Südhessen. Wer durch Südhessen fährt, entdeckt schnell ein Muster: Bensheim, Heppenheim, Lampertheim oder Gernsheim, auffallend viele Ortsnamen enden auf „-heim“. Zufall ist das nicht. Hinter dieser Endung verbirgt sich eine Geschichte, die mehr als tausend Jahre zurückreicht und bis heute in den Namen vieler Städte und Gemeinden erhalten geblieben ist.
Quelle: Bild von PixabaySchon gewusst?
Die Endung „-heim“ gehört zu den ältesten Ortsnamensendungen Deutschlands. Besonders häufig kommt sie im Südwesten vor, also in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Sie ist ein sprachliches Zeugnis aus einer Zeit, in der viele Orte erstmals ihren Namen erhielten.
Was bedeutet die Endung „-heim“?
Das Wort „Heim“ bedeutete ursprünglich Wohnplatz, Hof oder Siedlung. Im frühen Mittelalter war es üblich, neue Ansiedlungen nach ihrem Gründer oder Besitzer zu benennen. Dazu wurde dessen Name mit der Endung „-heim“ verbunden. So entstand ein Ortsname, der sinngemäß das Zuhause oder die Siedlung einer bestimmten Person bezeichnete.
Im Laufe der Jahrhunderte änderten sich Sprache, Aussprache und Schreibweise. Der Namensbestandteil „-heim“ blieb jedoch in vielen Fällen erhalten und ist bis heute ein wichtiger Hinweis auf die Entstehungsgeschichte zahlreicher Orte.
Warum gibt es gerade in Südhessen so viele „-heim“-Orte?
Südhessen zählt zu den ältesten dauerhaft besiedelten Regionen des Landes. Entlang des Rheins, im Hessischen Ried und an der Bergstraße boten fruchtbare Böden, ausreichend Wasser und wichtige Handelswege schon früh ideale Voraussetzungen für neue Siedlungen.
Als im frühen Mittelalter zahlreiche Dörfer und Höfe entstanden, war die Endung „-heim“ besonders verbreitet. Deshalb begegnet sie heute in vielen Städten und Gemeinden der Region. Bekannte Beispiele sind Bensheim, Heppenheim, Lampertheim, Gernsheim, Groß-Rohrheim, Rüsselsheim, Raunheim und Bischofsheim. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Orte und Stadtteile, deren Namen ebenfalls auf „-heim“ enden. Diese auffällige Häufung macht Südhessen zu einer der Regionen Deutschlands, in denen diese Ortsendung besonders präsent ist.
Wurden alle „-heim“-Orte von den Franken gegründet?
Diese Vermutung hört man häufig, sie ist jedoch zu pauschal. Tatsächlich war die Endung während der fränkischen Besiedlungszeit besonders beliebt. Daraus lässt sich allerdings nicht automatisch schließen, dass jede Siedlung mit „-heim“ auch von den Franken gegründet wurde.
Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass manche Orte bereits älter waren oder ihren heutigen Namen erst später erhielten. Die Endung liefert deshalb einen wichtigen Hinweis auf die Geschichte eines Ortsnamens, ersetzt aber keine genaue Datierung.
Was verraten Ortsnamen noch?
Nicht nur die Endung „-heim“ erzählt etwas über die Vergangenheit. Viele Ortsnamen beschreiben Landschaften, Gewässer oder frühere Siedlungsformen. So weist „-bach“ meist auf einen Bachlauf hin, „-berg“ auf eine erhöhte Lage und „-rode“ auf gerodetes Land. Wer genauer hinsieht, entdeckt auf Landkarten viele Hinweise auf die Geschichte einer Region.
Das Beispiel Lampertheim
Auch Lampertheim gehört zu den Orten, deren Name auf diese alte Namensform zurückgeht. Nach heutiger Forschung leitet sich der Ortsname wahrscheinlich vom Personennamen Lantberth beziehungsweise Lambert ab. Ursprünglich bedeutete Lampertheim also sinngemäß „Heim des Lantberth“.
Über viele Generationen wandelte sich die Schreibweise, bis schließlich der heutige Name entstand.
Mehr dazu: Warum heißt Lampertheim eigentlich Lampertheim?
Kann man am Ortsnamen erkennen, wie alt ein Ort ist?
Nur bedingt. Ein Ortsname kann Hinweise auf die Zeit seiner Entstehung geben, erlaubt aber keine genaue Aussage über das Alter einer Siedlung. Historiker stützen sich deshalb zusätzlich auf Urkunden, archäologische Funde und weitere historische Quellen.
Gerade die Kombination verschiedener Erkenntnisse macht es möglich, die Geschichte eines Ortes möglichst genau nachzuvollziehen.
Ein Stück Geschichte auf jedem Ortsschild
Viele Menschen fahren täglich durch Orte wie Bensheim, Heppenheim oder Lampertheim, ohne sich Gedanken über deren Namen zu machen. Dabei erzählen sie bis heute von einer Zeit, in der neue Siedlungen entstanden und ihre Bewohner ihnen Namen gaben, die über viele Jahrhunderte erhalten geblieben sind.
Wer künftig auf einer Landkarte oder einem Ortsschild die Endung „-heim“ entdeckt, blickt damit auch auf ein kleines Stück südhessischer Geschichte.
