Hitze, Starkregen und Dürre: So will sich der Kreis Bergstraße an den Klimawandel anpassen

Heiße Klassenzimmer, überflutete Straßen nach Starkregen und Wälder, die unter langen Trockenperioden leiden: Der Klimawandel macht sich auch im Kreis Bergstraße zunehmend im Alltag bemerkbar. Nun hat der Kreis einen langfristigen Plan beschlossen, mit dem sich die Region besser auf diese Veränderungen vorbereiten soll.

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Der Kreistag hat am 7. September 2026 das neue Integrierte Klimaanpassungskonzept beschlossen. Es soll zum Fahrplan für die kommenden Jahre werden und zeigen, wie Menschen, Gebäude, Infrastruktur und Natur besser vor den Folgen des Klimawandels geschützt werden können.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur große langfristige Projekte. Klimaanpassung soll zunehmend auch bei Schulen, öffentlichen Gebäuden, Straßen, Plätzen, Wohngebieten und Grünflächen mitgedacht werden.

Was ist ein Klimaanpassungskonzept?

Klimaschutz und Klimaanpassung werden häufig miteinander verwechselt, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

Beim Klimaschutz geht es vor allem darum, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und damit die weitere Erderwärmung zu begrenzen.

Klimaanpassung setzt an einer anderen Stelle an: Sie beschäftigt sich mit den Folgen des Klimawandels, die bereits auftreten oder künftig wahrscheinlicher werden.

Dazu gehören beispielsweise längere Hitzeperioden, Trockenheit, Starkregen und lokale Überflutungen.

Der Kreis Bergstraße will sich mit seinem neuen Konzept systematisch auf genau diese Veränderungen vorbereiten.

Diese Bereiche stehen im Mittelpunkt

Das Konzept betrachtet nicht nur ein einzelnes Problem. Vielmehr wurden zahlreiche Lebens- und Wirtschaftsbereiche untersucht.

Dazu gehören unter anderem Gesundheit, Katastrophenschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naturschutz, Bauen und Wohnen, Industrie und Gewerbe, Energiewirtschaft, Tourismus sowie Stadt- und Regionalplanung.

Besonders sichtbar werden die Folgen des Klimawandels allerdings an Orten, die viele Menschen täglich nutzen.

BereichHerausforderung
Schulen und öffentliche Gebäudehohe Temperaturen während Hitzeperioden
Straßen und PlätzeHitze und Starkregen
WohngebieteÜberflutungen und sommerliche Wärme
WälderTrockenheit und steigender Stress für Bäume
LandwirtschaftHitze, Trockenheit und veränderte Niederschläge
GesundheitBelastung während extremer Hitze
NaturVeränderungen von Lebensräumen und Arten
Bevölkerungsschutzzunehmende Extremwetterrisiken

Aus den Analysen wurden Maßnahmen entwickelt, die nun schrittweise umgesetzt werden sollen.

Schulen sollen besser mit Hitze umgehen können

Ein besonders greifbares Beispiel sind die Schulen im Kreis.

Hohe Temperaturen können während längerer Hitzeperioden dazu führen, dass sich Unterrichtsräume stark aufheizen. Der Kreis beschäftigt sich deshalb bereits seit einiger Zeit mit dem Hitzeschutz an seinen Schulgebäuden.

Dabei geht es beispielsweise um Sonnenschutz, Verschattung und bauliche Lösungen.

Der Kreis hat im Sommer 2026 sogar angekündigt zu prüfen, ob angesichts der gestiegenen Temperaturen künftig Klimaanlagen an Schulen technisch und finanziell infrage kommen könnten.

Das neue Klimaanpassungskonzept führt diese Überlegungen nun in einer größeren Strategie zusammen.

Ziel ist nicht allein, auf die nächste Hitzewelle zu reagieren. Gebäude sollen langfristig so geplant und weiterentwickelt werden, dass sie auch mit einem wärmeren Klima besser zurechtkommen.

Straßen und Plätze müssen Starkregen aushalten

Eine zweite große Herausforderung ist Starkregen.

Innerhalb kurzer Zeit können enorme Wassermengen fallen. Besonders problematisch wird das dort, wo große Flächen versiegelt sind und Wasser nicht schnell genug versickern oder abfließen kann.

Straßen, Plätze und Wohngebiete spielen deshalb bei der Klimaanpassung eine wichtige Rolle.

Der Kreis stellt dabei die Frage, wie solche Flächen künftig so gestaltet werden können, dass sie Starkregen besser bewältigen und gleichzeitig während Hitzeperioden weniger stark aufheizen.

Grünflächen können dabei gleich mehrere Aufgaben übernehmen.

Bäume und andere Pflanzen spenden Schatten und können ihre Umgebung abkühlen. Gleichzeitig können unversiegelte Flächen dazu beitragen, Regenwasser aufzunehmen.

Klimaanpassung verändert damit langfristig auch die Art, wie öffentliche Räume geplant werden.

Starkregen ist an der Bergstraße ein besonderes Thema

Dass Starkregen nicht nur ein theoretisches Zukunftsrisiko ist, hat sich in der Region bereits mehrfach gezeigt.

Der Kreis stellt deshalb Starkregengefahrenkarten bereit, mit denen besonders gefährdete Straßen und Gebiete erkannt werden können.

Parallel zum Klimaanpassungskonzept arbeitet der Kreis an einem weiteren großen Projekt: einem kreisweiten Starkregen-Frühwarnsystem.

Damit soll der Bevölkerungsschutz verbessert werden.

Beide Projekte verfolgen unterschiedliche Aufgaben, ergänzen sich aber. Während das Klimaanpassungskonzept langfristig Strukturen widerstandsfähiger machen soll, soll ein Frühwarnsystem dabei helfen, bei konkreten Starkregenereignissen schneller reagieren zu können.

Auch die Wälder müssen sich verändern

Eine weitere Herausforderung liegt außerhalb der Städte.

Längere Trockenperioden und hohe Temperaturen setzen den Wäldern zu. Bäume, die an frühere klimatische Bedingungen angepasst waren, können zunehmend unter Wassermangel und Hitzestress leiden.

Der Kreis will deshalb auch die Frage berücksichtigen, wie Wälder und andere Naturräume langfristig widerstandsfähiger werden können.

Dabei geht es nicht nur um den Erhalt von Bäumen.

Wälder sind Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, speichern Wasser, beeinflussen das lokale Klima und dienen den Menschen gleichzeitig als Erholungsraum.

Wenn sich die klimatischen Bedingungen verändern, betrifft das deshalb mehrere Funktionen gleichzeitig.

Landwirtschaft gehört ebenfalls zu den betroffenen Bereichen

Für die Landwirtschaft sind Veränderungen von Temperatur und Niederschlag besonders unmittelbar spürbar.

Längere Trockenphasen können Pflanzen unter Stress setzen, während Starkregen innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen auf Felder bringt und Böden abschwemmen kann.

Bei der Entwicklung des Klimaanpassungskonzepts wurden deshalb auch Vertreter und Fachleute aus Landwirtschaft, Bodenmanagement sowie Forst- und Waldwirtschaft eingebunden.

Gemeinsam wurden Risiken untersucht und mögliche Maßnahmen entwickelt.

Damit soll verhindert werden, dass Klimaanpassung ausschließlich aus Sicht der Verwaltung geplant wird.

Viele Akteure aus dem Kreis waren beteiligt

Die Erstellung des Konzepts begann bereits Ende 2024.

An dem Prozess waren neben verschiedenen Fachabteilungen des Kreises auch Städte und Gemeinden, Schulen, der Gewässerverband Bergstraße und der Nachhaltigkeitsbeirat beteiligt.

Hinzu kamen Fachleute aus Gesundheit, Katastrophenschutz, Landwirtschaft, Waldwirtschaft, Naturschutz, Stadtplanung, Bauen, Wirtschaft, Energie und Tourismus.

In mehreren Workshops wurden zunächst die Auswirkungen des Klimawandels auf die einzelnen Bereiche untersucht.

Anschließend entstanden konkrete Maßnahmenvorschläge.

Diese wurden weiter diskutiert, priorisiert und schließlich in das Klimaanpassungskonzept aufgenommen.

Rund 218.000 Euro Förderung für die Konzepterstellung

Die Erstellung des Klimaanpassungskonzepts wurde vom Bund gefördert.

Nach Angaben des Kreises werden rund 80 Prozent der Kosten übernommen. Die Fördersumme liegt bei etwa 218.000 Euro.

Das geförderte Vorhaben läuft vom 1. November 2024 bis zum 31. Oktober 2026.

Mit dem Beschluss des Kreistages beginnt nun der entscheidende nächste Schritt: Aus dem Konzept müssen konkrete Projekte werden.

Was bedeutet der Beschluss für die Einwohner?

Kurzfristig wird sich durch den Beschluss nicht von heute auf morgen das Straßenbild verändern.

Das Klimaanpassungskonzept ist vielmehr eine strategische Grundlage für Entscheidungen der kommenden Jahre.

Wenn Schulen saniert, öffentliche Gebäude modernisiert, Plätze umgestaltet oder andere Infrastrukturprojekte geplant werden, sollen die Folgen des Klimawandels stärker berücksichtigt werden.

Auch Städte und Gemeinden können die Erkenntnisse und Maßnahmen des Kreises für ihre eigene Planung nutzen.

Langfristig könnte das beispielsweise mehr Verschattung und Begrünung, einen besseren Umgang mit Regenwasser oder angepasste Gebäude bedeuten.

Welche Maßnahmen an welchem Ort tatsächlich umgesetzt werden, hängt allerdings von den jeweiligen Projekten, Zuständigkeiten und politischen Entscheidungen ab.

Klimaanpassung ist nicht dasselbe wie Hitzeschutz

Der Kreis beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit einzelnen Folgen des Klimawandels.

Dazu gehört insbesondere der bestehende Hitzeaktionsplan.

Er konzentriert sich stark auf gesundheitliche Risiken während Hitzeperioden. Besonders gefährdet sind beispielsweise ältere und pflegebedürftige Menschen, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder sowie Menschen, die im Freien arbeiten.

Das neue Klimaanpassungskonzept geht deutlich darüber hinaus.

Es verbindet Hitzeschutz mit Themen wie Starkregen, Dürre, Infrastruktur, Landwirtschaft, Wald, Natur und Stadtentwicklung.

Damit entsteht erstmals ein übergeordneter Rahmen für zahlreiche bislang teilweise getrennt behandelte Bereiche.

Klimaanpassung wird zur Daueraufgabe

Mit dem Beschluss ist die Arbeit deshalb nicht abgeschlossen.

Das Konzept sieht neben einem priorisierten Maßnahmenkatalog auch vor, die Umsetzung langfristig zu begleiten und die Wirksamkeit von Maßnahmen zu überprüfen.

Das ist entscheidend, weil sich auch die klimatischen Bedingungen weiter verändern können.

Was heute als ausreichender Hitzeschutz gilt, muss in einigen Jahren möglicherweise erneut angepasst werden.

Gleiches gilt für Starkregenvorsorge, Waldentwicklung oder den Umgang mit Wasser.

Für den Kreis Bergstraße wird Klimaanpassung damit von einem einzelnen Projekt zu einer dauerhaften Aufgabe.

Häufige Fragen zum Klimaanpassungskonzept

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