Meta Description: 100 Euro an der Supermarktkasse bedeuten nicht 100 Euro Einnahmen. Was davon für Ware, Personal und andere Kosten draufgeht.
100 Euro an der Supermarktkasse sind schnell erreicht. Lebensmittel, Getränke, Drogerieartikel und vielleicht noch ein paar Aktionsprodukte landen im Einkaufswagen.
Für den Kunden ist die Rechnung einfach: 100 Euro bezahlt, 100 Euro Umsatz für den Händler.
Quelle: Bild von UnsplashDoch wie viel davon verdient der Supermarkt tatsächlich?
Deutlich weniger, als viele vermuten.
Von den 100 Euro müssen unter anderem die eingekauften Waren, Mitarbeiter, Miete, Strom, Kühlung, Logistik, Kartenzahlungen, Abschreibungen und zahlreiche weitere Kosten bezahlt werden.
Erst was danach übrig bleibt, kann zum Gewinn werden.
100 Euro Umsatz sind nicht 100 Euro Gewinn
Umsatz und Gewinn werden im Alltag häufig verwechselt.
Umsatz ist zunächst lediglich der Betrag, den ein Unternehmen mit dem Verkauf seiner Waren oder Dienstleistungen erzielt.
Kauft ein Kunde für 100 Euro ein, entstehen an der Kasse entsprechend 100 Euro Bruttoumsatz.
Davon gehört allerdings schon die enthaltene Umsatzsteuer nicht dem Händler.
Und auch der verbleibende Betrag kann keineswegs einfach auf dem Geschäftskonto liegen bleiben.
Der Supermarkt musste die Produkte vorher einkaufen und den gesamten Betrieb finanzieren.
So lässt sich ein Einkauf vereinfacht betrachten
| Von 100 Euro Einkaufswert müssen finanziert werden | Beispiele |
| Umsatzsteuer | Abführung an den Staat |
| Wareneinkauf | Lebensmittel und andere Produkte |
| Personal | Kasse, Warenverräumung, Bedienung, Verwaltung |
| Gebäude | Miete, Finanzierung, Instandhaltung |
| Energie | Kühlregale, Tiefkühlung, Beleuchtung |
| Logistik | Lager, Transport und Verteilung |
| Technik | Kassensysteme, IT, Self Checkout |
| Verluste | Verderb, Bruch und Diebstahl |
| Weitere Kosten | Versicherungen, Reinigung, Gebühren, Werbung |
| Gewinn | bleibt erst nach Abzug der Kosten |
Wie groß die einzelnen Anteile sind, unterscheidet sich erheblich zwischen verschiedenen Händlern und Märkten.
Eine pauschale Aussage wie „Von jedem 100 Euro Einkauf bleiben exakt drei Euro Gewinn“ wäre deshalb falsch.
Der größte Betrag steckt bereits in der Ware
Ein Supermarkt stellt die Produkte in seinen Regalen nicht selbst kostenlos her.
Bevor eine Packung Nudeln, ein Joghurt oder eine Flasche Saft verkauft werden kann, muss die Ware beschafft werden.
Dafür zahlt der Händler beziehungsweise seine Einkaufsorganisation an Hersteller und Lieferanten.
Die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis wird häufig als Handelsspanne betrachtet.
Diese Differenz ist aber noch lange nicht der Gewinn.
Aus ihr muss der Händler einen großen Teil seiner laufenden Kosten bezahlen.
Warum 50 Cent Einkauf und ein Euro Verkauf nicht 50 Cent Gewinn bedeuten
Nehmen wir ein stark vereinfachtes Beispiel.
Ein Produkt kostet den Händler 50 Cent und wird für einen Euro verkauft.
Auf den ersten Blick könnte man denken, der Supermarkt verdiene 50 Cent.
Das stimmt nicht.
Vom Verkaufspreis muss zunächst unter anderem die Umsatzsteuer berücksichtigt werden.
Danach müssen die Kosten des gesamten Betriebs finanziert werden.
Der Artikel musste bestellt, angeliefert, gelagert, eingeräumt, gegebenenfalls gekühlt und schließlich kassiert werden.
Erst wenn all diese Kosten berücksichtigt sind, lässt sich beurteilen, ob und wie viel der Händler tatsächlich verdient hat.
Allein das Personal kostet viel Geld
Supermärkte sind personalintensive Unternehmen.
Beschäftigte nehmen Waren an, räumen Regale ein, arbeiten an Bedienungstheken, kontrollieren Preise, bedienen Kassen, reinigen Bereiche und übernehmen organisatorische Aufgaben.
Nach einer Untersuchung des EHI Retail Institute müssen Supermärkte rund 13 Prozent ihres Umsatzes für Personal einplanen.
Bei einem rechnerischen Umsatz von 100 Euro entspräche das grob 13 Euro.
Das ist allerdings ein Branchenwert und keine exakte Kostenrechnung für jeden einzelnen Einkauf.
Die meiste Arbeit findet nicht an der Kasse statt
Kunden sehen häufig vor allem die Beschäftigten an den Kassen.
Ein erheblicher Teil der Arbeit findet jedoch vorher statt.
Waren werden angeliefert und kontrolliert.
Leere Regale müssen aufgefüllt werden.
Obst und Gemüse wird geprüft.
Pfandautomaten müssen geleert und gewartet werden.
Preisschilder werden geändert.
Bestände müssen überwacht werden.
Genau diese vielen kleinen Prozesse machen den Betrieb eines Supermarktes personalintensiv.
Warenverräumung ist ein erheblicher Kostenfaktor
Das EHI hat untersucht, wie sich die Arbeitszeit im Supermarkt verteilt.
Ein großer Anteil entfällt auf Bedienung, Kasse und Warenverräumung.
Gerade das Einräumen von Produkten ist aufwendig.
Jeder Karton muss aus dem Lager beziehungsweise vom Transportmittel in das richtige Regal gelangen.
Je größer das Sortiment und je häufiger Produkte nachgefüllt werden müssen, desto mehr Arbeitszeit wird benötigt.
Deshalb versuchen Händler seit Jahren, diese Prozesse effizienter zu gestalten.
Warum Discounter anders funktionieren
Wer einmal einen Discounter und einen großen Vollsortimenter miteinander vergleicht, erkennt deutliche Unterschiede.
Discounter führen häufig ein kleineres Sortiment.
Viele Produkte werden direkt in Kartons oder auf Verkaufsträgern präsentiert.
Bedienungstheken sind seltener.
Die Ladengestaltung ist stärker auf effiziente Abläufe ausgerichtet.
Das reduziert bestimmte Kosten.
Ein klassischer Supermarkt bietet dagegen häufig mehr Marken, Dienstleistungen und Frischebereiche.
Diese Unterschiede wirken sich auf die Kostenstruktur aus.
Deshalb stehen Produkte manchmal im Karton
Dass Produkte beim Discounter häufig direkt aus geöffneten Kartons verkauft werden, ist kein Zufall.
Würde jedes einzelne Produkt aufwendig in ein Regal einsortiert, wäre dafür mehr Arbeitszeit notwendig.
Der Karton wird deshalb teilweise selbst zum Präsentationsmittel.
Was optisch einfacher wirkt, kann wirtschaftlich effizienter sein.
Ähnliche Überlegungen stecken hinter vielen Details eines modernen Lebensmittelmarktes.
Kühlregale laufen rund um die Uhr
Lebensmittelhandel benötigt außerdem viel Energie.
Milchprodukte, Fleisch, Tiefkühlpizza, Eis und zahlreiche weitere Waren müssen dauerhaft gekühlt werden.
Kühlanlagen laufen auch dann, wenn der Markt geschlossen ist.
Hinzu kommen Beleuchtung, Lüftung, Backstationen, Computer, Kassensysteme und weitere technische Anlagen.
Steigende Energiepreise treffen Lebensmittelhändler deshalb unmittelbar.
Moderne Kühlmöbel sollen Energie sparen
Viele Märkte wurden in den vergangenen Jahren umgebaut.
Offene Kühlregale werden beispielsweise teilweise durch Modelle mit Türen ersetzt.
LED Beleuchtung ersetzt ältere Technik.
Abwärme von Kühlanlagen kann für andere Zwecke genutzt werden.
Solche Investitionen kosten zunächst Geld, können anschließend aber den Energieverbrauch reduzieren.
Für große Handelsketten summieren sich bereits kleine Einsparungen pro Markt auf erhebliche Beträge.
Auch das Gebäude muss bezahlt werden
Ein Supermarkt benötigt viel Fläche.
Neben dem Verkaufsraum gehören dazu Lager, Kühlräume, Sozialräume, Anlieferungsbereiche und häufig Parkplätze.
Je nach Standort wird die Immobilie gemietet oder gehört dem Unternehmen beziehungsweise einem Immobilieninvestor.
Miete, Finanzierung, Grundbesitzkosten, Reparaturen und Instandhaltung müssen aus den Einnahmen des Marktes bezahlt werden.
Gerade gute innerstädtische Standorte können teuer sein.
Ein Markt auf der grünen Wiese kalkuliert anders
Deshalb lässt sich auch nicht jeder Supermarkt miteinander vergleichen.
Ein Markt in einer teuren Innenstadt hat andere Raumkosten als ein großer Markt am Stadtrand.
Ein kleiner Nachbarschaftsmarkt wiederum verteilt seine Fixkosten auf weniger Umsatz.
Dafür können Kunden dort andere Vorteile wie kurze Wege haben.
Standort, Verkaufsfläche und Umsatz beeinflussen die Wirtschaftlichkeit erheblich.
Wer bezahlt eigentlich den Transport?
Bevor ein Produkt im Regal steht, hat es häufig bereits eine lange Logistikkette hinter sich.
Hersteller liefern Waren an Zentrallager.
Von dort werden Märkte beliefert.
Dafür werden Lagerhallen, Lastwagen, Fahrer, Kraftstoff beziehungsweise Strom, Kühlung und IT Systeme benötigt.
Die Logistik ist damit ein weiterer Bestandteil der Kosten, die letztlich über die Verkaufspreise finanziert werden müssen.
Warum Lebensmittel so häufig geliefert werden
Ein Möbelstück kann längere Zeit in einem Lager liegen.
Bei frischen Lebensmitteln funktioniert das nicht.
Milch, Obst, Gemüse, Fleisch und andere verderbliche Produkte müssen regelmäßig nachgeliefert werden.
Je frischer das Sortiment sein soll, desto anspruchsvoller wird die Logistik.
Gleichzeitig müssen Händler verhindern, dass zu große Mengen bestellt werden und anschließend verderben.
Weggeworfene Lebensmittel kosten den Händler Geld
Ein Joghurt, der nicht verkauft werden kann, hat trotzdem Geld gekostet.
Dasselbe gilt für beschädigte Verpackungen, verdorbenes Obst oder nicht mehr verkaufsfähige Frischware.
Händler versuchen deshalb, ihre Bestellungen möglichst genau an die Nachfrage anzupassen.
Preisreduzierungen kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums können wirtschaftlich sinnvoller sein, als die Ware später vollständig abschreiben zu müssen.
Auch digitale Prognosesysteme sollen dabei helfen.
Ein leerer Platz im Regal ist ebenfalls schlecht
Zu viel Ware verursacht Abschriften.
Zu wenig Ware kostet möglicherweise Umsatz.
Ist das gewünschte Produkt ausverkauft, kann der Kunde zu einer Alternative greifen oder den Einkauf bei einem anderen Händler erledigen.
Supermärkte versuchen deshalb ständig, zwischen ausreichender Verfügbarkeit und möglichst geringen Warenverlusten zu balancieren.
Das ist eine der zentralen Aufgaben im Lebensmittelhandel.
Auch Diebstahl steckt in der Kalkulation
Nicht jede Ware, die ein Händler einkauft, wird anschließend bezahlt.
Produkte werden gestohlen, beschädigt oder gehen aus anderen Gründen verloren.
Im Handel spricht man in diesem Zusammenhang unter anderem von Inventurdifferenzen.
Deshalb investieren Märkte in Kameras, Warensicherung, Personal und Kontrollsysteme.
Diese Maßnahmen verursachen wiederum selbst Kosten.
Kartenzahlung ist für Händler nicht kostenlos
Für den Kunden macht es an der Kasse meist keinen Unterschied, ob er Bargeld, Girocard oder eine andere Karte verwendet.
Für den Händler entstehen jedoch unterschiedliche Kosten.
Kartenzahlungen benötigen Terminals, technische Dienstleister und Zahlungsabwicklung.
Je nach Zahlungsmittel fallen dafür Gebühren an.
Bargeld ist ebenfalls nicht kostenlos.
Es muss gezählt, gesichert, transportiert und zur Bank gebracht werden.
Warum Händler Self Checkout Kassen aufstellen
Selbstbedienungskassen sollen unter anderem Abläufe flexibler machen.
Kunden können kleinere Einkäufe selbst scannen und bezahlen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Markt dadurch vollständig ohne Personal auskommt.
Die Kassen müssen überwacht werden.
Altersfreigaben müssen bestätigt werden.
Fehler und technische Probleme müssen gelöst werden.
Außerdem entstehen Kosten für Anschaffung, Software und Wartung.
Self Checkout verschiebt deshalb Arbeit, statt sie vollständig verschwinden zu lassen.
Was bleibt am Ende tatsächlich als Gewinn?
Genau hier wird es kompliziert.
Eine allgemeingültige Gewinnmarge für „den deutschen Supermarkt“ gibt es nicht.
Discounter, selbstständige Kaufleute, genossenschaftliche Gruppen und große Handelskonzerne besitzen unterschiedliche Strukturen.
Auch einzelne Jahre können stark voneinander abweichen.
Die veröffentlichten Zahlen großer Handelsgruppen zeigen aber deutlich, dass Umsatz und Ergebnis in völlig unterschiedlichen Größenordnungen liegen.
Ein Beispiel aus dem deutschen Handel
Die REWE Group erzielte 2025 einen Konzernumsatz von rund 91,1 Milliarden Euro.
Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und bestimmten Abschreibungen, das sogenannte EBITA, lag bei mehr als 1,5 Milliarden Euro.
Der Jahresüberschuss betrug 525 Millionen Euro.
Diese Zahlen umfassen allerdings die gesamte Unternehmensgruppe und damit weit mehr als den einzelnen REWE Supermarkt.
Zur Gruppe gehören unter anderem REWE, Penny, internationale Handelsaktivitäten, Convenience Geschäft und Touristik.
Trotzdem zeigt der Vergleich sehr anschaulich, warum Umsatz nicht mit Gewinn verwechselt werden darf.
Was wären 525 Millionen Euro bei 91 Milliarden Euro Umsatz?
Teilt man den ausgewiesenen Jahresüberschuss von 525 Millionen Euro rein rechnerisch durch den Konzernumsatz von 91,1 Milliarden Euro, ergibt sich eine Größenordnung von deutlich unter einem Prozent.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ein REWE Markt an jedem Einkauf exakt diesen Prozentsatz verdient.
Die Konzernzahlen umfassen unterschiedliche Geschäftsbereiche und zahlreiche Sondereffekte.
Die Rechnung zeigt lediglich, wie klein ein Jahresüberschuss im Verhältnis zu einem enormen Umsatz sein kann.
Warum Milliardenumsätze täuschen können
91 Milliarden Euro Umsatz klingen nach einer kaum vorstellbaren Geldmenge.
Doch ein Handelsunternehmen bewegt gleichzeitig Waren im Wert vieler Milliarden Euro und beschäftigt sehr viele Menschen.
Bei der REWE Group waren 2025 rund 380.000 Menschen beschäftigt.
Außerdem investierte die Gruppe im selben Jahr rund 2,5 Milliarden Euro unter anderem in Digitalisierung, Infrastruktur, Märkte, Logistik und IT.
Hohe Umsätze bedeuten deshalb nicht automatisch außergewöhnlich hohe Gewinnmargen.
Supermärkte verdienen über Masse
Lebensmittel werden sehr häufig gekauft.
Ein Haushalt kann einen Fernseher viele Jahre verwenden.
Milch, Brot, Obst und Getränke werden dagegen ständig neu benötigt.
Lebensmittelhändler können deshalb mit enormen Warenmengen arbeiten.
Bei vielen Produkten ist die Marge vergleichsweise begrenzt, dafür werden sehr große Stückzahlen verkauft.
Das Geschäftsmodell lebt stark von dieser Kombination.
Warum ein paar Cent so wichtig sind
Bei Millionen verkauften Artikeln können bereits wenige Cent einen erheblichen Unterschied machen.
Spart eine Handelsgruppe beispielsweise bei einem häufig verkauften Produkt nur einen Cent im Einkauf, summiert sich das bei Millionen Einheiten.
Dasselbe gilt auf der Kostenseite.
Eine kleine Reduzierung des Stromverbrauchs oder der Arbeitszeit pro Vorgang kann über Tausende Märkte hinweg große Auswirkungen haben.
Deshalb optimieren Händler ihre Abläufe bis ins Detail.
Warum Eigenmarken für Supermärkte wichtig sind
Fast alle großen Lebensmittelhändler führen eigene Marken.
Sie können damit Produkte gezielter positionieren und sind weniger abhängig von einzelnen Markenherstellern.
Auch die Kalkulation unterscheidet sich von klassischen Markenartikeln.
Eigenmarken sind deshalb längst nicht mehr ausschließlich die billigste Alternative im Regal.
Es gibt sie inzwischen in unterschiedlichen Preis und Qualitätsstufen.
Für Händler sind sie ein wichtiges Instrument im Wettbewerb.
Wer bestimmt eigentlich den Lebensmittelpreis?
Der Händler kann den Verkaufspreis nicht völlig unabhängig festlegen.
Hersteller verlangen Einkaufspreise.
Wettbewerber setzen eigene Preise.
Kunden vergleichen Angebote.
Steuern wirken auf den Endpreis.
Zusätzlich verändern sich Kosten für Energie, Personal und Logistik.
Ein Händler, der deutlich teurer als seine Konkurrenz wird, riskiert Kunden zu verlieren.
Deshalb ist der Lebensmittelhandel von intensivem Preiswettbewerb geprägt.
Warum Markenprodukte plötzlich aus dem Regal verschwinden
Immer wieder kommt es zu Streit zwischen Handelsketten und großen Herstellern.
Der Hersteller möchte höhere Einkaufspreise durchsetzen.
Der Händler hält die Forderung möglicherweise für überzogen.
Kommt keine Einigung zustande, kann ein Produkt zeitweise aus dem Sortiment verschwinden.
Hinter einem leeren Regalplatz steckt deshalb manchmal kein Lieferproblem, sondern ein wirtschaftlicher Konflikt.
Warum Händler mit Sonderangeboten arbeiten
Ein günstiges Angebot muss nicht bei jedem einzelnen Produkt besonders profitabel sein.
Händler betrachten den gesamten Einkauf.
Ein stark reduziertes Produkt kann Kunden in den Markt bringen.
Dort kaufen sie möglicherweise zusätzlich Brot, Getränke, Gemüse oder Haushaltswaren.
Deshalb wird im Handel zwischen einzelnen Produkten und der Wirtschaftlichkeit des gesamten Warenkorbs unterschieden.
Lockangebote sind trotzdem rechtlich begrenzt
Händler dürfen Verbraucher nicht beliebig mit Angeboten in den Markt locken, die praktisch überhaupt nicht verfügbar sind.
Preiswerbung unterliegt gesetzlichen Regeln.
Auch deshalb müssen Handelsunternehmen bei Aktionen abschätzen, welche Mengen voraussichtlich benötigt werden.
Ein überraschend großer Kundenansturm kann trotzdem dazu führen, dass einzelne Produkte frühzeitig ausverkauft sind.
Warum Discounter zuletzt wieder stärker wurden
Die hohe Preisorientierung vieler Verbraucher hat Discountern zuletzt geholfen.
Das EHI Retail Institute berichtete für 2024, dass Discounter bei der Umsatzentwicklung unter den betrachteten Vertriebsformen besonders deutlich zulegen konnten.
Das passt zu einem Umfeld, in dem viele Haushalte Preise stärker vergleichen und häufiger zu günstigeren Produkten greifen.
Für Vollsortimenter erhöht das den Druck, ebenfalls mit Eigenmarken und Aktionen preislich attraktiv zu bleiben.
Verdienen Händler an teuren Produkten automatisch mehr?
Nicht zwingend.
Ein Produkt für zehn Euro kann prozentual eine niedrigere Handelsspanne haben als ein Artikel für zwei Euro.
Entscheidend sind Einkaufspreis, Verkaufspreis und die mit dem Produkt verbundenen Kosten.
Auch die Umschlagshäufigkeit spielt eine Rolle.
Ein Artikel, der monatelang Regalfläche beansprucht, ist wirtschaftlich anders zu bewerten als ein Produkt, das täglich mehrfach nachgefüllt wird.
Warum Obst und Gemüse besonders anspruchsvoll sind
Bei frischen Produkten verändert sich die Ware ständig.
Eine Konservendose kann lange verkauft werden.
Eine Erdbeere nicht.
Der Händler muss deshalb genau abschätzen, wie viel Obst und Gemüse benötigt wird.
Zu wenig bedeutet leere Auslagen.
Zu viel führt zu Abschriften.
Zusätzlich entsteht Arbeit durch Kontrolle, Sortierung und Präsentation.
Der Verkaufspreis muss all diese Faktoren berücksichtigen.
Warum Fleischtheken teuer im Betrieb sind
Bedienungstheken benötigen qualifiziertes Personal, Kühlung, Reinigung und zusätzliche Hygieneprozesse.
Ein Discounter ohne klassische Bedienungstheke spart einen Teil dieser Kosten.
Ein Vollsortimenter kann mit einer solchen Theke dagegen Service und Auswahl bieten, für die bestimmte Kunden bewusst den Markt wählen.
Damit wird deutlich, warum sich Preise und Kostenstrukturen verschiedener Marktformen unterscheiden.
Sind Lebensmittel für Supermärkte also ein schlechtes Geschäft?
Nein.
Wäre der Lebensmittelhandel grundsätzlich unrentabel, gäbe es keine großen Handelskonzerne und keine Investitionen in neue Märkte.
Aber das Geschäftsmodell funktioniert anders, als hohe Umsatzzahlen vermuten lassen.
Entscheidend sind effiziente Abläufe, große Warenmengen, Einkaufskonditionen, attraktive Standorte und eine möglichst hohe Auslastung.
Kleine Veränderungen bei Kosten und Margen können deshalb große Auswirkungen auf das Gesamtergebnis haben.
Warum ein voller Parkplatz noch nichts über den Gewinn sagt
Ein stark besuchter Supermarkt kann hohe Umsätze erzielen.
Ob er gleichzeitig besonders profitabel ist, lässt sich von außen kaum beurteilen.
Vielleicht ist die Miete außergewöhnlich hoch.
Vielleicht benötigt der Markt besonders viel Personal.
Vielleicht wurde gerade umfangreich modernisiert.
Oder die Kunden kaufen überwiegend stark beworbene Produkte.
Umsatz allein sagt deshalb wenig über den wirtschaftlichen Erfolg eines Standorts aus.
Was passiert mit den 100 Euro also wirklich?
Die einfachste Antwort lautet: Sie verteilen sich auf eine lange Kette.
Ein Teil geht über die Umsatzsteuer an den Staat.
Ein großer Teil finanziert die eingekauften Waren.
Weitere Teile werden für Mitarbeiter, Gebäude, Energie, Logistik, Technik und zahlreiche andere Kosten benötigt.
Nur der Rest kann zum Gewinn des Unternehmens beitragen.
Wie groß dieser Rest bei einem konkreten Einkauf ist, kann niemand seriös anhand des Kassenbons bestimmen.
Dafür unterscheiden sich Produkte und Händler zu stark.
Der Kassenbon zeigt nur die letzte Station
Wer für 100 Euro einkauft, sieht auf dem Bon lediglich die Verkaufspreise.
Dahinter steckt jedoch eine komplette wirtschaftliche Infrastruktur.
Landwirte und Lebensmittelhersteller produzieren die Waren.
Logistikunternehmen beziehungsweise eigene Logistiknetze transportieren sie.
Lager verteilen sie.
Mitarbeiter bringen sie in den Verkauf.
Gebäude und Kühltechnik halten sie verfügbar.
Zahlungssysteme wickeln den Kauf ab.
Der Supermarkt ist damit die letzte sichtbare Station einer langen Wertschöpfungskette.
Warum der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn wichtig ist
Das Beispiel Lebensmittelhandel zeigt einen grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhang.
Ein Unternehmen kann Milliarden umsetzen und trotzdem nur einen kleinen Teil davon als Gewinn behalten.
Dasselbe Prinzip gilt auch für Restaurants, Tankstellen, Autohäuser und viele andere Unternehmen.
Hoher Umsatz bedeutet zunächst nur, dass viel verkauft wurde.
Ob daraus ein gutes Geschäft entsteht, entscheidet sich erst nach Abzug sämtlicher Kosten.
Beim nächsten 100 Euro Einkauf gehen deshalb nicht 100 Euro in die Tasche des Supermarktbetreibers.
Der größte Teil des Geldes ist längst für Ware, Staat und den Betrieb des Marktes verplant.
