Tausende Firmen suchen einen Nachfolger: Warum selbst gesunde Betriebe vor dem Aus stehen

Ein Unternehmen hat Kunden, erwirtschaftet Gewinne und besteht vielleicht schon seit mehreren Jahrzehnten. Trotzdem schließt es.

Was zunächst widersprüchlich klingt, wird für den deutschen Mittelstand zunehmend zum Problem.

Viele Unternehmer erreichen das Rentenalter und möchten ihren Betrieb abgeben. Doch längst nicht überall steht die nächste Generation bereit.

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Nach aktuellen Zahlen der KfW streben bis Ende 2029 jährlich rund 109.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolgeregelung an.

Gleichzeitig planen oder erwägen immer mehr Inhaber, ihr Unternehmen nach dem eigenen Ausscheiden einfach stillzulegen.

Damit drohen nicht nur unrentable Firmen vom Markt zu verschwinden. Auch grundsätzlich funktionierende Betriebe können betroffen sein.

Warum suchen gerade so viele Unternehmen einen Nachfolger?

Deutschland erlebt einen Generationenwechsel im Mittelstand.

Viele Unternehmen wurden vor Jahrzehnten aufgebaut und werden noch immer von ihren Gründern oder langjährigen Eigentümern geführt.

Diese Generation erreicht zunehmend das Rentenalter.

Das Durchschnittsalter der Inhaber mittelständischer Unternehmen liegt laut KfW inzwischen bei mehr als 54 Jahren.

Mehr als zwei Millionen Unternehmer sind bereits mindestens 55 Jahre alt.

Damit stellt sich bei immer mehr Firmen dieselbe Frage: Wer führt den Betrieb weiter, wenn der bisherige Chef aufhört?

Die Unternehmensnachfolge in Zahlen

KennzahlAktuelle Größenordnung
Mittelständler mit Nachfolgewunsch bis 2029rund 109.000 pro Jahr
Erwogene oder geplante Stilllegungenrund 114.000 pro Jahr
Inhaber ab 55 Jahrenmehr als 2 Millionen
Häufigste Nachfolgehürdegeeigneten Nachfolger finden
Unternehmen, die darin eine Hürde sehen69 Prozent
Rechtliche und steuerliche Komplexität als Hürde45 Prozent
Einigung auf Kaufpreis als Hürde30 Prozent
Durchschnittlicher angestrebter Verkaufspreisrund 499.000 Euro

Die Zahlen zeigen, dass Unternehmensnachfolge längst kein Randthema mehr ist.

Sie betrifft einen erheblichen Teil des deutschen Mittelstands.

Jedes vierte Unternehmen erwägt eine Stilllegung

Besonders auffällig ist die wachsende Bereitschaft, einen Betrieb vollständig aufzugeben.

Nach dem aktuellen Nachfolge Monitoring der KfW zieht jedes vierte mittelständische Unternehmen eine bewusste Stilllegung nach dem Ausscheiden der bisherigen Inhabergeneration in Betracht.

Bis Ende 2029 entspricht das jährlich rund 114.000 Unternehmen.

Nicht jede dieser Firmen wird tatsächlich schließen.

Die Größenordnung zeigt jedoch, dass für viele Eigentümer eine Übergabe keineswegs selbstverständlich ist.

Warum wird ein gesundes Unternehmen überhaupt geschlossen?

Ein Unternehmen kann wirtschaftlich funktionieren und trotzdem keinen Nachfolger finden.

Das Problem liegt dann nicht beim Geschäftsmodell, sondern beim Eigentümerwechsel.

Ein Handwerksbetrieb kann volle Auftragsbücher haben.

Ein Fachgeschäft kann Stammkunden besitzen.

Ein kleiner Industriebetrieb kann seit Jahrzehnten Gewinne erwirtschaften.

Wenn der Eigentümer in den Ruhestand möchte und weder Kinder noch Mitarbeiter oder externe Interessenten übernehmen wollen, fehlt trotzdem jemand, der das Unternehmen weiterführt.

Am Ende kann die Stilllegung stehen.

Früher übernahmen häufig die Kinder

Viele mittelständische Unternehmen wurden traditionell innerhalb einer Familie weitergegeben.

Der Vater oder die Mutter führte den Betrieb und irgendwann übernahm die nächste Generation.

Dieses Modell funktioniert heute nicht mehr automatisch.

Kinder von Unternehmern entscheiden sich möglicherweise für ein Studium, ziehen in eine andere Stadt oder verfolgen eine völlig andere berufliche Laufbahn.

Andere möchten schlicht nicht dieselbe Verantwortung übernehmen wie ihre Eltern.

Aus einem Familienunternehmen muss deshalb nicht zwangsläufig ein Unternehmen entstehen, das dauerhaft innerhalb der Familie bleibt.

Ein Unternehmen zu übernehmen bedeutet Verantwortung

Eine Firmenübernahme ist keine gewöhnliche berufliche Entscheidung.

Wer einen Betrieb übernimmt, trägt Verantwortung für Mitarbeiter, Kunden, Verträge und Finanzierung.

Hinzu kommen möglicherweise Maschinen, Immobilien oder langfristige Verpflichtungen.

Gerade für jüngere Interessenten kann das abschreckend wirken.

Ein Angestelltenverhältnis bietet häufig ein planbareres Einkommen und weniger persönliches finanzielles Risiko.

Die Entscheidung für eine Unternehmensübernahme muss deshalb attraktiv genug sein, um diese Nachteile aufzuwiegen.

69 Prozent sehen die Nachfolgersuche als Problem

Die KfW hat Unternehmen danach gefragt, welche Schwierigkeiten ihnen bei der Nachfolge begegnen.

Mit Abstand am häufigsten wird die Suche nach geeigneten Kandidaten genannt.

69 Prozent sehen darin eine Hürde.

Damit fehlt nicht unbedingt das Unternehmen, das übernommen werden könnte.

Es fehlt die Person, die es übernehmen möchte und dafür geeignet ist.

Genau daraus entsteht das zentrale Ungleichgewicht auf dem Nachfolgemarkt.

Gleichzeitig gibt es weniger Gründer

Der Nachfolgermangel hängt auch mit der Entwicklung der Selbstständigkeit zusammen.

Wer heute unternehmerisch tätig werden möchte, kann entweder selbst gründen oder einen bestehenden Betrieb übernehmen.

Für die vielen Unternehmen, deren Eigentümer in den kommenden Jahren ausscheiden, wäre eine größere Zahl potenzieller Gründer deshalb hilfreich.

Die KfW weist jedoch darauf hin, dass die Zahl nachrückender Existenzgründer nicht ausreicht, um den steigenden Nachfolgebedarf problemlos abzudecken.

Es konkurrieren somit viele Unternehmen um eine begrenzte Zahl potenzieller Nachfolger.

Warum eine Firmenübernahme trotzdem interessant sein kann

Eine Übernahme hat gegenüber einer klassischen Neugründung einen entscheidenden Vorteil.

Das Unternehmen existiert bereits.

Es gibt möglicherweise Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Maschinen, Räume, Prozesse und einen bekannten Namen.

Ein Gründer muss diese Strukturen bei einer Neugründung erst aufbauen.

Wer einen funktionierenden Betrieb übernimmt, beginnt deshalb nicht bei null.

Das reduziert einige Risiken einer Selbstständigkeit.

Kunden gibt es vom ersten Tag an

Eines der größten Probleme einer Neugründung ist die Kundengewinnung.

Ein neues Unternehmen besitzt zunächst keinen etablierten Kundenstamm.

Bei einer Übernahme sieht das anders aus.

Ein gut geführter Handwerksbetrieb kann beispielsweise seit Jahrzehnten für dieselben privaten oder gewerblichen Kunden arbeiten.

Diese Geschäftsbeziehungen besitzen einen wirtschaftlichen Wert.

Der neue Eigentümer übernimmt damit nicht nur Werkzeuge und Maschinen, sondern im Idealfall auch laufende Aufträge und Vertrauen.

Auch Mitarbeiter sind bereits vorhanden

Ähnliches gilt für Beschäftigte.

Neue Mitarbeiter zu finden ist für viele Unternehmen schwierig.

Bei einer Firmenübernahme kann bereits ein eingespieltes Team vorhanden sein.

Die Beschäftigten kennen Kunden, Arbeitsabläufe, Maschinen und Produkte.

Dieses Wissen kann für einen Nachfolger enorm wertvoll sein.

Gleichzeitig entsteht daraus Verantwortung.

Beschäftigte möchten wissen, wie es nach dem Eigentümerwechsel weitergeht.

Warum übernehmen Mitarbeiter nicht einfach den Betrieb?

Das kann durchaus passieren.

Eine Übernahme durch bestehende Führungskräfte oder Mitarbeiter wird häufig als Management Buy Out bezeichnet.

Die Personen kennen das Unternehmen bereits und müssen sich nicht vollständig neu einarbeiten.

Allerdings benötigt auch eine solche Übernahme Kapital.

Nicht jeder Mitarbeiter kann oder möchte mehrere Hunderttausend Euro investieren beziehungsweise entsprechende Kredite aufnehmen.

Deshalb funktioniert eine interne Nachfolge nicht automatisch.

Der Kaufpreis wird zum Problem

Neben der Suche nach einem geeigneten Nachfolger ist die Bewertung des Unternehmens eine wichtige Hürde.

30 Prozent der von der KfW betrachteten Unternehmen nennen die Einigung auf einen Kaufpreis als Problem.

Das ist nachvollziehbar.

Für einen langjährigen Eigentümer steckt im Unternehmen möglicherweise sein gesamtes Berufsleben.

Der potenzielle Käufer betrachtet dagegen vor allem zukünftige Gewinne, Risiken, Investitionsbedarf und Finanzierung.

Beide Perspektiven können zu sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen führen.

Rund 499.000 Euro durchschnittlicher Wunschpreis

Für Unternehmensnachfolgen zwischen 2025 und 2029 liegt der von den bisherigen Eigentümern durchschnittlich angestrebte Verkaufspreis laut KfW bei rund 499.000 Euro.

Das ist allerdings lediglich ein Durchschnittswert.

Die tatsächlichen Unternehmenswerte unterscheiden sich enorm.

Ein kleiner Dienstleistungsbetrieb ohne große Sachwerte ist mit einem Industriebetrieb samt Maschinenpark und Immobilie kaum vergleichbar.

Trotzdem zeigt die Zahl, dass eine Übernahme schnell eine erhebliche Finanzierung erfordert.

Die Preisvorstellungen sind deutlich gestiegen

Seit 2019 sind die durchschnittlichen Kaufpreisvorstellungen im deutschen Mittelstand nach KfW Berechnungen um rund 34 Prozent gestiegen.

Ein Teil davon lässt sich durch die allgemeine Preisentwicklung erklären.

Doch selbst preisbereinigt ergibt sich noch ein Anstieg von rund 9,5 Prozent.

Für potenzielle Nachfolger bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung.

Je höher der Kaufpreis, desto mehr Eigenkapital oder Fremdfinanzierung wird benötigt.

Was kauft man bei einer Firmenübernahme eigentlich?

Der Preis eines Unternehmens besteht nicht einfach aus dem Wert der vorhandenen Maschinen.

Zum Betrieb können zahlreiche materielle und immaterielle Werte gehören.

Dazu zählen beispielsweise Grundstücke, Gebäude, Fahrzeuge, Maschinen, Warenbestände und technische Anlagen.

Aber auch Kundenbeziehungen, Marken, Patente, Verträge und der Ruf des Unternehmens können einen Wert besitzen.

Gleichzeitig müssen Schulden, notwendige Investitionen und wirtschaftliche Risiken berücksichtigt werden.

Deshalb ist die Bewertung eines Unternehmens komplex.

Ein alter Maschinenpark kann den Preis relativieren

Ein Unternehmen kann auf den ersten Blick profitabel wirken und trotzdem einen hohen Investitionsbedarf besitzen.

Vielleicht müssen Maschinen ersetzt werden.

Das Gebäude benötigt eine Sanierung.

Die IT ist veraltet.

Oder wichtige Prozesse wurden noch nicht digitalisiert.

Ein Nachfolger muss solche Kosten in seine Rechnung einbeziehen.

Der bisherige Gewinn allein sagt deshalb noch nicht, welchen Preis ein Unternehmen tatsächlich wert ist.

Auch Bürokratie erschwert die Übergabe

Die rechtliche und steuerliche Komplexität einer Unternehmensnachfolge wird inzwischen von 45 Prozent der Unternehmen als Hürde wahrgenommen.

Dieser Anteil ist deutlich gestiegen.

Bei einer Übergabe müssen zahlreiche Fragen geklärt werden.

Welche Gesellschaftsanteile werden übertragen?

Was passiert mit Immobilien?

Wie werden stille Reserven steuerlich behandelt?

Welche Verträge gehen auf den neuen Eigentümer über?

Wie wird der Kauf finanziert?

Je nach Unternehmensstruktur kann eine Nachfolge deshalb Monate oder sogar Jahre vorbereitet werden.

Warum man nicht erst mit 65 anfangen sollte

Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge benötigt Zeit.

Wer erst wenige Monate vor dem geplanten Ruhestand beginnt, einen Käufer zu suchen, erhöht das Risiko erheblich.

Zunächst muss das Unternehmen bewertet werden.

Dann braucht es geeignete Interessenten.

Anschließend folgen Verhandlungen, Finanzierung, Verträge und häufig eine Übergangsphase.

Deshalb empfehlen Kammern und Fachleute regelmäßig, sich mehrere Jahre vor dem geplanten Rückzug mit der Nachfolge zu beschäftigen.

Eine ungeklärte Nachfolge kann Investitionen bremsen

Das Problem beginnt nicht erst am Tag der Schließung.

Ist die Zukunft eines Unternehmens unklar, kann der bisherige Eigentümer Investitionen aufschieben.

Warum noch eine teure Maschine kaufen, wenn unklar ist, wer den Betrieb in zwei Jahren führt?

Genau dieser Effekt lässt sich laut KfW beobachten.

Ist eine kurzfristig anstehende Nachfolge dagegen gesichert, steigt die Investitionsbereitschaft deutlich.

Bei Unternehmen mit einer innerhalb von zwei Jahren anstehenden Übergabe ermittelt die KfW bei geklärter Nachfolge im Durchschnitt ein Investitionsplus von 40 Prozent.

Der Nachfolgermangel kann damit schon vorher schaden

Eine ungelöste Nachfolgefrage kann also einen eigentlich gesunden Betrieb langsam schwächen.

Investitionen werden verschoben.

Digitalisierung bleibt liegen.

Gebäude werden möglicherweise nicht modernisiert.

Maschinen altern.

Dadurch wird das Unternehmen wiederum weniger attraktiv für einen potenziellen Käufer.

Es kann ein Kreislauf entstehen.

Je länger die Nachfolge ungeklärt bleibt, desto schwieriger wird es möglicherweise, einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Besonders der Handel steht unter Druck

Nach Zahlen der Deutschen Industrie und Handelskammer entfällt ein erheblicher Teil der beratenen Nachfolgeunternehmen auf den Handel.

2024 kamen fast 2.500 der bei den IHKs beratenen Unternehmen aus dieser Branche.

Das entsprach etwa einem Viertel der abgabebereiten Betriebe in der Beratung.

Für Händler ist die Suche teilweise besonders schwierig.

Onlinehandel, verändertes Einkaufsverhalten, hohe Kosten und die Entwicklung vieler Innenstädte beeinflussen die Zukunftsaussichten.

Ein Nachfolger muss deshalb nicht nur den bestehenden Laden übernehmen, sondern häufig auch ein Konzept für dessen Weiterentwicklung haben.

Ein Geschäft kann bekannt sein und trotzdem niemanden finden

Gerade bei lokalen Unternehmen wirkt eine Schließung für Kunden manchmal überraschend.

Ein Restaurant ist gut besucht.

Ein Laden hat Stammkunden.

Eine Werkstatt bekommt regelmäßig Aufträge.

Trotzdem hängt irgendwann ein Schild mit dem Hinweis auf die Geschäftsaufgabe an der Tür.

Die Öffentlichkeit sieht häufig nur die Nachfrage.

Für einen potenziellen Nachfolger zählen jedoch zusätzlich Arbeitszeiten, Rendite, Investitionsbedarf, Personalprobleme, Miete und Kaufpreis.

Ein gut besuchter Betrieb ist deshalb nicht automatisch ein attraktives Übernahmeobjekt.

Im Handwerk kann die Situation besonders sichtbar werden

Viele Handwerksbetriebe sind stark mit ihrem Inhaber verbunden.

Der Meister kennt die Kunden, erstellt Angebote und besitzt jahrelange Erfahrung.

Geht diese Person in den Ruhestand, lässt sich ihr Wissen nicht einfach mit einem Kaufvertrag übertragen.

Gleichzeitig sind qualifizierte Fachkräfte knapp.

Eine erfolgreiche Übergabe muss deshalb häufig schon lange vor dem eigentlichen Eigentümerwechsel vorbereitet werden.

Was passiert mit den Mitarbeitern, wenn niemand übernimmt?

Findet sich keine Nachfolgelösung und wird der Betrieb tatsächlich stillgelegt, können Arbeitsplätze verloren gehen.

Wie viele Beschäftigte betroffen sind, hängt vom Unternehmen ab.

Gerade kleine Betriebe beschäftigen zwar jeweils nur wenige Menschen.

Da jedoch sehr viele Unternehmen vor einem Generationenwechsel stehen, kann sich die Entwicklung in der Summe bemerkbar machen.

Außerdem geht mit einer Schließung betriebliches Wissen verloren.

Für kleinere Orte kann eine Schließung besonders spürbar sein

Wenn in einer Großstadt ein einzelnes Geschäft schließt, gibt es häufig Alternativen.

In kleineren Städten und ländlichen Regionen kann das anders aussehen.

Schließt dort der letzte bestimmte Fachbetrieb, müssen Kunden künftig weitere Wege zurücklegen.

Das betrifft beispielsweise bestimmte Handwerksleistungen, Einzelhändler oder Gastronomiebetriebe.

Unternehmensnachfolge ist deshalb nicht nur eine private Frage zwischen Verkäufer und Käufer.

Sie kann Auswirkungen auf die regionale Versorgung haben.

Warum übernimmt nicht einfach ein großer Konkurrent?

Das passiert durchaus.

Ein Wettbewerber kann Kunden, Mitarbeiter, Maschinen oder Standorte übernehmen.

Für den bisherigen Eigentümer kann das eine Lösung sein.

Aus regionaler Sicht bedeutet eine solche Übernahme jedoch nicht zwingend, dass das Unternehmen in seiner bisherigen Form erhalten bleibt.

Standorte können zusammengelegt und Tätigkeiten verlagert werden.

Eine Übernahme durch einen Konkurrenten ist deshalb etwas anderes als die Fortführung durch einen neuen selbstständigen Eigentümer.

Firmenübernahme statt Start up

Wer selbst Unternehmer werden möchte, denkt häufig zuerst an eine Neugründung.

Dabei stehen gleichzeitig zahlreiche bestehende Firmen zum Verkauf.

Eine Unternehmensübernahme kann deshalb eine Alternative zur klassischen Start up Gründung sein.

Die Geschäftsidee wurde bereits getestet.

Kunden sind vorhanden.

Umsätze lassen sich anhand vergangener Jahre prüfen.

Das macht die Übernahme allerdings nicht automatisch risikolos.

Welche Risiken übernimmt der Käufer?

Wer ein bestehendes Unternehmen kauft, übernimmt nicht nur dessen Chancen.

Möglicherweise bestehen Abhängigkeiten von wenigen Großkunden.

Maschinen müssen ersetzt werden.

Mitarbeiter könnten nach dem Eigentümerwechsel kündigen.

Ein wichtiger Mietvertrag läuft aus.

Oder die bisherige Firma hat Entwicklungen im Markt verschlafen.

Vor einer Übernahme ist deshalb eine gründliche wirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Prüfung entscheidend.

Warum der bisherige Chef selbst ein Risiko sein kann

Bei kleinen Unternehmen hängen Kundenbeziehungen teilweise stark an einer einzigen Person.

Kunden kommen möglicherweise seit 20 Jahren zum selben Handwerker, Berater oder Händler.

Geht diese Person in den Ruhestand, ist nicht garantiert, dass sämtliche Kunden beim Nachfolger bleiben.

Ein Käufer muss deshalb prüfen, ob der wirtschaftliche Erfolg tatsächlich im Unternehmen steckt oder überwiegend an der Persönlichkeit des bisherigen Eigentümers hängt.

Eine Übergangsphase kann helfen

Deshalb verschwindet der alte Eigentümer bei erfolgreichen Übergaben häufig nicht von einem Tag auf den anderen.

Eine gemeinsame Übergangszeit kann sinnvoll sein.

Der bisherige Chef stellt wichtige Kunden vor.

Er erklärt Abläufe.

Er übergibt Kontakte zu Lieferanten.

Und die Mitarbeiter lernen den neuen Eigentümer kennen.

So lässt sich Wissen übertragen, das in keiner Bilanz steht.

Wie findet man überhaupt ein Unternehmen zum Übernehmen?

Neben persönlichen Kontakten und Unternehmensberatern gibt es spezielle Nachfolgebörsen.

Eine der bekanntesten ist nexxt change.

Dort können Unternehmer Betriebe zur Übergabe anbieten und Interessenten nach passenden Unternehmen suchen.

Auch Industrie und Handelskammern sowie Handwerkskammern unterstützen bei der Vermittlung und Vorbereitung von Unternehmensnachfolgen.

Muss man den Kauf komplett aus eigener Tasche bezahlen?

Nein.

Unternehmensübernahmen können über unterschiedliche Finanzierungsbausteine finanziert werden.

Dazu gehören Eigenkapital, klassische Bankkredite, Verkäuferdarlehen und öffentliche Förderprogramme.

Die KfW bietet beispielsweise Förderkredite an, die ausdrücklich auch für Unternehmensnachfolgen genutzt werden können.

Trotzdem muss die Finanzierung wirtschaftlich tragfähig sein.

Am Ende muss der übernommene Betrieb genügend Ertrag erwirtschaften, um unter anderem Kredite bedienen zu können.

Warum ein hoher Kaufpreis gefährlich werden kann

Ein Unternehmen kann gut laufen und trotzdem zu teuer gekauft werden.

Muss ein Nachfolger einen sehr hohen Kredit aufnehmen, fließt ein erheblicher Teil der künftigen Gewinne in Zins und Tilgung.

Dann fehlt möglicherweise Geld für neue Maschinen, Personal oder Digitalisierung.

Die Einigung auf einen realistischen Unternehmenswert ist deshalb für beide Seiten entscheidend.

Der Verkäufer möchte für sein Lebenswerk angemessen bezahlt werden.

Der Käufer muss danach aber noch wirtschaftlich arbeiten können.

Eine Übernahme kann günstiger sein als eine Neugründung

Der Kaufpreis allein darf nicht mit den Kosten einer Neugründung verglichen werden.

Wer einen Betrieb neu aufbaut, benötigt möglicherweise ebenfalls Räume, Maschinen, Fahrzeuge, Personal und Waren.

Zusätzlich muss erst ein Kundenstamm aufgebaut werden.

Bei einer Übernahme sind viele dieser Strukturen bereits vorhanden.

Ob eine Neugründung oder Übernahme wirtschaftlich sinnvoller ist, hängt deshalb stark von der Branche und dem konkreten Unternehmen ab.

Warum Unternehmensnachfolge ein gesamtwirtschaftliches Thema ist

Deutschland ist stark vom Mittelstand geprägt.

Wenn zahlreiche etablierte Betriebe keine Nachfolger finden, verschwinden damit Produktionskapazitäten, Dienstleistungen, Ausbildungsplätze und Wissen.

Gleichzeitig können regionale Wirtschaftsstrukturen stärker von größeren Unternehmen geprägt werden, wenn kleinere Betriebe schließen oder übernommen werden.

Die Nachfolgefrage betrifft deshalb weit mehr als einzelne Unternehmerfamilien.

Sie entscheidet mit darüber, wie vielfältig die Unternehmenslandschaft in Deutschland bleibt.

Nicht jede Schließung ist ein Problem

Allerdings sollte auch nicht jede Geschäftsaufgabe verhindert werden.

Unternehmen verschwinden und neue entstehen.

Das gehört zu einer Marktwirtschaft.

Wenn ein Geschäftsmodell dauerhaft nicht mehr funktioniert, kann eine Schließung wirtschaftlich sinnvoll sein.

Problematisch wird es vor allem dort, wo ein tragfähiger Betrieb nur deshalb verschwindet, weil keine geeignete Person für die Weiterführung gefunden wird.

Genau auf diese Fälle richtet sich die aktuelle Nachfolgedebatte.

Die nächsten Jahre werden entscheidend

Der Generationenwechsel im deutschen Mittelstand wird nicht innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein.

Mehr als zwei Millionen Inhaber sind bereits 55 Jahre oder älter.

Bis Ende 2029 wollen jedes Jahr rund 109.000 Mittelständler eine Nachfolge organisieren.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Unternehmer, die eine Stilllegung erwägen.

Damit entsteht ein ungewöhnlicher Markt.

Auf der einen Seite stehen Menschen, die Unternehmer werden möchten.

Auf der anderen Seite stehen etablierte Firmen, die bereits Kunden, Mitarbeiter und Umsätze besitzen und einen neuen Eigentümer suchen.

Die große Herausforderung besteht darin, beide Seiten zusammenzubringen und eine Übernahme so zu finanzieren, dass der Betrieb anschließend weiter investieren kann.

Für manche angehende Unternehmer könnte deshalb die interessantere Geschäftsidee der kommenden Jahre darin bestehen, gar keine neue Firma zu gründen.

Sondern eine gute bestehende zu übernehmen.

Häufig gestellte Fragen zur Unternehmensnachfolge

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