„Trotz Reichtum arm“ in Darmstadt: Was unser Konsum mit globaler Armut zu tun hat

Smartphones, Elektroautos, Kleidung oder Lebensmittel: Viele Produkte, die in Deutschland zum Alltag gehören, sind von Rohstoffen aus anderen Teilen der Welt abhängig. Doch obwohl einige der Förderländer über enorme natürliche Ressourcen verfügen, profitiert die Bevölkerung davon häufig nur begrenzt.

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Genau mit diesem Widerspruch beschäftigt sich derzeit eine Ausstellung in Darmstadt. Unter dem Titel „Trotz Reichtum arm“ zeigt die Wissenschaftsstadt gemeinsam mit der Steuerungsgruppe Fairtrade-Town eine Wanderausstellung des Vereins Motivés e.V.

Vom 10. September bis 29. Oktober 2026 ist sie auf dem Ludwig-Metzger-Platz vor dem Justus-Liebig-Haus zu sehen. Im Mittelpunkt steht dabei eine Frage, die weit über die Ausstellung hinausgeht: Warum führt ein großer Rohstoffreichtum nicht automatisch zu Wohlstand?

„Trotz Reichtum arm“: Ausstellung läuft bis Ende Oktober

Eröffnet wurde die Ausstellung am Donnerstag, 10. September, durch Darmstadts Bürgermeisterin Barbara Akdeniz.

Besucher können sich anschließend noch bis zum 29. Oktober 2026 mit der globalen Verteilung und Nutzung von Ressourcen beschäftigen.

InformationAusstellung „Trotz Reichtum arm“
Zeitraum10. September bis 29. Oktober 2026
OrtLudwig-Metzger-Platz in Darmstadt
Standortvor dem Justus-Liebig-Haus
VeranstalterWissenschaftsstadt Darmstadt und Steuerungsgruppe Fairtrade-Town
AusstellungWanderausstellung von Motivés e.V.
Themaglobale Ressourcenverteilung und Ressourcengerechtigkeit

Die Ausstellung ist interaktiv aufgebaut. Besucher sollen nicht nur erfahren, woher wichtige Ressourcen stammen, sondern auch, unter welchen Bedingungen sie gewonnen werden.

Gleichzeitig richtet sich der Blick auf den eigenen Konsum in Deutschland.

Rohstoffe stecken in fast jedem Bereich unseres Alltags

Wie eng unser Alltag mit globalen Rohstoffströmen verbunden ist, wird besonders bei technischen Geräten deutlich.

Ein modernes Smartphone besteht aus zahlreichen unterschiedlichen Rohstoffen und Metallen. Ähnliches gilt für Computer, Batterien, Autos und viele Anlagen, die für die Energiewende benötigt werden.

Doch Rohstoffabhängigkeit betrifft nicht nur Technik.

Auch Kaffee, Kakao, Baumwolle oder zahlreiche andere landwirtschaftliche Produkte werden überwiegend in Regionen produziert, die Tausende Kilometer von Deutschland entfernt liegen.

Zwischen dem Abbau oder Anbau eines Rohstoffs und dem fertigen Produkt im deutschen Geschäft können deshalb lange internationale Lieferketten liegen.

Warum sind rohstoffreiche Länder nicht automatisch reich?

Auf den ersten Blick erscheint die Rechnung einfach: Ein Land verfügt über wertvolle Rohstoffe, verkauft diese auf dem Weltmarkt und müsste dadurch eigentlich Wohlstand aufbauen können.

In der Realität funktioniert das nicht immer.

Entscheidend ist beispielsweise, wer die Rohstoffe fördert, wo sie verarbeitet werden und welcher Anteil der Wertschöpfung tatsächlich im Herkunftsland verbleibt.

Wird ein Rohstoff hauptsächlich unverarbeitet exportiert und anschließend in anderen Ländern zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet, entsteht ein erheblicher Teil der Wertschöpfung außerhalb des Förderlandes.

Hinzu kommen mögliche Probleme wie schwache staatliche Institutionen, Korruption, politische Konflikte, schlechte Arbeitsbedingungen oder eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit von wenigen Exportprodukten.

Ein großer Rohstoffvorrat allein garantiert deshalb noch keinen breiten gesellschaftlichen Wohlstand.

Das Problem wird als „Ressourcenfluch“ bezeichnet

In der Wirtschaftswissenschaft wird in diesem Zusammenhang häufig vom sogenannten Ressourcenfluch gesprochen.

Damit wird das paradoxe Phänomen beschrieben, dass Länder mit großen Vorkommen an Erdöl, Gas, Mineralien oder anderen wertvollen Rohstoffen wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht zwangsläufig besser dastehen als Staaten mit deutlich weniger natürlichen Ressourcen.

Das ist allerdings kein Naturgesetz.

Wie stark ein Land von seinen Rohstoffen profitiert, hängt unter anderem davon ab, wie Einnahmen verteilt werden, wie stabil politische Institutionen sind und ob im Land selbst weitere Verarbeitung und Wertschöpfung stattfinden.

Rohstoffreichtum kann deshalb sowohl eine wirtschaftliche Chance als auch eine enorme Abhängigkeit darstellen.

Was hat das mit Verbrauchern in Darmstadt und Südhessen zu tun?

Die Verbindung entsteht spätestens beim Einkauf.

Viele Produkte, die in Südhessen täglich gekauft werden, haben internationale Lieferketten. Entscheidungen über Preis, Herstellung und Rohstoffbeschaffung fallen deshalb nicht ausschließlich dort, wo ein Produkt am Ende verkauft wird.

Die Darmstädter Ausstellung möchte genau diese Verbindung sichtbar machen.

Oberbürgermeister Hanno Benz verweist darauf, dass die Ausstellung dazu anregen soll, über den eigenen Konsum und einen gerechteren Umgang mit globalen Ressourcen nachzudenken.

Dabei geht es nicht darum, Verbrauchern die alleinige Verantwortung für komplexe globale Lieferketten zuzuschreiben.

Unternehmen, Politik, Produzenten und Verbraucher beeinflussen unterschiedliche Teile des Systems.

Wie groß ist der eigene Ressourcenverbrauch?

Ein weiterer Teil des begleitenden Angebots beschäftigt sich deshalb mit dem persönlichen Ressourcenverbrauch.

Unter dem Titel „Fett im Minus: Mein persönliches Ressourcenkonto“ können Teilnehmer untersuchen, wie viele Ressourcen sie selbst verbrauchen und welche Auswirkungen unterschiedliche Lebensweisen haben.

Dabei soll auch die Frage diskutiert werden, wie Wohlstand, Bedürfnisse und Lebensqualität miteinander zusammenhängen.

Ein weiteres Angebot beschäftigt sich mit Energie, Wasser und Rohstoffen und fragt, unter welchen Bedingungen nachhaltiges Leben und Wirtschaften überhaupt möglich sind.

Damit geht die Ausstellung über klassische Informationstafeln hinaus.

Auch das Lieferkettengesetz wird zum Thema

Besonders wirtschaftlich interessant ist ein weiterer Schwerpunkt des Begleitprogramms.

Unter der Frage „Sorgfaltspflicht bringt neue Sorgen?“ geht es um Lieferketten und die Verantwortung von Unternehmen.

Das Thema ist auch für deutsche Firmen relevant. Unternehmen beziehen Rohstoffe, Bauteile oder fertige Produkte teilweise über internationale Lieferketten und müssen sich zunehmend damit auseinandersetzen, unter welchen Bedingungen diese hergestellt werden.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur, was Verbraucher kaufen, sondern auch, wie Unternehmen ihre Lieferketten organisieren und welche Verantwortung entlang dieser Ketten übernommen werden kann.

Ausstellung verbindet globale Wirtschaft mit dem eigenen Alltag

Gerade dadurch unterscheidet sich „Trotz Reichtum arm“ von einer klassischen Ausstellung über Entwicklungspolitik.

Sie verbindet globale Wirtschaftsstrukturen mit alltäglichen Entscheidungen.

Woher kommen die Rohstoffe für unsere Produkte? Wer verdient an ihrer Verarbeitung? Wie viele Ressourcen verbrauchen wir selbst? Und welche Möglichkeiten haben Politik, Wirtschaft und Verbraucher, Einfluss darauf zu nehmen?

Auf diese Fragen gibt es keine einfache Antwort.

Die Ausstellung versucht vielmehr zu zeigen, wie eng Wohlstand in Industrieländern mit internationalen Ressourcen- und Warenströmen verbunden ist.

Darmstadt beschäftigt sich bis Ende Oktober mit Ressourcengerechtigkeit

Die Ausstellung bleibt bis zum 29. Oktober 2026 auf dem Ludwig-Metzger-Platz vor dem Justus-Liebig-Haus.

Damit bleibt ausreichend Zeit für einen Besuch.

Begleitende Angebote beschäftigen sich unter anderem mit Lieferketten, persönlichem Ressourcenverbrauch, Nachhaltigkeit und den historischen Folgen kolonialer Strukturen.

Für Darmstadt ist die Ausstellung gleichzeitig Teil der Aktivitäten als Fairtrade-Town.

Das Thema reicht jedoch weit über die Stadt hinaus. Denn ob Smartphone, Auto, Kleidung oder Lebensmittel: Globale Ressourcenströme sind längst Bestandteil des täglichen Lebens in Südhessen.

Die Frage ist deshalb nicht nur, wo Rohstoffe vorhanden sind, sondern vor allem, wer am Ende von ihnen profitiert.

Häufige Fragen zu „Trotz Reichtum arm“

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