Südhessen. Wer zum ersten Mal nach Viernheim kommt, wundert sich oft: Die Stadt liegt unmittelbar neben Mannheim und grenzt an Weinheim in Baden-Württemberg. Viele Einkaufs-, Arbeits- und Freizeitwege führen in die Nachbarländer. Umso überraschender ist für viele, dass Viernheim zum Bundesland Hessen gehört.
Die Antwort liegt mehrere Jahrhunderte zurück und hat mit Fürsten, historischen Grenzen und einer großen Gebietsreform zu tun.
Quelle: Bild von IStockPhotoSchon gewusst?
Viernheim liegt nur wenige Kilometer von Mannheim entfernt und gehört dennoch zum hessischen Kreis Bergstraße. Dass die Stadt heute hessisch ist, geht auf historische Herrschaftsverhältnisse zurück, lange bevor es überhaupt Bundesländer gab.
Die Geschichte begann im Mittelalter
Bereits im Mittelalter gehörte Viernheim zum Besitz des Klosters Lorsch, das zu den bedeutendsten Klöstern des Heiligen Römischen Reiches zählte. Nach dem Niedergang des Klosters wechselte die Herrschaft mehrfach.
Schließlich kam Viernheim zur Kurpfalz und blieb dort über viele Jahrhunderte.
Wie wurde aus der Kurpfalz Hessen?
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Deutschland im Zuge der Napoleonischen Kriege neu geordnet. Zahlreiche Herrschaften verschwanden oder wurden neu aufgeteilt.
Im Jahr 1803 fiel Viernheim zunächst an das Landgrafentum Hessen-Darmstadt. Wenige Jahre später entstand daraus das Großherzogtum Hessen.
Damit war Viernheim dauerhaft Teil Hessens, obwohl die Stadt weiterhin eng mit den Orten südlich der Landesgrenze verbunden blieb.
Warum gehört Weinheim zu Baden-Württemberg?
Während Viernheim hessisch wurde, entwickelte sich Weinheim politisch in eine andere Richtung. Die Stadt gehörte zum Großherzogtum Baden.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg die heutigen Bundesländer entstanden, ging Baden später gemeinsam mit Württemberg im Bundesland Baden-Württemberg auf. Hessen blieb dagegen eigenständig.
So entstand die Landesgrenze, die bis heute direkt zwischen Viernheim und Weinheim verläuft.
Warum die Bergstraße überhaupt ihren Namen trägt und weshalb sie sich über Hessen und Baden-Württemberg erstreckt, erklären wir im Beitrag „Warum heißt die Bergstraße eigentlich Bergstraße?“.
Im Alltag spielt die Grenze kaum eine Rolle
Für viele Menschen ist die Landesgrenze heute kaum spürbar. Tausende pendeln täglich zwischen Viernheim, Mannheim und Weinheim. Auch beim Einkaufen, bei Freizeitaktivitäten oder Veranstaltungen bewegen sich viele selbstverständlich über die Landesgrenzen hinweg.
Dennoch gibt es Unterschiede, etwa bei Schulferien, Feiertagen, der Verwaltung oder den kommunalen Zuständigkeiten.
Warum bleibt Viernheim hessisch?
Immer wieder taucht die Frage auf, ob Viernheim nicht besser zu Baden-Württemberg passen würde. Tatsächlich sind Änderungen von Landesgrenzen in Deutschland äußerst selten und mit hohen politischen Hürden verbunden.
Deshalb gehört Viernheim auch heute weiterhin zum Land Hessen und zum Kreis Bergstraße.
Eine Stadt zwischen drei Welten
Viernheim nimmt in Südhessen eine besondere Rolle ein. Geografisch liegt die Stadt an der Grenze zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Wirtschaftlich und kulturell ist sie eng mit der Metropolregion Rhein-Neckar verbunden.
Gerade diese Lage macht Viernheim bis heute zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den Bundesländern.
