Südhessen. Im Sommer kommt es immer wieder vor, dass Wespen ihre Nester an Häusern, Garagen oder in Rollladenkästen bauen. Wer ein Wespennest entdeckt, ist oft verunsichert: Muss es sofort entfernt werden? Darf man selbst aktiv werden? Und wer ist überhaupt zuständig?
Quelle: Bild von PexelsNicht jedes Wespennest stellt eine Gefahr dar. Gleichzeitig stehen Wespen unter gesetzlichem Schutz, weshalb eine Entfernung nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist.
Wespennester dürfen nicht einfach entfernt werden
Viele Wespenarten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Das bedeutet, dass ihre Nester nicht ohne Weiteres zerstört oder entfernt werden dürfen. Wer eigenmächtig handelt, riskiert je nach Einzelfall ein Bußgeld.
Eine Ausnahme kann bestehen, wenn von dem Nest eine konkrete Gefahr ausgeht. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn sich das Nest unmittelbar am Hauseingang befindet oder wenn eine Person im Haushalt unter einer nachgewiesenen Insektengiftallergie leidet. Ob eine Entfernung tatsächlich notwendig ist, sollte jedoch von Fachleuten beurteilt werden.
Muss ein Wespennest überhaupt entfernt werden?
In vielen Fällen lautet die Antwort: Nein.
Ein Wespenvolk lebt nur für einen Sommer. Spätestens im Herbst sterben die Arbeiterinnen und die alte Königin ab. Lediglich junge Königinnen überwintern an geschützten Orten und bauen im folgenden Frühjahr ein neues Nest. Das alte Nest wird normalerweise nicht erneut genutzt.
Deshalb empfehlen Fachleute häufig, ein Wespennest in Ruhe zu lassen, wenn davon keine unmittelbare Gefahr ausgeht. Oft erledigt sich das Problem nach wenigen Wochen von selbst.
Wer ist für ein Wespennest zuständig?
Wer in einer Mietwohnung lebt, sollte den Vermieter informieren und das Nest nicht eigenständig entfernen. Hauseigentümer können sich an einen Fachbetrieb wenden, wenn unklar ist, ob eine Umsiedlung oder Entfernung notwendig ist.
Handelt es sich um Hornissen oder besteht Unsicherheit bei der Bestimmung der Tiere, kann auch die zuständige Naturschutzbehörde weiterhelfen. Befindet sich dagegen ein Bienenschwarm auf dem Grundstück, ist meist ein Imker der richtige Ansprechpartner.
Warum Sie ein Wespennest nicht selbst entfernen sollten
Auch wenn der Griff zur Leiter oder zum Insektenspray naheliegend erscheint, raten Experten dringend davon ab. Wespen verteidigen ihr Nest, wenn sie sich bedroht fühlen. Dadurch steigt das Risiko mehrerer Stiche erheblich.
Besonders gefährlich sind Versuche, das Nest auszuräuchern oder anzuzünden. Dabei können Brände entstehen, außerdem werden die Tiere unnötig aggressiv. Wer unsicher ist, sollte deshalb immer fachkundigen Rat einholen.
Was hilft gegen Wespen im Alltag?
Nicht jede Wespe stammt aus dem Nest am Haus. Vor allem im Hochsommer werden die Tiere von süßen Speisen und Getränken angezogen. Wer Essen im Freien abdeckt, Fallobst regelmäßig aufsammelt und hektische Bewegungen vermeidet, kann viele Begegnungen mit Wespen verhindern.
Auch das Anpusten der Tiere ist keine gute Idee. Das ausgeatmete Kohlendioxid wird von Wespen als Warnsignal wahrgenommen und kann sie zusätzlich reizen.
Wespen, Hornissen oder Bienen – wo liegt der Unterschied?
Nicht jedes summende Insekt ist eine Wespe. Hornissen sind deutlich größer, gelten jedoch als vergleichsweise friedlich und stehen unter einem besonders strengen Artenschutz. Bienen interessieren sich dagegen meist nur wenig für Grillfleisch oder Limonade und stechen in der Regel nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Bienenschwärme werden häufig von Imkern eingefangen und an einen anderen Standort gebracht.
Ruhe bewahren ist meist die beste Lösung
Ein Wespennest am Haus bedeutet nicht automatisch, dass gehandelt werden muss. In vielen Fällen können Menschen und Wespen einige Wochen problemlos nebeneinander leben. Da die Tiere wichtige Nützlinge sind und zahlreiche Schädlinge fressen, erfüllen sie eine wichtige Rolle in der Natur.
Wer sich unsicher ist oder eine konkrete Gefahr vermutet, sollte das Nest von Fachleuten begutachten lassen. So lassen sich unnötige Risiken vermeiden, und gleichzeitig werden die gesetzlichen Vorgaben eingehalten.
