Im Kreis Bergstraße ist bei einer Fledermaus Fledermaustollwut nachgewiesen worden. Das aufgefundene Tier war zunächst in eine Fledermausauffangstation gebracht worden. Dort fiel es durch ungewöhnlich aggressives Verhalten auf. Eine anschließende Untersuchung im Labor bestätigte eine Infektion mit dem European Bat Lyssavirus 1 (EBLV-1).
Quelle: Bild von UnsplashDas Veterinäramt des Kreises Bergstraße mahnt deshalb zu einem vorsichtigen Umgang mit aufgefundenen Fledermäusen. Einen Grund zur Beunruhigung sieht die Behörde allerdings nicht. Das Infektionsrisiko für Menschen ist im normalen Alltag sehr gering.
Entscheidend ist vor allem eine einfache Regel: Fledermäuse sollten nicht mit bloßen Händen angefasst werden.
Fledermaustollwut ist nicht die klassische Tollwut
Der aktuelle Fall kann zunächst überraschen. Schließlich gilt Deutschland bereits seit 2008 offiziell als frei von klassischer terrestrischer Tollwut.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Tollwutviren aus Deutschland verschwunden sind.
Bei Fledermäusen werden weiterhin sogenannte Lyssaviren nachgewiesen. Zu ihnen gehört auch das nun im Kreis Bergstraße festgestellte European Bat Lyssavirus 1.
Diese Viren können bei Fledermäusen eine Tollwuterkrankung auslösen und grundsätzlich auch auf Menschen und andere Säugetiere übertragen werden.
Die Fledermaustollwut muss deshalb von der klassischen Tollwut unterschieden werden, die früher beispielsweise bei Füchsen und anderen am Boden lebenden Säugetieren vorkam.
Wie gefährlich ist der Fall für Menschen?
Für die Bevölkerung besteht nach Einschätzung des Kreises nur ein sehr geringes Infektionsrisiko.
Das liegt vor allem daran, dass Fledermäuse normalerweise scheue Tiere sind und Menschen aus dem Weg gehen.
Eine Übertragung setzt grundsätzlich einen direkten Kontakt mit einem infizierten Tier voraus.
Möglich wäre eine Übertragung beispielsweise durch einen Biss oder Kratzer. Ein Risiko kann auch entstehen, wenn Speichel einer infizierten Fledermaus mit Schleimhäuten oder einer frischen Wunde in Kontakt kommt.
Wer lediglich eine Fledermaus fliegen sieht oder sich in der Nähe eines Tieres befindet, muss deshalb nicht von einer unmittelbaren Infektionsgefahr ausgehen.
Warum fiel die infizierte Fledermaus überhaupt auf?
Die im Kreis Bergstraße gefundene Fledermaus war nach ihrem Auffinden zunächst in eine Auffangstation gebracht worden.
Dort zeigte das Tier ein ungewöhnlich aggressives Verhalten.
Daraufhin wurde eine labordiagnostische Untersuchung durchgeführt. Sie bestätigte den Verdacht auf eine Infektion mit EBLV-1.
Auffälliges Verhalten kann deshalb ein Grund sein, bei einer gefundenen Fledermaus besonders vorsichtig zu sein.
Allerdings bedeutet eine geschwächte, flugunfähige oder ungewöhnlich wirkende Fledermaus nicht automatisch, dass sie Tollwut hat.
Eine sichere Feststellung ist nur durch eine entsprechende Untersuchung möglich.
Was tun, wenn man eine Fledermaus findet?
Besonders im Spätsommer und Herbst kann es vorkommen, dass Menschen auf Fledermäuse treffen, die am Boden liegen, nicht mehr fliegen können oder vermeintlich Hilfe benötigen.
Der Impuls, das Tier aufzuheben, ist nachvollziehbar – genau davon rät das Veterinäramt jedoch ab.
| Situation | So sollte man reagieren |
| Fledermaus am Boden gefunden | Nicht mit bloßen Händen anfassen |
| Tier wirkt krank oder geschwächt | Abstand halten und fachkundige Stelle kontaktieren |
| Fledermaus muss bewegt werden | Nur mit geeigneten bissfesten Handschuhen |
| Tote Fledermaus gefunden | Ebenfalls nicht mit bloßen Händen berühren |
| Hund oder Katze nähert sich | Kontakt möglichst verhindern |
| Biss oder Kratzer | Wunde sofort gründlich reinigen und ärztlichen Rat einholen |
| Speichel gelangt an Wunde oder Schleimhaut | Ebenfalls unverzüglich medizinisch abklären lassen |
Das gilt nicht nur für offensichtlich aggressive Tiere.
Auch eine ruhig wirkende, geschwächte oder tote Fledermaus sollte grundsätzlich nicht mit bloßen Händen angefasst werden.
Was ist nach einem Biss oder Kratzer zu tun?
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem direkten Kontakt, sollte schnell reagiert werden.
Nach Empfehlung des Veterinäramtes muss die betroffene Körperstelle umgehend gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.
Anschließend sollte unverzüglich ärztlicher Rat eingeholt werden.
Dabei ist wichtig, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass zuvor Kontakt mit einer Fledermaus bestand.
Das gilt nicht nur nach einem deutlich sichtbaren Biss. Auch Kratzer oder ein möglicher Kontakt von Speichel mit einer frischen Wunde beziehungsweise Schleimhäuten sollten medizinisch abgeklärt werden.
Auch Hunde und Katzen von Fledermäusen fernhalten
Vorsicht gilt ebenfalls für Haustierbesitzer.
Lyssaviren können grundsätzlich nicht nur Menschen, sondern auch andere Säugetiere infizieren.
Hunde und Katzen sollten deshalb möglichst keinen Kontakt zu einer aufgefundenen Fledermaus bekommen.
Gerade bei Katzen kann das relevant sein, da sie Fledermäuse unter Umständen als Beute wahrnehmen.
Hat ein Haustier direkten Kontakt zu einer Fledermaus gehabt, sollte das weitere Vorgehen fachkundig abgeklärt werden.
Nicht jede hilfsbedürftige Fledermaus selbst versorgen
Fledermäuse spielen eine wichtige Rolle im Naturhaushalt und stehen unter besonderem gesetzlichen Schutz.
Eine gefundene Fledermaus sollte deshalb nicht einfach entsorgt werden. Gleichzeitig ist es keine gute Idee, ein vermeintlich hilfsbedürftiges Tier ohne entsprechende Erfahrung selbst aufzunehmen und zu versorgen.
Der Kreis empfiehlt, sich an fachkundige Stellen zu wenden.
Auch eine Untersuchung aufgefundener Tiere ist grundsätzlich möglich. Dafür sollte allerdings zunächst Kontakt mit dem Veterinäramt des Kreises Bergstraße aufgenommen werden.
Dort kann abgestimmt werden, wie mit dem Tier weiter verfahren und eine sichere Übergabe organisiert werden kann.
Warum Fledermäuse trotzdem keine Gefahr im Alltag sind
Der Nachweis sollte nicht dazu führen, Fledermäuse grundsätzlich als gefährliche Tiere wahrzunehmen.
Sie meiden Menschen normalerweise und erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Unter anderem fressen viele heimische Fledermausarten große Mengen an Insekten.
Der aktuelle Fall zeigt vielmehr, warum beim direkten Umgang mit Wildtieren grundsätzlich Vorsicht sinnvoll ist.
Das gilt besonders dann, wenn sich ein Tier ungewöhnlich verhält.
Der für das Veterinärwesen zuständige Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf betont ebenfalls, dass der aktuelle Nachweis kein Grund zur Beunruhigung sei.
Wer Fledermäuse nicht mit bloßen Händen anfasse und nach einem möglichen direkten Kontakt schnell medizinischen Rat einhole, könne das ohnehin geringe Risiko weiter reduzieren.
Warum gibt es Fledermaustollwut noch?
Deutschland konnte die klassische Tollwut bei Landtieren erfolgreich zurückdrängen. Seit 2008 gilt das Land offiziell als frei von terrestrischer Tollwut.
Fledermäuse bilden jedoch einen eigenen natürlichen Übertragungszyklus für verschiedene Lyssaviren.
Deshalb können entsprechende Viren weiterhin bei einzelnen Tieren festgestellt werden, obwohl Deutschland als frei von klassischer Tollwut gilt.
Der aktuelle Nachweis im Kreis Bergstraße ist daher kein Hinweis darauf, dass die klassische Tollwut in der Region zurückgekehrt ist.
Wo kann man einen Fund melden?
Wer im Kreis Bergstraße eine auffällige, verletzte oder tote Fledermaus findet und eine Untersuchung beziehungsweise sichere Übergabe abklären möchte, kann sich an den Bereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Kreises Bergstraße wenden.
Die Behörde ist in Heppenheim angesiedelt.
Wichtig ist, zunächst Kontakt aufzunehmen und nicht unangekündigt mit einem Tier bei der Behörde zu erscheinen.
Bis geklärt ist, wie weiter vorzugehen ist, sollte direkter Kontakt mit der Fledermaus vermieden werden.
Kein Grund zur Panik – aber ein Grund für Vorsicht
Der bestätigte Fall von Fledermaustollwut verändert den Alltag im Kreis Bergstraße nicht.
Spaziergänge, Aufenthalte im Garten oder Fledermäuse, die am Abend über Häuser und Grünflächen fliegen, stellen dadurch nicht plötzlich eine besondere Gefahr dar.
Relevant wird das Thema vor allem dann, wenn eine Fledermaus am Boden gefunden wird oder ein direkter Kontakt stattgefunden hat.
Dann gilt: nicht mit bloßen Händen anfassen, Haustiere fernhalten und nach einem Biss, Kratzer oder anderem direkten Kontakt unverzüglich medizinischen Rat einholen.
Damit lässt sich das ohnehin sehr geringe Infektionsrisiko weiter reduzieren.
