Für die Schullandschaft in Heppenheim beginnt mit dem Schuljahr 2026/27 ein neues Kapitel. Die Martin-Buber-Schule wird schrittweise von einer Haupt- und Realschule zu einer vierzügigen Integrierten Gesamtschule (IGS) umgewandelt.
Quelle: Bild von PexelsDen Anfang macht der neue fünfte Jahrgang. Für die Schülerinnen und Schüler wurde gleichzeitig das neue „Lernhaus 5“ eröffnet. Dafür hat der Kreis Bergstraße ein Schulgebäude aus dem Jahr 1956 umfassend saniert und zu einem modernen Lernort umgebaut.
Hinter der Umwandlung steckt aber mehr als eine Modernisierung einzelner Klassenräume. Mit der neuen Gesamtschule reagiert der Kreis auf die hohe Nachfrage nach IGS-Plätzen und erweitert das Angebot dieser Schulform im südlichen Teil des Kreises Bergstraße.
Martin-Buber-Schule startet als Integrierte Gesamtschule
Die Umwandlung erfolgt nicht auf einen Schlag.
Seit Beginn des Schuljahres 2026/27 werden zunächst die neuen fünften Klassen nach dem Konzept einer Integrierten Gesamtschule unterrichtet. Anschließend wächst die neue Schulform Jahr für Jahr weiter.
Damit läuft die bisherige Haupt- und Realschule schrittweise aus, während parallel die Gesamtschule aufgebaut wird.
| Änderung | Stand |
| Schule | Martin-Buber-Schule Heppenheim |
| bisherige Schulform | Haupt- und Realschule |
| neue Schulform | Integrierte Gesamtschule |
| Beginn | Schuljahr 2026/27 |
| Start | zunächst Jahrgang 5 |
| geplanter Umfang | vierzügige IGS |
| neues Gebäude | „Lernhaus 5“ |
| ursprüngliches Baujahr | 1956 |
Die schulorganisatorische Änderung war bereits im Schulentwicklungsplan des Kreises vorgesehen. Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen stimmte der Umwandlung mit Wirkung zum Schuljahr 2026/27 zu.
Was ist eine Integrierte Gesamtschule?
Der wesentliche Unterschied zur klassischen Aufteilung auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium liegt darin, dass Schülerinnen und Schüler an einer Integrierten Gesamtschule länger gemeinsam lernen.
Die unterschiedlichen Bildungsgänge werden unter einem Dach zusammengeführt.
Je nach Fach und pädagogischem Konzept können Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlichen Leistungsniveaus arbeiten, ohne bereits nach der Grundschule dauerhaft auf verschiedene Schulformen verteilt zu werden.
Dadurch sollen Bildungswege länger offenbleiben.
Für Familien bedeutet das beispielsweise, dass sich die weitere schulische Entwicklung eines Kindes nicht bereits nach der vierten Klasse vollständig auf eine einzelne klassische Schulform festlegen muss.
Warum bekommt Heppenheim eine weitere IGS?
Der Kreis Bergstraße begründet die Veränderung unter anderem mit der seit Jahren hohen Nachfrage nach Plätzen an Integrierten Gesamtschulen.
Mit der Martin-Buber-Schule entsteht nun ein zusätzliches wohnortnahes Angebot.
Das ist insbesondere für Heppenheim und die südliche Bergstraße relevant. Bislang mussten Familien, die ausdrücklich eine Integrierte Gesamtschule bevorzugten, teilweise auf andere Standorte ausweichen.
Im Schulentwicklungsplan 2025 bis 2030 ist die Umwandlung deshalb ausdrücklich als schulorganisatorische Maßnahme vorgesehen.
Vierzügig: Was bedeutet das?
Die neue Integrierte Gesamtschule soll vierzügig aufgebaut werden.
Vierzügig bedeutet vereinfacht, dass in einem Jahrgang grundsätzlich vier parallele Klassen vorgesehen sind.
Da die Umstellung mit dem fünften Jahrgang beginnt, entsteht die vollständige neue Schulstruktur schrittweise.
Die Schülerinnen und Schüler der bisherigen Jahrgänge wechseln also nicht plötzlich in eine völlig neue Schulform. Stattdessen wächst die IGS mit den neu aufgenommenen Jahrgängen nach oben.
Neues „Lernhaus 5“ für die fünften Klassen
Parallel zur pädagogischen Veränderung wurde auch baulich investiert.
Das neue Lernhaus 5 wurde jetzt offiziell seiner Bestimmung übergeben. Dort sind die neuen fünften Klassen untergebracht.
Interessant ist dabei, dass es sich nicht um einen vollständigen Neubau handelt.
Das ursprüngliche Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1956. Der Kreis ließ es umfassend sanieren und zu einem modernen Lernort umbauen.
Damit erhält ausgerechnet ein rund 70 Jahre altes Schulgebäude eine zentrale Funktion beim Aufbau der neuen Gesamtschule.
Räume sollen zum neuen Schulkonzept passen
Die räumliche Veränderung hängt unmittelbar mit der neuen Schulform zusammen.
Eine moderne Gesamtschule benötigt nicht nur klassische Klassenzimmer. Unterschiedliche Lernformen, Gruppenarbeit, selbstständiges Arbeiten und differenzierter Unterricht stellen andere Anforderungen an Schulgebäude als der traditionelle Unterricht ausschließlich im Klassenraum.
Schulleitung und Kollegium haben nach Angaben des Kreises die Umstellung zur IGS deshalb bereits intensiv vorbereitet und ihre pädagogischen Konzepte auf die neue Schulform ausgerichtet.
Mit dem Lernhaus sollen nun auch die räumlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden.
Kreis Bergstraße baut seine Schulen derzeit stark um
Die Martin-Buber-Schule ist kein Einzelprojekt.
Der Kreis Bergstraße ist Schulträger von 75 Schulen und plant in den kommenden Jahren zahlreiche Erweiterungen, Sanierungen und Neubauten.
Gerade im Bereich der südlichen Bergstraße stehen mehrere größere Vorhaben an. Der Schulentwicklungsplan 2025 bis 2030 sieht unter anderem Erweiterungen der Konrad-Adenauer-Schule und der Nibelungenschule sowie Sanierungen der Schlossschule und der Eichendorffschule vor.
Auch für die Martin-Buber-Schule selbst sind weitere Erweiterungen Bestandteil der langfristigen Schulentwicklungsplanung.
Damit reagiert der Kreis nicht nur auf veränderte pädagogische Anforderungen, sondern auch auf die Entwicklung der Schülerzahlen und den zusätzlichen Raumbedarf.
Schulentwicklung betrifft derzeit den gesamten Kreis
Wie groß der Investitionsbedarf ist, zeigt auch der Blick in andere Teile des Kreises.
In Lampertheim entsteht mit dem Schulzentrum West eines der größten Schulbauprojekte der Region. Allein dort investiert der Kreis rund 120 Millionen Euro in den Neubau des Lessing-Gymnasiums und die anschließende Weiterentwicklung der Alfred-Delp-Schule.
Auch die Schillerschule in Lampertheim soll von drei auf vier Züge erweitert werden.
In Viernheim wiederum sieht der Schulentwicklungsplan die Errichtung einer neuen fünfzügigen Grundschule zum Schuljahr 2029/30 vor.
Die Umwandlung der Martin-Buber-Schule ist damit Teil eines wesentlich größeren Umbaus der Bildungslandschaft im Kreis Bergstraße.
Was ändert sich für Familien in Heppenheim?
Für Familien entsteht vor allem eine zusätzliche Wahlmöglichkeit.
Wer für sein Kind nach der Grundschule eine Integrierte Gesamtschule bevorzugt, erhält mit der Martin-Buber-Schule nun ein entsprechendes Angebot direkt in Heppenheim.
Besonders relevant ist das für Familien, die eine frühe Aufteilung auf Hauptschule, Realschule oder Gymnasium vermeiden möchten.
Da die Gesamtschule zunächst mit dem fünften Jahrgang gestartet ist, wird sich das vollständige Angebot allerdings erst über die kommenden Schuljahre entwickeln.
Eine Schule verändert sich über mehrere Jahre
Die Eröffnung des Lernhauses markiert deshalb lediglich den sichtbaren Anfang.
Mit jedem neuen Schuljahr kommt ein weiterer IGS-Jahrgang hinzu. Dadurch verändert sich die Martin-Buber-Schule über mehrere Jahre hinweg von ihrer bisherigen Struktur zur vollständigen vierzügigen Integrierten Gesamtschule.
Gleichzeitig sollen die räumlichen Voraussetzungen weiterentwickelt werden.
Für Heppenheim bedeutet das eine dauerhafte Veränderung der weiterführenden Schullandschaft – und für Familien eine zusätzliche Möglichkeit, welchen Bildungsweg sie nach der Grundschule wählen.
