Starkregen im Kreis Bergstraße: Neue Karten zeigen, wo Überflutungen drohen

Kreis Bergstraße. Ein Haus muss nicht direkt an einem Fluss stehen, um bei extremem Regen von Wasser bedroht zu sein. Innerhalb weniger Minuten können Straßen zu Abflusswegen werden, Wasser über Grundstücke strömen und Keller volllaufen. Wo solche Gefahren im Kreis Bergstraße besonders groß sind, lässt sich jetzt wesentlich genauer erkennen.

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Seit Ende Juli stehen neue Starkregengefahrenkarten für den gesamten Kreis Bergstraße online zur Verfügung. Sie zeigen unter anderem mögliche Fließwege des Wassers, Überflutungsbereiche und berechnete Wassertiefen. Damit können Bewohner erstmals sehr konkret prüfen, wie das eigene Wohnumfeld bei einem extremen Starkregenereignis betroffen sein könnte.

Neue Starkregenkarte für den Kreis Bergstraße ist online

Die Karten sind Teil des Starkregen-Risikomanagements des Kreises.

Hintergrund ist eine Besonderheit von Starkregen: Anders als klassisches Flusshochwasser kann er nahezu überall auftreten.

Innerhalb kurzer Zeit fällt dabei so viel Wasser, dass Böden, Gräben und Kanalisation die Niederschlagsmenge nicht mehr aufnehmen können. Das Wasser beginnt oberirdisch abzufließen und folgt dem Gelände.

Dadurch können auch Straßen und Grundstücke betroffen sein, die weit entfernt von Weschnitz, Rhein oder anderen Gewässern liegen.

Genau diese oberirdischen Fließwege machen die neuen Karten sichtbar.

Was zeigt die Starkregengefahrenkarte?

Auf den ersten Blick sieht die Darstellung wie eine gewöhnliche digitale Landkarte aus.

Entscheidend sind jedoch die darübergelegten Berechnungen.

Die Karte zeigt insbesondere:

DarstellungBedeutung
ÜberflutungsflächenBereiche, in denen sich Wasser sammeln könnte
Wassertiefeberechnete Höhe des Wassers
FließwegeWege, die Oberflächenwasser nehmen könnte
FließgeschwindigkeitGeschwindigkeit des ablaufenden Wassers
unterschiedliche SzenarienSimulation verschiedener extremer Regenereignisse

Damit lässt sich beispielsweise erkennen, ob Wasser bei Starkregen über eine Straße in Richtung eines Grundstücks fließen könnte oder ob ein Gebäude in einer berechneten Überflutungsfläche liegt.

So lässt sich das Risiko für die eigene Adresse prüfen

Für Hausbesitzer dürfte genau das der interessanteste Teil sein.

Über die digitale Starkregengefahrenkarte kann der eigene Wohnbereich aufgerufen und anschließend näher betrachtet werden.

Starkregengefahrenkarte des Kreises Bergstraße

Anschließend lohnt sich ein Blick auf das eigene Gebäude und die umliegenden Straßen.

Dabei sollte man insbesondere darauf achten:

Liegt das Grundstück innerhalb einer berechneten Überflutungsfläche?

Führt ein Fließweg unmittelbar am Haus vorbei?

Welche Wassertiefe wird für den Bereich angezeigt?

Gibt es tieferliegende Gebäudeteile?

Liegt die Einfahrt tiefer als die Straße?

Gibt es Kellerfenster oder Treppenabgänge, über die Wasser eindringen könnte?

Die Karte ersetzt allerdings keine individuelle Begutachtung des Gebäudes.

Sie ist vielmehr ein Instrument, um mögliche Schwachstellen überhaupt erst zu erkennen.

Je dunkler die Fläche, desto höher kann das Wasser stehen

Die unterschiedlichen Farben der Karte haben eine konkrete Bedeutung.

Grundsätzlich gilt: Je dunkler ein Bereich dargestellt wird, desto größer ist die berechnete Wassertiefe.

Besonders auffällig sind lila Bereiche.

Sie markieren in der Darstellung mögliche Wassertiefen von zwei Metern oder mehr.

Das bedeutet allerdings nicht, dass dort beim nächsten Gewitter tatsächlich zwei Meter Wasser stehen werden.

Die Karte zeigt ein berechnetes Szenario.

Wie sich ein reales Ereignis entwickelt, hängt unter anderem davon ab, wo genau der Regen fällt, wie intensiv er ist, wie lange er anhält und welche Bedingungen zu diesem Zeitpunkt vor Ort herrschen.

Die Karte zeigt ein extremes Starkregenereignis

Standardmäßig wird in der Vorschau das sogenannte T3-Szenario dargestellt.

Dabei handelt es sich um die Simulation eines extremen Starkregenereignisses mit sehr hoher Niederschlagsintensität.

Der Kreis ordnet diesem Szenario statistisch eine Wiederkehrzeit von 30 Jahren zu.

Das führt schnell zu einem Missverständnis.

Ein „30-jährliches Ereignis“ bedeutet nicht, dass Starkregen dieser Größenordnung exakt einmal alle 30 Jahre auftreten kann.

Was bedeutet „einmal in 30 Jahren“ wirklich?

Statistisch liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis dieser Größenordnung in jedem einzelnen Jahr bei ungefähr 3,3 Prozent.

Nach Angaben des Kreises beträgt die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Zeitraums von 30 Jahren mindestens ein solches Ereignis zu erleben, rund 64 Prozent.

Es können theoretisch auch zwei entsprechende Ereignisse innerhalb kurzer Zeit auftreten.

Die Wiederkehrzeit ist lediglich eine statistische Größe.

Wer nach einem schweren Starkregen denkt, nun für drei Jahrzehnte „Ruhe“ zu haben, interpretiert die Zahl deshalb falsch.

Noch extremeres Szenario lässt sich einschalten

Die Karte kann sogar noch weitergehen.

Über die Werkzeugleiste lässt sich das sogenannte RADKLIM-Extremszenario auswählen.

Dieses simuliert ein außergewöhnlich seltenes Starkregenereignis mit einer statistischen Wiederkehrzeit von mehr als 1.000 Jahren beziehungsweise einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von etwa 0,1 Prozent.

Das Szenario soll nicht suggerieren, dass ein solches Ereignis unmittelbar bevorsteht.

Es zeigt vielmehr, welche Bereiche bei einem besonders extremen Ereignis betroffen sein könnten.

Für kritische Infrastruktur oder besonders empfindliche Gebäudeteile kann auch diese Information interessant sein.

Starkregen ist etwas anderes als Hochwasser

Im Alltag werden beide Begriffe häufig vermischt.

Die Gefahren unterscheiden sich jedoch.

StarkregenFlusshochwasser
entsteht durch sehr intensive Niederschlägeentsteht durch steigende Wasserstände eines Gewässers
kann praktisch überall auftretenbetrifft vor allem Gebiete entlang von Gewässern
entwickelt sich teilweise innerhalb von Minutenhäufig längere Vorlaufzeit möglich
Wasser fließt oberirdisch über Gelände und StraßenWasser tritt aus Fluss oder Bach über die Ufer
sehr lokal möglichhäufig größere Gewässerabschnitte betroffen

Ein Grundstück kann deshalb bei einem Flusshochwasser vollkommen unauffällig sein und trotzdem ein erhebliches Starkregenrisiko besitzen.

Genau deshalb sind eigene Starkregengefahrenkarten sinnvoll.

Warum auch Häuser auf einem Hang betroffen sein können

Auf den ersten Blick scheint ein höher gelegenes Haus besonders sicher zu sein.

Das muss jedoch nicht stimmen.

Bei Starkregen spielt nicht nur die absolute Höhe eine Rolle, sondern vor allem die Form des Geländes.

Wasser folgt Gefällen und konzentriert sich dabei auf bestimmte Fließwege.

Liegt ein Grundstück beispielsweise in einer natürlichen Geländemulde oder unmittelbar an einer stark abfallenden Straße, können große Wassermengen dort zusammenlaufen.

Selbst ein kleiner Höhenunterschied kann dann darüber entscheiden, ob Wasser am Gebäude vorbeifließt oder in Richtung Keller gelangt.

Straßen können plötzlich zu Wasserwegen werden

Besonders kritisch können Straßen mit starkem Gefälle sein.

Kann die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, läuft der Regen oberirdisch weiter.

Eine Straße funktioniert dann zeitweise wie ein Bach.

Das Wasser kann über Einfahrten, Hofbereiche und Treppenabgänge auf Grundstücke gelangen.

Problematisch sind beispielsweise:

tieferliegende Garagen

Kellertreppen

Lichtschächte

bodentiefe Türen

Kellerfenster

abfallende Grundstückszufahrten

Hauseingänge unterhalb des Straßenniveaus

Deshalb lohnt es sich, auf der Karte nicht nur das eigene Gebäude anzuschauen.

Auch die Umgebung ist entscheidend.

Ein trockener Boden schützt nicht automatisch

Nach längerer Trockenheit könnte man vermuten, dass der Boden besonders viel Regen aufnehmen kann.

Das ist nicht zwangsläufig der Fall.

Sehr trockene Böden können Wasser zunächst schlecht aufnehmen. Fällt innerhalb kurzer Zeit eine große Regenmenge, fließt ein erheblicher Teil oberirdisch ab.

Umgekehrt entsteht ein Problem, wenn der Boden bereits vollständig durchnässt ist.

Dann fehlt ebenfalls die Aufnahmefähigkeit.

Der Kreis nennt deshalb sowohl stark ausgetrocknete als auch bereits gesättigte Böden als mögliche Faktoren, die den oberflächlichen Abfluss verstärken können.

Versiegelte Flächen verschärfen das Problem

Asphalt, Beton und dichtes Pflaster nehmen kaum Wasser auf.

Was dort niedergeht, muss abfließen.

In dicht bebauten Bereichen gelangt deshalb innerhalb kurzer Zeit besonders viel Wasser in Kanalisation und tieferliegende Bereiche.

Wird die Kapazität der Entwässerung überschritten, kann sich Wasser auf Straßen stauen.

Auch Rückstau aus dem Kanalnetz kann zum Problem werden.

Der Kreis nennt überlaufende Kanäle, gurgelnde Abflüsse und schnell steigende Wasserstände in Senken als mögliche Warnzeichen während eines Starkregenereignisses.

Warum die Kanalisation Starkregen nicht einfach aufnehmen kann

Eine Kanalisation kann nicht für jede theoretisch mögliche Regenmenge dimensioniert werden.

Bei außergewöhnlich intensivem Niederschlag kann deshalb mehr Wasser anfallen, als das System innerhalb kurzer Zeit ableiten kann.

Das Wasser sucht sich dann andere Wege.

Ein verbreiteter Irrtum lautet deshalb:

„Wenn die Kanalisation funktioniert, kann mein Haus nicht überflutet werden.“

Bei extremem Starkregen stimmt das nicht.

Selbst ein grundsätzlich funktionierendes Entwässerungssystem besitzt Kapazitätsgrenzen.

Keller sind besonders gefährdet

Wasser sammelt sich naturgemäß an tiefen Punkten.

Deshalb gehören Kellerräume zu den besonders gefährdeten Bereichen eines Gebäudes.

Wasser kann beispielsweise über Lichtschächte, Fenster, Türen, Treppen oder eine abschüssige Einfahrt eindringen.

Zusätzlich kann Rückstau aus der Kanalisation auftreten.

Für Eigentümer lohnt sich deshalb eine systematische Runde um das eigene Gebäude.

Die entscheidende Frage lautet:

Wo würde Wasser hinfließen, wenn innerhalb kurzer Zeit sehr viel davon auf Straße und Grundstück steht?

Häufig fallen Schwachstellen erst auf, wenn man das Gebäude aus genau dieser Perspektive betrachtet.

Was können Hausbesitzer vorsorglich tun?

Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt vom Grundstück ab.

Der Kreis empfiehlt unter anderem, mehr Flächen zu schaffen, auf denen Wasser versickern oder zurückgehalten werden kann. Möglichkeiten sind beispielsweise Mulden, Zisternen oder wasserdurchlässige Beläge.

Auch empfindliche Gebäudetechnik verdient Aufmerksamkeit.

Heizungsanlagen, elektrische Einrichtungen und andere wichtige Technik sollten möglichst so angeordnet oder geschützt werden, dass eindringendes Wasser nicht sofort schwere Schäden verursacht.

Wertgegenstände sollten in gefährdeten Kellerräumen möglichst nicht direkt auf dem Boden lagern.

Rückstauschutz kann entscheidend sein

Nicht immer kommt das Wasser durch Fenster oder Türen.

Bei einer überlasteten Kanalisation kann Abwasser über tieferliegende Entwässerungsstellen zurück ins Gebäude gedrückt werden.

Deshalb ist ein geeigneter Rückstauschutz für gefährdete Gebäudeteile wichtig.

Welche technische Lösung benötigt wird, hängt von der jeweiligen Entwässerungssituation ab.

Eigentümer sollten deshalb im Zweifel fachlich prüfen lassen, ob die vorhandene Sicherung ausreichend ist.

Gerade bei älteren Gebäuden lohnt sich ein Blick darauf, ob überhaupt ein funktionierender Schutz vorhanden ist.

Grundstücke können Wasser besser aufnehmen

Auch die Gestaltung des Grundstücks spielt eine Rolle.

Je mehr Flächen vollständig versiegelt sind, desto schneller läuft Regen oberirdisch ab.

Wasserdurchlässige Beläge, Grünflächen, Mulden oder andere Versickerungsmöglichkeiten können dagegen helfen, Niederschlag zumindest teilweise auf dem eigenen Grundstück zurückzuhalten.

Eine einzelne Maßnahme schützt nicht vor jedem Extremereignis.

Viele kleine Anpassungen können jedoch verhindern, dass Wasser besonders schnell in Richtung Gebäude läuft.

Zisternen helfen – haben aber Grenzen

Regenwasserzisternen können Wasser auffangen und später beispielsweise für die Gartenbewässerung nutzbar machen.

Für Starkregenvorsorge sind sie allerdings nur dann hilfreich, wenn zum Zeitpunkt des Ereignisses noch ausreichend Speichervolumen vorhanden ist.

Eine bereits volle Zisterne kann zusätzlichen Starkregen naturgemäß nicht aufnehmen.

Sie sollte deshalb nicht als alleiniger Schutz vor Überflutung betrachtet werden.

Entscheidend ist ein Gesamtkonzept aus Rückhalt, Versickerung, Gebäudeschutz und geeigneter Entwässerung.

Versicherungsschutz sollte überprüft werden

Auch finanziell lohnt sich Vorsorge.

Der Kreis empfiehlt Eigentümern ausdrücklich, den eigenen Versicherungsschutz zu prüfen – insbesondere im Hinblick auf Elementarschäden.

Eine gewöhnliche Wohngebäude- oder Hausratversicherung deckt nicht automatisch jede Form von Überschwemmungsschaden ab.

Welche Schäden tatsächlich versichert sind, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Eigentümer sollten deshalb nicht erst nach einem Starkregenereignis feststellen, dass bestimmte Naturgefahren ausgeschlossen waren.

Was sollte besser nicht im Keller lagern?

Gerade in einem laut Karte gefährdeten Gebäude sollte über die Nutzung des Kellers nachgedacht werden.

Wichtige Dokumente, wertvolle Erinnerungsstücke oder empfindliche Elektronik sind dort möglicherweise schlecht aufgehoben.

Der Kreis empfiehlt, Gegenstände zumindest nicht direkt auf dem Boden zu lagern.

Regale können das Schadensrisiko bei geringeren Wasserständen reduzieren.

Unersetzliche Dokumente und Daten sollten zusätzlich an einem anderen Ort beziehungsweise digital gesichert werden.

Bei Starkregen niemals in einen volllaufenden Keller gehen

Vorsorge ist wichtig – im Ernstfall hat jedoch die eigene Sicherheit Vorrang.

Wenn bereits große Wassermengen in einen Keller eindringen, kann der Versuch, Gegenstände zu retten, gefährlich werden.

Elektrische Anlagen können unter Spannung stehen.

Türen können sich durch Wasserdruck nicht mehr öffnen lassen.

Wasserstände können überraschend schnell steigen.

Deshalb sollte niemand sein Leben riskieren, um Möbel, Elektrogeräte oder andere Gegenstände aus einem bereits überfluteten Bereich zu holen.

Überflutete Straßen können ebenfalls gefährlich sein

Auch mit dem Auto sollte man Wasserflächen nicht unterschätzen.

Von außen lässt sich häufig kaum erkennen, wie tief das Wasser tatsächlich ist.

Zusätzlich können Kanaldeckel fehlen, Fahrbahnen beschädigt oder starke Strömungen vorhanden sein.

Der Kreis rät deshalb ausdrücklich davon ab, überflutete Straßen zu betreten oder zu befahren.

Das gilt besonders dort, wo Wasser sichtbar fließt.

Warnzeichen können innerhalb weniger Minuten auftreten

Starkregen unterscheidet sich von vielen anderen Wettergefahren durch seine Geschwindigkeit.

Mögliche Warnzeichen sind laut Kreis:

überlaufende Kanäle

gurgelnde Abflüsse

rasch steigendes Wasser in Senken

schlammiges oder trübes Oberflächenwasser

Treibgut auf Straßen

plötzlich entstehende starke Strömungen.

Wer solche Veränderungen bemerkt, sollte nicht erst abwarten, wie weit das Wasser noch steigt.

Ein Frühwarnsystem soll zusätzliche Zeit verschaffen

Die Gefahrenkarte ist nur ein Teil eines größeren Projekts.

Der Kreis Bergstraße arbeitet zusätzlich an einem digitalen Starkregen-Frühwarnsystem.

Dieses soll Gefahren möglichst frühzeitig erkennen und Warnungen gezielt für betroffene Gebiete ermöglichen.

Das ist gerade bei Starkregen wichtig.

Klassische Wetterwarnungen können zwar auf die Gefahr heftiger Niederschläge hinweisen. Wo sich anschließend tatsächlich besonders viel Wasser sammelt, hängt jedoch stark von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Das neue System soll deshalb lokale Informationen ergänzen.

Odenwald und Ried stellen unterschiedliche Herausforderungen

Der Kreis Bergstraße besitzt eine besondere Topografie.

Im Osten liegen die Höhen und Täler des Odenwaldes, im Westen das deutlich flachere Hessische Ried.

Der Kreis weist darauf hin, dass diese Landschaft zwischen Odenwald und Ried schnelle lokale Überflutungen begünstigen kann.

Im hügeligen Gelände können große Wassermengen schnell talwärts fließen.

In flacheren Bereichen können sich Wassermassen dagegen in Senken und tiefliegenden Flächen sammeln.

Deshalb lässt sich das Risiko nicht allein anhand der Entfernung zu einem Fluss beurteilen.

Gefahrenkarte ist keine Vorhersage für das nächste Gewitter

Das ist für die Interpretation besonders wichtig.

Die Karte sagt nicht voraus, welche Straße beim nächsten Unwetter tatsächlich überflutet wird.

Sie basiert auf hydrodynamischen Modellberechnungen.

Daraus ergeben sich mögliche Fließwege, Überflutungsflächen und Wassertiefen unter bestimmten angenommenen Bedingungen.

Ein reales Unwetter kann anders verlaufen.

Die Karte beantwortet deshalb eher die Frage:

„Was könnte hier bei einem entsprechend starken Ereignis passieren?“

Nicht:

„Was wird beim nächsten Gewitter passieren?“

Ein markierter Bereich bedeutet nicht automatisch einen Gebäudeschaden

Auch hier lohnt sich eine differenzierte Betrachtung.

Wenn ein Grundstück innerhalb einer dargestellten Überflutungsfläche liegt, bedeutet das zunächst eine potenzielle Gefährdung.

Ob tatsächlich Wasser ins Gebäude gelangt, hängt von vielen Details ab.

Schon wenige Zentimeter Höhenunterschied, eine Schwelle an der Tür, die Gestaltung des Geländes oder bauliche Schutzmaßnahmen können einen Unterschied machen.

Umgekehrt sollte eine scheinbar geringe berechnete Wassertiefe nicht automatisch ignoriert werden.

Wasser braucht schließlich nur eine geeignete Eintrittsstelle.

Haus gekauft? Dann lohnt sich ein Blick auf die Karte

Die neuen Daten sind nicht nur für Menschen interessant, die bereits seit Jahren im Kreis wohnen.

Auch vor dem Kauf oder der umfassenden Sanierung einer Immobilie kann ein Blick auf mögliche Starkregenrisiken sinnvoll sein.

Dabei sollte die Karte allerdings nicht isoliert betrachtet werden.

Gebäudezustand, Grundstücksgestaltung, Entwässerung und mögliche Schutzmaßnahmen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Gerade bei einer tiefliegenden Garage oder Kellerwohnung kann ein potenzieller Fließweg auf dem Grundstück besonders relevant sein.

Auch Mieter können betroffen sein

Starkregenvorsorge ist nicht ausschließlich ein Eigentümerthema.

Mieter mit Kellerräumen sollten ebenfalls prüfen, ob dort wertvolle oder empfindliche Gegenstände direkt auf dem Boden lagern.

Bei Wohnungen im Untergeschoss kann es sinnvoll sein, sich mit der möglichen Gefährdung des Gebäudes auseinanderzusetzen.

Bauliche Veränderungen liegen zwar normalerweise in der Verantwortung des Eigentümers.

Die eigene Lagerung und persönliche Vorsorge lassen sich jedoch unabhängig davon anpassen.

Die Karte kann Vorsorge erleichtern – absolute Sicherheit bietet sie nicht

Die neuen Starkregengefahrenkarten im Kreis Bergstraße machen ein Risiko sichtbar, das im Alltag leicht unterschätzt wird.

Entscheidend ist dabei gerade, dass Starkregen nicht auf klassische Überschwemmungsgebiete beschränkt ist.

Wasser folgt bei extremen Niederschlägen dem Gelände.

Dadurch können Grundstücke betroffen sein, die auf den ersten Blick vollkommen hochwassersicher wirken.

Wer im Kreis Bergstraße wohnt, kann deshalb einmal die eigene Adresse beziehungsweise das direkte Wohnumfeld in der Karte betrachten.

Nicht jeder farbige Bereich ist Grund zur Sorge.

Ein erkennbarer Fließweg in Richtung Keller, Garage oder Hauseingang ist aber ein guter Anlass, die vorhandenen Schutzmaßnahmen genauer zu prüfen.

Häufig gestellte Fragen zur Starkregengefahrenkarte

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