Kreis Bergstraße. „Großer französischer Katzenkopf“, „Schneiders späte Knorpelkirsche“ oder „Schöner aus Berwangen“: Wer einen Obstbaum pflanzen möchte, muss sich nicht auf die wenigen Sorten beschränken, die aus dem Supermarkt bekannt sind. Im Kreis Bergstraße läuft derzeit wieder die jährliche Obstbaum-Sammelbestellung, und diesmal stehen 94 verschiedene Sorten zur Auswahl.
Quelle: Bild von UnsplashInteressant ist die Aktion nicht nur für Besitzer einer Streuobstwiese. Auch Privatpersonen können teilnehmen. Bestellungen sind 2026 vom 1. August bis zum 21. September möglich. Die Bäume werden anschließend im November in Lorsch ausgegeben.
Kreis Bergstraße bietet 94 Obstsorten an
Hinter der Sammelbestellung steht die Abteilung „Ländlicher Raum“ des Kreises Bergstraße.
Die Aktion gibt es bereits seit vielen Jahren. Ihr Ziel ist unter anderem, traditionelle Obstsorten zu erhalten und den Bestand an Obstbäumen in der Region zu unterstützen.
Das Angebot ist ungewöhnlich groß.
Zur Auswahl stehen mehr als 90 Sorten aus mehreren Obstarten, darunter:
- Äpfel
- Birnen
- Kirschen
- Zwetschgen und Pflaumen
- Mirabellen
Gerade bei den Apfel- und Birnensorten finden sich Namen, die heute vielen Menschen kaum noch etwas sagen.
Das ist durchaus beabsichtigt.
Viele alte Obstsorten sind im Supermarkt kaum zu finden
Der moderne Lebensmittelhandel konzentriert sich auf vergleichsweise wenige Obstsorten.
Bei Äpfeln begegnen Verbrauchern beispielsweise immer wieder denselben bekannten Namen.
Auf Streuobstwiesen sieht die Vielfalt ganz anders aus.
Dort wachsen teilweise Sorten, die regional seit Generationen angebaut werden, im regulären Handel aber kaum noch eine Rolle spielen.
Genau solche Bäume sind Bestandteil der Bergsträßer Sammelbestellung. Der Kreis möchte damit auch traditionelle Sorten vor dem Verschwinden bewahren.
Einige Namen fallen sofort auf
Dass Obstsorten weit vielfältiger sind als das typische Angebot im Supermarkt, zeigt schon ein Blick auf einige Namen.
Zu den 94 angebotenen Sorten gehören beispielsweise:
Großer französischer Katzenkopf
Schneiders späte Knorpelkirsche
Schöner aus Berwangen
Hinter diesen ungewöhnlichen Bezeichnungen stecken keine neuen Züchtungen mit ausgefallenen Marketingnamen.
Im Gegenteil: Bei der Aktion spielen gerade traditionelle und teilweise alte Sorten eine wichtige Rolle.
Was kostet ein Obstbaum?
Ein Baum kostet bei der Sammelbestellung 31 Euro.
Nach Angaben des Kreises werden die Bäume zum Einkaufspreis weitergegeben. Der Kreis verdient an der Aktion demnach nichts. Durch die gebündelte Bestellung größerer Mengen können die Pflanzen gemeinsam beschafft werden.
Das Prinzip ist damit vergleichsweise einfach:
Viele Interessierte geben ihre Wünsche innerhalb eines festgelegten Zeitraums ab. Der Kreis bündelt die Bestellungen und organisiert anschließend die Ausgabe.
Wer kann bei der Obstbaum-Sammelbestellung mitmachen?
Die Aktion ist nicht auf Landwirte oder professionelle Obstbaubetriebe beschränkt.
Der Kreis richtet sein Angebot ausdrücklich an Interessierte, die beispielsweise im eigenen Garten oder auf einer Streuobstwiese Obstbäume pflanzen möchten.
Bemerkenswert ist außerdem der geografische Radius.
Die Sammelbestellung ist laut Kreis nicht ausschließlich Einwohnern des Kreises Bergstraße vorbehalten. Bestellwünsche können grundsätzlich auch von Interessierten außerhalb der Region eingereicht werden. Die Kreisverwaltung spricht von einer deutschlandweiten Teilnahme.
Für Menschen aus Südhessen liegt der Vorteil allerdings auf der Hand: Die spätere Abholung findet in Lorsch statt.
Bis wann können Obstbäume bestellt werden?
Für die Sammelbestellung 2026 nennt der Kreis einen klaren Zeitraum:
Bestellstart: 1. August 2026
Bestellschluss: 21. September 2026
Damit bleibt noch mehrere Wochen Zeit, sich für eine Sorte zu entscheiden.
Die Bestellformulare stellt der Kreis während des Aktionszeitraums auf seiner Internetseite bereit.
Obstbaum-Sammelbestellung des Kreises Bergstraße
Es gibt zwei unterschiedliche Bestellformulare
Auf der Seite des Kreises werden für 2026 zwei Varianten angeboten.
Zum einen gibt es ein Bestellformular für klassische Obstbäume.
Daneben steht ein zweites Formular für anspruchslose Obstbäume zur Verfügung.
Das kann die Auswahl erleichtern.
Denn die Frage, welcher Baum sinnvoll ist, sollte nicht ausschließlich nach dem Geschmack der späteren Früchte entschieden werden.
Mindestens genauso wichtig ist, ob Standort und Baum zueinander passen.
Die Bäume sind Hochstämme
Bei den angebotenen Pflanzen handelt es sich um hochstämmige Obstbäume.
Nach Angaben des Kreises beziehungsweise der Hessenschau besitzen sie eine Stammlänge von mindestens 1,60 Metern und eignen sich insbesondere für Streuobstwiesen und größere Gärten.
Das ist ein wichtiger Punkt für Interessenten.
Ein Hochstamm benötigt wesentlich mehr Platz als ein kleiner Obstbaum für einen kompakten Hausgarten.
Wer nur wenige Quadratmeter zur Verfügung hat, sollte deshalb vor der Bestellung prüfen, ob der gewünschte Baum langfristig überhaupt zum Grundstück passt.
Ein Obstbaum wird über viele Jahre deutlich größer
Beim Kauf wirkt ein junger Obstbaum zunächst überschaubar.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass er für Jahrzehnte gepflanzt wird.
Ein ausgewachsener Hochstamm entwickelt eine große Krone und benötigt entsprechend Raum.
Entscheidend ist deshalb nicht die Größe bei der Abholung, sondern der Platzbedarf des ausgewachsenen Baumes.
Zu Haus, Grundstücksgrenze, anderen Bäumen und befestigten Flächen sollte ausreichend Abstand vorhanden sein.
Auch die spätere Pflege und Ernte sollte berücksichtigt werden.
Welche Sorte passt in den eigenen Garten?
Bei 94 Sorten kann die Auswahl schwieriger werden als erwartet.
Der Name allein sollte nicht entscheiden.
Wichtiger sind unter anderem:
Standort: Wie sonnig ist der vorgesehene Platz?
Boden: Ist er eher trocken, feucht, schwer oder durchlässig?
Platz: Wie groß darf der Baum langfristig werden?
Nutzung: Sollen die Früchte frisch gegessen, gelagert oder verarbeitet werden?
Erntezeit: Ist eine frühe oder spätere Sorte gewünscht?
Bestäubung: Gibt es geeignete andere Obstbäume in der Umgebung?
Gerade bei einem Baum, der jahrzehntelang stehen soll, lohnt sich diese Überlegung vor der Bestellung.
Alte Apfelsorten können ganz unterschiedliche Eigenschaften haben
„Alter Apfel“ ist keine einheitliche Kategorie.
Manche traditionellen Sorten eignen sich besonders gut zum direkten Verzehr.
Andere entfalten ihre Stärke beim Backen, für Saft, Most oder als Lagerobst.
Auch die Reifezeit unterscheidet sich erheblich.
Einige Äpfel können bereits im Spätsommer geerntet werden, andere werden erst deutlich später pflückreif.
Bei bestimmten Lagersorten entwickelt sich der typische Geschmack sogar erst einige Zeit nach der Ernte.
Wer einen Baum auswählt, sollte deshalb überlegen, was später mit den Früchten passieren soll.
Warum alte Sorten für die Region interessant sind
Der Erhalt traditioneller Obstsorten ist mehr als Nostalgie.
Mit jeder dauerhaft verschwindenden Sorte geht genetische Vielfalt verloren.
Gerade Streuobstbestände können dagegen zahlreiche unterschiedliche Sorten auf vergleichsweise kleiner Fläche erhalten.
Der Kreis nennt den Schutz alter und traditioneller Obstsorten ausdrücklich als ein wesentliches Ziel seiner Sammelbestellung.
Gleichzeitig bleiben damit unterschiedliche Geschmacksrichtungen, Reifezeiten und Nutzungsmöglichkeiten erhalten.
Streuobstwiesen sind auch Lebensraum
Ein weiterer Effekt zeigt sich erst mit der Zeit.
Obstbäume sind nicht ausschließlich Lebensmittelproduzenten.
Bäume und Gehölze bieten Vögeln, Insekten und Kleinsäugern Nahrung, Schutz sowie Brut- und Rückzugsmöglichkeiten. Gerade ältere Bäume können durch Höhlen und Totholz zusätzliche Lebensräume für Fledermäuse, Vögel, Pilze und Insekten schaffen.
Streuobstwiesen verbinden damit landwirtschaftliche Nutzung und Naturschutz.
Das erklärt auch, weshalb der Erhalt solcher Bestände in vielen Regionen eine besondere Bedeutung besitzt.
Warum Hochstämme für Streuobstwiesen typisch sind
Klassische Streuobstwiesen unterscheiden sich deutlich von modernen Intensivobstanlagen.
Die Bäume stehen vergleichsweise weit auseinander und entwickeln große Kronen.
Häufig handelt es sich um Hochstämme.
Dadurch entsteht unter den Bäumen Raum für Wiesen, Tiere und andere Pflanzen.
Gleichzeitig bedeutet diese Wuchsform aber auch mehr Arbeit bei Pflege und Ernte.
Wer einen Hochstamm in den Garten setzt, sollte sich deshalb bewusst sein, dass er langfristig eine stattliche Größe erreichen kann.
Auch für größere Privatgärten interessant
Nicht jeder Käufer benötigt gleich eine ganze Streuobstwiese.
Ein einzelner Obstbaum kann bereits interessant sein.
Gerade größere Grundstücke bieten häufig Platz für einen Apfel-, Birnen-, Kirsch- oder Zwetschenbaum.
Dabei kann die Sammelbestellung eine Möglichkeit sein, bewusst eine Sorte auszuwählen, die nicht in jedem Gartencenter steht.
Das macht die Aktion auch für Menschen interessant, die sich mit regionalem Obstanbau bislang wenig beschäftigt haben.
Wer wenig Platz hat, sollte genau hinschauen
Für sehr kleine Reihenhausgärten oder schmale Grundstücke sind große Hochstämme dagegen nicht automatisch die beste Wahl.
Ein Obstbaum kann später Schatten werfen, andere Pflanzen bedrängen und einen erheblichen Teil der verfügbaren Fläche beanspruchen.
Auch die Ernte aus einer großen Krone ist anspruchsvoller.
Vor einer Bestellung sollte deshalb realistisch geprüft werden, wie viel Platz langfristig vorhanden ist.
Der günstige Preis allein sollte nicht ausschlaggebend sein.
Wann werden die bestellten Obstbäume abgeholt?
Die Ausgabe findet nach Angaben des Kreises Mitte November statt.
Abholort ist der Gewässerverband Bergstraße in Lorsch, der den Kreis bei der Ausgabe unterstützt.
Damit liegen zwischen Bestellung und Abholung einige Wochen.
Das ist für die Pflanzung kein ungewöhnlicher Zeitpunkt.
Der Herbst eignet sich bei vielen Obstgehölzen gut für die Pflanzung, sofern Boden und Witterung passen.
Warum Obstbäume häufig im Herbst gepflanzt werden
Bei einer Herbstpflanzung befindet sich der Baum außerhalb seiner stärksten Wachstumsphase.
Der Boden besitzt gleichzeitig häufig noch ausreichend Wärme, damit sich erste neue Feinwurzeln entwickeln können.
Bis zum Frühjahr kann sich der Baum dadurch am Standort etablieren.
Entscheidend bleibt allerdings die Witterung.
Bei gefrorenem oder stark vernässtem Boden sollte nicht einfach gepflanzt werden.
Nach dem Einsetzen benötigt ein junger Baum außerdem ausreichend Wasser.
Den Standort am besten schon vor der Abholung festlegen
Wer im September bestellt und erst im November über den Standort nachdenkt, macht es sich unnötig schwer.
Besser ist es, bereits vor der Bestellung festzulegen, wo der Baum stehen soll.
Dabei sollten Sonnenverhältnisse, Boden, Abstand und die spätere Kronengröße berücksichtigt werden.
Auch Leitungen oder andere Hindernisse im Boden können eine Rolle spielen.
Gerade auf kleineren Grundstücken lohnt es sich, die Abstände vorher auszumessen.
Junge Bäume brauchen in den ersten Jahren Pflege
Mit dem Einpflanzen ist die Arbeit nicht beendet.
Junge Obstbäume benötigen insbesondere in trockenen Phasen ausreichend Wasser.
Ein stabiler Pflanzpfahl kann helfen, den frisch gesetzten Baum zu sichern.
Außerdem spielt der richtige Erziehungsschnitt eine Rolle, damit sich langfristig eine stabile Krone entwickeln kann.
Wer bislang noch keinen Obstbaum gepflegt hat, sollte sich deshalb bereits vor der Pflanzung mit der grundlegenden Pflege beschäftigen.
Trockenheit wird auch für Obstbäume zum Thema
Gerade junge Bäume reagieren empfindlich auf Wassermangel.
Ihr Wurzelsystem reicht noch nicht so tief wie das eines jahrzehntealten Baumes.
Längere trockene Phasen können deshalb insbesondere in den ersten Standjahren problematisch sein.
Das ist auch mit Blick auf die Bedingungen in Südhessen relevant. Trockenheit und ihre Folgen für Wälder und Landwirtschaft waren in der Region zuletzt wieder ein Thema.
Wer neu pflanzt, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass ein Obstbaum nach dem ersten Angießen vollständig sich selbst überlassen werden kann.
Alte Bäume sind besonders wertvolle Lebensräume
Mit zunehmendem Alter verändert sich die ökologische Bedeutung eines Baumes.
Höhlen, Rindenspalten und abgestorbene Holzbereiche können Lebensräume schaffen, die ein junger Baum noch nicht bietet.
Der Kreis weist darauf hin, dass gerade alte Bäume häufig Höhlen und Totholz besitzen und damit unter anderem Vögeln, Fledermäusen, Insekten und Pilzen Lebensraum bieten.
Der Erhalt bestehender alter Obstbäume und das Nachpflanzen junger Bäume ergänzen sich deshalb.
Ohne Nachwuchs fehlen langfristig die alten Bäume von morgen.
Die Sammelbestellung gibt es schon seit vielen Jahren
Die Aktion ist kein einmaliges Projekt für 2026.
Der Kreis Bergstraße organisiert die gemeinsame Bestellung bereits seit vielen Jahren.
Dass das Interesse groß ist, zeigte sich auch in früheren Jahren.
Die Idee dahinter bleibt gleich: Durch eine gebündelte Bestellung können viele Menschen Zugang zu einer ungewöhnlich großen Auswahl an Obstsorten bekommen.
Gleichzeitig wird die Pflanzung neuer Obstbäume in der Region gefördert.
94 Sorten zeigen, wie groß die Obstvielfalt tatsächlich ist
Gerade diese Zahl macht die Aktion interessant.
Wer Obst hauptsächlich aus dem Supermarkt kennt, bekommt schnell den Eindruck, es gebe vielleicht eine Handvoll wichtiger Apfel- oder Birnensorten.
Tatsächlich ist die historische Sortenvielfalt wesentlich größer.
Die Bergsträßer Auswahl mit 94 verschiedenen Sorten macht einen kleinen Teil davon wieder sichtbar.
Und Namen wie „Großer französischer Katzenkopf“ dürften bei manchem Gartenbesitzer zumindest dafür sorgen, die Sortenliste etwas genauer zu studieren.
Obstbaum-Sammelbestellung 2026: Die wichtigsten Daten
| Frage | Antwort |
| Wie viele Sorten gibt es? | 94 |
| Welche Obstarten? | u. a. Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschen, Pflaumen und Mirabellen |
| Was kostet ein Baum? | 31 Euro |
| Seit wann kann bestellt werden? | 1. August 2026 |
| Bis wann kann bestellt werden? | 21. September 2026 |
| Wann werden die Bäume ausgegeben? | Mitte November |
| Wo erfolgt die Abholung? | beim Gewässerverband Bergstraße in Lorsch |
| Wer organisiert die Aktion? | Kreis Bergstraße, Abteilung „Ländlicher Raum“ |
| Wer kann bestellen? | Interessierte auch über den Kreis hinaus |
Bestellung ist noch bis 21. September möglich
Wer 2026 einen neuen Obstbaum pflanzen möchte, hat für die Entscheidung noch etwas Zeit.
Die Sammelbestellung läuft bis zum 21. September. Danach werden die Bestellungen gebündelt, bevor die Bäume Mitte November in Lorsch abgeholt werden können.
Der besondere Reiz liegt dabei weniger im günstigen Baum allein als in der Auswahl.
94 Sorten ermöglichen es, neben bekannten Früchten auch traditionelle Sorten zurück in Gärten und auf Streuobstwiesen zu bringen.
Wer bestellt, sollte allerdings nicht nur nach einem interessanten Namen auswählen. Standort, Platzbedarf und spätere Nutzung sind mindestens genauso wichtig, schließlich kann der Baum weit länger im Garten stehen als die diesjährige Obstsaison dauert.
