine Wetterlage und nicht um einen kalendarischen Termin.
Eine stabile Hochdruckphase kann bereits früher beginnen oder erst Ende September auftreten.
Die Bezeichnung wird erst im Rückblick beziehungsweise während einer tatsächlich eingetretenen Schönwetterphase sinnvoll.
Warum heißt der 1. September trotzdem Herbstanfang?
Weil Meteorologen die Jahreszeiten anders einteilen als Astronomen.
Der meteorologische Herbst beginnt jedes Jahr am 1. September und umfasst September, Oktober und November.
Diese Einteilung erleichtert die statistische Auswertung vollständiger Monate.
Der astronomische Herbst beginnt 2026 dagegen erst am 23. September.
Dass Anfang September meteorologisch bereits Herbst ist, bedeutet also keineswegs, dass sommerliche Temperaturen ausgeschlossen sind.
Genau diese Übergangsphase macht den Altweibersommer möglich.
Ein Altweibersommer kann auch nach dem astronomischen Herbstanfang kommen
Selbst nach dem 23. September sind noch warme und sonnige Tage möglich.
Der astronomische Herbstanfang beschreibt lediglich die Position der Erde auf ihrer Umlaufbahn und die Tagundnachtgleiche.
Er legt keine Temperaturgrenze fest.
Auch Ende September kann Südhessen deshalb noch Temperaturen jenseits der 20 Grad erleben.
Gleichzeitig werden die Tage allerdings immer kürzer.
Warum Südhessen allein im September mehr als anderthalb Stunden Tageslicht verliert, erklären wir in unserem Artikel „Warum werden die Tage im September so schnell kürzer?“.
Was bedeutet der Altweibersommer für die Natur?
Eine trockene und sonnige Septemberphase kann für Tiere und Pflanzen unterschiedliche Auswirkungen haben.
Für viele Insekten bieten warme Tage noch einmal gute Aktivitätsbedingungen.
Spinnen sind besonders sichtbar.
Auch die Reife von Obst und Trauben kann von warmem und trockenem Wetter profitieren.
Für die Landwirtschaft ist allerdings entscheidend, wie die gesamte Saison verlaufen ist. Ein paar sonnige Septembertage können vorherige Trockenheit oder andere Belastungen nicht einfach ausgleichen.
Gerade 2026 bleibt die Niederschlagsentwicklung deshalb interessant.
Trockenheit kann zum Problem werden
Ein sonniger Altweibersommer klingt zunächst ausschließlich positiv.
Nach längeren trockenen Phasen kann stabiles Hochdruckwetter allerdings auch Nachteile haben.
Die derzeitigen Langfristmodelle sehen für September 2026 teilweise durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Niederschläge.
Sollte sich dieser Trend bestätigen, könnte bestehende Trockenheit in Böden und Wäldern länger anhalten.
Über die Belastung durch Trockenheit in Südhessen für Wälder und Landwirtschaft haben wir bereits berichtet.
Für Spaziergänger bedeutet trockenes Wetter also angenehme Bedingungen.
Für Natur und Landwirtschaft kann dasselbe Wetter deutlich ambivalenter sein.
Ist Altweibersommer gutes Wanderwetter?
Häufig ja.
Gerade sonnige Septembertage sind für Wanderungen angenehm, weil die extreme Hitze des Hochsommers meist vorbei ist.
Morgens kann es allerdings frisch sein.
Wer im Odenwald unterwegs ist, sollte deshalb mehrere Kleidungsschichten einplanen.
Auch Nebel kann in den Morgenstunden die Sicht einschränken.
Weitere Ziele für einen spätsommerlichen Ausflug finden sich in unseren schönsten Wanderungen im Odenwald.
Auch abends wird es deutlich früher dunkel
Ein Unterschied zum Hochsommer wird trotz warmer Temperaturen schnell sichtbar.
Selbst wenn am Nachmittag noch 22 oder 24 Grad erreicht werden, endet der helle Teil des Tages deutlich früher.
Im September verliert Südhessen jeden Tag mehrere Minuten Tageslicht.
Ein langer Ausflug sollte deshalb nicht allein nach der Temperatur geplant werden.
Wer erst am späten Nachmittag startet, kann wesentlich schneller in die Dämmerung geraten als noch im Juli oder Anfang August.
Bauernregeln zum Altweibersommer sind mit Vorsicht zu genießen
Rund um den September gibt es zahlreiche Bauernregeln.
Einige versprechen beispielsweise, aus warmem Septemberwetter Rückschlüsse auf den kommenden Winter ziehen zu können.
Wissenschaftlich lässt sich daraus jedoch keine zuverlässige Winterprognose ableiten.
Auch wetter.com weist darauf hin, dass solche Regeln anhand einzelner Jahre schnell widerlegt werden können. Ein warmer September bedeutet also keineswegs automatisch einen kalten oder schneereichen Winter.
Der Altweibersommer sagt vor allem etwas über die aktuelle Wetterlage aus.
Nicht über Weihnachten oder Januar.
Wann weiß man sicher, ob ein Altweibersommer kommt?
Eine konkrete stabile Hochdruckphase lässt sich wesentlich besser einige Tage im Voraus beurteilen.
Langfristmodelle können Ende August lediglich Hinweise auf mögliche Temperatur und Niederschlagstrends geben.
Ob beispielsweise zwischen dem 15. und 22. September mehrere sonnige Tage mit mehr als 20 Grad folgen, wird erst deutlich näher am jeweiligen Zeitraum zuverlässig erkennbar.
Deshalb sollte man aktuelle Wetterprognosen von einer langfristigen Septembertendenz unterscheiden.
Stand Ende August gibt es Hinweise auf einen möglicherweise insgesamt milden September.
Einen garantierten Altweibersommer gibt es daraus noch nicht.
Altweibersommer 2026 in Südhessen: Die Chancen stehen grundsätzlich nicht schlecht
Wer auf spätsommerliche Tage hofft, kann vorsichtig optimistisch bleiben.
Die aktuellen langfristigen Berechnungen sehen für September 2026 tendenziell höhere Temperaturen als im langjährigen Mittel. Gleichzeitig könnten die Niederschlagsmengen eher durchschnittlich bis unterdurchschnittlich ausfallen.
Ob daraus tatsächlich ein klassischer Altweibersommer 2026 mit mehreren stabilen Sonnentagen wird, hängt jedoch von der konkreten Großwetterlage ab.
Der typische Zeitraum beginnt ohnehin erst in der zweiten Septemberhälfte.
Bis dahin kann das Wetter noch mehrere völlig unterschiedliche Phasen durchlaufen.
