Nach mehreren Jahren mit steigenden Krankenkassenbeiträgen soll sich die Entwicklung 2027 beruhigen. Der Bundestag hat dafür ein umfangreiches Gesetz zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen. Auch der Bundesrat hat das Gesetz inzwischen passieren lassen.
Quelle: Bild von UnsplashFür Versicherte bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass ihre persönliche Belastung im kommenden Jahr unverändert bleibt.
Denn während der durchschnittliche Zusatzbeitrag stabilisiert werden soll, können einzelne Krankenkassen weiterhin unterschiedliche Zusatzbeiträge verlangen.
Für Menschen mit höheren Einkommen kommt noch eine weitere Änderung hinzu: Die Beitragsbemessungsgrenze wird 2027 stärker angehoben als normalerweise vorgesehen.
Nach Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums kann das für entsprechend gut verdienende gesetzlich Versicherte rund 26 Euro zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge im Monat bedeuten.
Was also ändert sich bei der Krankenversicherung 2027 – und wer könnte tatsächlich mehr bezahlen?
Krankenkassenbeiträge sollen 2027 stabilisiert werden
Hinter der Reform steckt ein erhebliches Finanzproblem.
Die gesetzliche Krankenversicherung gibt seit Jahren mehr Geld aus. Ohne Gegenmaßnahmen wäre die Finanzierungslücke 2027 weiter gewachsen.
Die vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte FinanzKommission Gesundheit hatte die Finanzlücke für 2027 auf mehr als 15 Milliarden Euro beziffert.
Im weiteren Gesetzgebungsverfahren wurde sogar ein noch höherer Handlungsbedarf festgestellt.
Das Bundesgesundheitsministerium spricht inzwischen von einem notwendigen Einsparvolumen von fast 19 Milliarden Euro allein im Jahr 2027.
Um einen erneuten deutlichen Beitragssprung zu verhindern, sollen deshalb die Ausgaben in mehreren Bereichen des Gesundheitssystems begrenzt werden.
Bleibt der Zusatzbeitrag 2027 gleich?
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Das neue Gesetz soll ermöglichen, den durchschnittlichen Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen zu stabilisieren.
Das bedeutet aber nicht, dass jede Krankenkasse 2027 exakt denselben Zusatzbeitrag verlangen wird wie 2026.
Jede gesetzliche Krankenkasse legt ihren kassenindividuellen Zusatzbeitrag selbst fest.
Wie hoch der Beitrag eines Versicherten tatsächlich ausfällt, hängt deshalb weiterhin davon ab, bei welcher Krankenkasse er versichert ist.
Eine einzelne Krankenkasse kann ihren Zusatzbeitrag also auch verändern, obwohl der Durchschnitt über alle Krankenkassen stabil bleiben soll.
Warum die Krankenkassen überhaupt unter Druck stehen
Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung steht schon länger unter erheblichem Druck.
Ein wesentlicher Grund sind steigende Ausgaben.
Krankenhäuser, Arzneimittel, ambulante Behandlungen und weitere Bereiche des Gesundheitswesens verursachen zunehmend höhere Kosten.
Die FinanzKommission Gesundheit hat deshalb nicht nur kurzfristige Einsparungen untersucht.
In ihrem ersten Bericht legte sie insgesamt 66 Empfehlungen vor, mit denen die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert werden könnte.
Das nun beschlossene Gesetz greift verschiedene Maßnahmen auf und begrenzt unter anderem den weiteren Kostenanstieg in mehreren Bereichen.
Gutverdiener können 2027 trotzdem mehr bezahlen
Für Beschäftigte mit höheren Einkommen gibt es eine besonders wichtige Änderung.
Die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze wird 2027 nicht nur regulär entsprechend der Lohnentwicklung angepasst.
Zusätzlich wird die monatliche Grenze einmalig um weitere 300 Euro angehoben.
Das klingt zunächst technisch, kann aber unmittelbar Auswirkungen auf das Nettogehalt haben.
Denn bis zur Beitragsbemessungsgrenze werden Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung berechnet.
Steigt diese Grenze, wird bei entsprechend hohen Einkommen ein größerer Teil des Gehalts beitragspflichtig.
Was bedeutet die Beitragsbemessungsgrenze?
Ein einfaches Beispiel zeigt das Prinzip.
Wer monatlich deutlich mehr als die Beitragsbemessungsgrenze verdient, zahlt nicht auf sein gesamtes Einkommen Krankenversicherungsbeiträge.
Stattdessen werden Beiträge nur bis zu einer festgelegten Einkommensgrenze berechnet.
Einkommen oberhalb dieser Grenze bleibt für die Berechnung der Krankenversicherungsbeiträge außen vor.
Wird die Grenze angehoben, steigt bei Gutverdienern der Teil des Einkommens, auf den Beiträge anfallen.
Genau das passiert 2027.
Rund 26 Euro Mehrbelastung im Monat
Das Bundesgesundheitsministerium hat die Auswirkungen der außerordentlichen Anhebung bereits berechnet.
Für GKV-Mitglieder mit entsprechend hohem Einkommen bedeutet die Änderung nach Angaben des Ministeriums eine zusätzliche Belastung von ungefähr 26 Euro pro Monat.
Entscheidend ist dabei: Diese Mehrbelastung entsteht nicht dadurch, dass der allgemeine Beitragssatz automatisch erhöht wird.
Sie entsteht dadurch, dass ein größerer Teil des Einkommens für die Beitragsberechnung berücksichtigt wird.
Wer mit seinem Einkommen deutlich unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegt, ist von diesem speziellen Effekt nicht betroffen.
Auch die Versicherungspflichtgrenze wird zusätzlich angehoben
Parallel verändert sich 2027 die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze, häufig auch Versicherungspflichtgrenze genannt.
Auch sie wird zusätzlich zur regulären Anpassung außerordentlich um monatlich 300 Euro angehoben.
Diese Grenze ist insbesondere für gut verdienende Arbeitnehmer relevant.
Sie entscheidet darüber, ab welchem regelmäßigen Jahreseinkommen Arbeitnehmer grundsätzlich nicht mehr verpflichtend in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sein müssen und unter bestimmten Voraussetzungen in die private Krankenversicherung wechseln können.
Durch die höhere Grenze müssen Beschäftigte künftig entsprechend mehr verdienen, um oberhalb dieser Schwelle zu liegen.
Warum nicht jede Krankenkasse gleich teuer ist
Beim Blick auf die Krankenkassenbeiträge lohnt es sich weiterhin, zwischen zwei Bestandteilen zu unterscheiden.
Der allgemeine Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung ist gesetzlich festgelegt.
Hinzu kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag.
Gerade dieser Zusatzbeitrag sorgt dafür, dass sich die tatsächlichen Kosten verschiedener gesetzlicher Krankenkassen unterscheiden können.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen grundsätzlich auch den Zusatzbeitrag gemeinsam.
Steigt der Zusatzbeitrag einer Krankenkasse, wirkt sich das deshalb auf beide Seiten aus.
Versicherte sollten gegen Jahresende genau darauf achten, welchen Zusatzbeitrag ihre eigene Krankenkasse für 2027 ankündigt.
2027 kommen auch Änderungen bei Zuzahlungen
Die Reform betrifft nicht ausschließlich die Beiträge.
Auch bei den Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung sind Änderungen vorgesehen.
Die gesetzlichen Zuzahlungsbeträge und -grenzen werden an die Preis- und Lohnentwicklung angepasst und zusätzlich um 50 Prozent erhöht.
Das kann beispielsweise für Versicherte relevant werden, die regelmäßig Medikamente, Heilmittel oder andere zuzahlungspflichtige Leistungen benötigen.
Eine ursprünglich vorgesehene anschließende automatische Dynamisierung wurde im parlamentarischen Verfahren dagegen wieder gestrichen.
Damit können 2027 auch Versicherte stärker belastet werden, deren monatlicher Krankenkassenbeitrag selbst nicht steigt.
Auch bei Krankenhäusern wird gespart
Ein wesentlicher Teil der Reform betrifft die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung.
Für Krankenhäuser wird der zulässige Kostenanstieg in den Jahren 2027 bis 2029 begrenzt.
Auch die pharmazeutische Industrie soll einen Beitrag leisten.
Der gesetzliche Herstellerabschlag wird auf 15,5 Prozent angehoben. Für bestimmte patentierte Impfstoffe steigt ein zusätzlicher Abschlag auf neun Prozent.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Ausgabenanstieg der Krankenkassen zu bremsen.
Für Versicherte sind diese Details vor allem deshalb relevant, weil steigende Ausgaben langfristig über die Beiträge finanziert werden müssen.
Familienversicherung wird ebenfalls verändert – aber später
Eine weitere größere Änderung betrifft die beitragsfreie Familienversicherung von Ehe- und Lebenspartnern.
Diese Regelung greift allerdings nicht bereits 2027, sondern soll ab 2028 relevant werden.
Dann ist für bestimmte beitragsfrei mitversicherte Ehe- und Lebenspartner ein Beitragszuschlag vorgesehen.
Im parlamentarischen Verfahren wurden die Ausnahmen allerdings erweitert.
Unter anderem sollen Eltern mit Kindern bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr vom Zuschlag ausgenommen bleiben. Auch für bestimmte Pflege- und Erwerbsminderungssituationen gelten Ausnahmen.
Für 2027 spielt diese Änderung damit noch keine unmittelbare Rolle.
Was Versicherte Ende 2026 prüfen sollten
Für die meisten gesetzlich Versicherten lässt sich die genaue Belastung für 2027 derzeit noch nicht allein anhand des neuen Gesetzes bestimmen.
Entscheidend ist insbesondere, welchen Zusatzbeitrag die eigene Krankenkasse festlegt.
Wer ein höheres Einkommen erzielt, sollte zusätzlich die neue Beitragsbemessungsgrenze im Blick behalten.
Gerade gegen Jahresende lohnt sich deshalb ein Blick auf die Mitteilung der eigenen Krankenkasse.
Erhöht eine Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag, kann außerdem ein Vergleich mit anderen gesetzlichen Krankenkassen interessant sein.
Dabei sollte allerdings nicht ausschließlich der Beitrag betrachtet werden. Krankenkassen unterscheiden sich beispielsweise auch bei freiwilligen Zusatzleistungen, Bonusprogrammen und Serviceangeboten.
Was bedeutet die Reform für normale Arbeitnehmer?
Für Arbeitnehmer mit einem Einkommen deutlich unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze ist zunächst der Zusatzbeitrag ihrer eigenen Krankenkasse entscheidend.
Bleibt dieser unverändert, führt die außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze für sie nicht zu einer zusätzlichen Belastung.
Bei Arbeitnehmern mit hohen Einkommen sieht es anders aus.
Sie können 2027 mehr Krankenversicherungsbeiträge zahlen, obwohl der durchschnittliche Zusatzbeitrag stabilisiert wird.
Das ist einer der Gründe, warum die Aussage „Die Krankenkassenbeiträge bleiben 2027 gleich“ zu pauschal wäre.
Stabilisierung bedeutet nicht automatisch Stillstand
Die Bundesregierung verfolgt mit dem Gesetz das Ziel, einen erneuten deutlichen Anstieg der durchschnittlichen Zusatzbeiträge zu verhindern.
Ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wird, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sowie den Entscheidungen der einzelnen Krankenkassen ab.
Politisch ist die Wirksamkeit der Reform umstritten. Vertreter der Bundesregierung sehen mit dem Gesetz die Grundlage für stabile GKV-Finanzen geschaffen. Aus der Opposition wurde dagegen bezweifelt, dass die Maßnahmen ausreichen werden, um weitere Beitragssteigerungen zuverlässig zu verhindern.
Für Versicherte ist deshalb vor allem eines wichtig: Der eigene Krankenkassenbeitrag für 2027 steht nicht automatisch bereits fest.
