Stromausfall, Cyberangriff, Lieferkrise: Wie gut sind Unternehmen in Südhessen vorbereitet?

Südhessen. Ein längerer Stromausfall, ein Cyberangriff oder plötzlich unterbrochene Lieferketten können Unternehmen innerhalb kurzer Zeit vor erhebliche Probleme stellen. Was lange vor allem als Thema für große Konzerne und Betreiber kritischer Infrastruktur galt, beschäftigt deshalb zunehmend auch kleine und mittelständische Betriebe.

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Aktuell rückt das Thema in Hessen besonders in den Fokus. Im Rahmen der Resilienzwoche beschäftigt sich das Land damit, wie Staat, Infrastruktur und Wirtschaft besser auf außergewöhnliche Situationen vorbereitet werden können. Auch die IHK Darmstadt Rhein Main Neckar informiert Unternehmen in Südhessen darüber, wie sie im Krisenfall handlungsfähig bleiben können.

Dabei geht es nicht darum, sich auf jedes theoretisch denkbare Szenario vorzubereiten. Viel wichtiger ist die Frage, welche Bereiche eines Unternehmens unbedingt funktionieren müssen und was passiert, wenn genau diese plötzlich ausfallen.

Welche Krisen können Unternehmen in Südhessen treffen?

Die möglichen Ursachen für eine Betriebsstörung sind sehr unterschiedlich. Ein länger andauernder Strom- oder Energieausfall kann Maschinen, Computer, Kassensysteme und Kommunikationswege lahmlegen. Bei einem Cyberangriff können wichtige Daten oder komplette IT-Systeme plötzlich nicht mehr verfügbar sein.

Auch außerhalb des eigenen Betriebs können Probleme entstehen. Liefert ein wichtiger Zulieferer nicht mehr, fehlen möglicherweise entscheidende Materialien oder Bauteile. Naturereignisse können Verkehrswege beeinträchtigen und geopolitische Konflikte wiederum Energieversorgung und internationale Lieferketten beeinflussen.

Hinzu kommen wesentlich alltäglichere Risiken. Fällt beispielsweise kurzfristig eine Person aus, die als einzige Zugang zu bestimmten Konten, Passwörtern oder wichtigen Geschäftsprozessen hat, kann auch das den Betriebsablauf erheblich beeinträchtigen.

Unternehmerische Krisenvorsorge beginnt deshalb nicht erst bei Katastrophenszenarien.

Unternehmen sollten ihre wichtigsten Prozesse kennen

Ein wichtiger erster Schritt besteht darin, herauszufinden, welche Abläufe für den eigenen Betrieb unverzichtbar sind.

Für einen produzierenden Mittelständler können das bestimmte Maschinen, Materialien oder Zulieferer sein. Bei einem Einzelhändler spielen möglicherweise Kassensystem, Warenwirtschaft und Zahlungsverkehr eine besonders wichtige Rolle. Ein Dienstleistungsunternehmen ist dagegen häufig besonders stark von Computern, Kundendaten und funktionierenden Kommunikationswegen abhängig.

Die IHK Darmstadt empfiehlt Unternehmen deshalb, ihre kritischen Prozesse zu identifizieren und bestehende Abhängigkeiten zu überprüfen.

Dabei können überraschend einfache Schwachstellen sichtbar werden. Ist beispielsweise nur eine einzige Person berechtigt, bestimmte Zahlungen freizugeben, kann deren ungeplanter Ausfall bereits zum Problem werden. Ähnliches gilt für Zugangsdaten, Bankvollmachten oder wichtige Kundenkontakte.

Was passiert im Unternehmen bei einem Stromausfall?

Ein längerer Stromausfall gehört zu den Szenarien, die besonders viele Bereiche gleichzeitig treffen können.

Computer und Server funktionieren nicht mehr, Maschinen stehen still und möglicherweise fallen auch Beleuchtung, Kühlung oder Kassensysteme aus. Selbst eine grundsätzlich verfügbare Internetverbindung hilft wenig, wenn Router und andere Geräte keinen Strom mehr erhalten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Betrieb zwingend ein eigenes Notstromaggregat benötigt. Vielmehr sollte zunächst geklärt werden, welche Prozesse auch während eines längeren Stromausfalls unbedingt weiterlaufen müssen.

Für manche Unternehmen kann eine unterbrechungsfreie Stromversorgung bestimmter IT-Systeme entscheidend sein. Bei anderen Betrieben steht beispielsweise die Kühlung von Waren oder der Weiterbetrieb bestimmter Maschinen im Vordergrund.

Wichtig ist außerdem die Kommunikation. Unternehmen sollten wissen, wie Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder Dienstleister erreicht werden können, wenn die üblichen Systeme nicht zur Verfügung stehen.

Cyberangriffe treffen nicht nur große Unternehmen

Neben der Energieversorgung gehört die IT-Sicherheit zu den wichtigsten Bereichen betrieblicher Krisenvorsorge.

Cyberangriffe richten sich keineswegs ausschließlich gegen große Konzerne. Auch kleine und mittelständische Unternehmen können Opfer von Schadsoftware, Datendiebstahl oder Erpressungsversuchen werden.

Technische Schutzmaßnahmen bilden dabei nur einen Teil der Vorsorge. Regelmäßige Sicherheitsupdates, aktuelle Schutzsoftware und funktionierende Datensicherungen können Risiken reduzieren. Ebenso wichtig sind jedoch klare Zuständigkeiten innerhalb des Unternehmens.

Eine besondere Rolle spielen die Mitarbeiter. Viele Angriffe beginnen mit einer vermeintlich gewöhnlichen E-Mail, einer Nachricht oder einem Anruf. Beschäftigte sollten deshalb wissen, wie sie verdächtige Kontaktversuche erkennen und an wen sie sich wenden können, wenn ihnen etwas ungewöhnlich erscheint.

Wichtige Informationen sollten auch ohne Computer erreichbar sein

Die Digitalisierung erleichtert viele Abläufe, schafft gleichzeitig aber neue Abhängigkeiten. Besonders deutlich wird das, wenn sämtliche IT-Systeme plötzlich nicht mehr erreichbar sind.

Unternehmen sollten deshalb dafür sorgen, dass besonders wichtige Informationen auch unabhängig von den normalen digitalen Systemen verfügbar bleiben. Dazu zählen beispielsweise Kontaktdaten von IT-Dienstleistern, wichtigen Kunden und Lieferanten sowie Ansprechpartnern bei Banken.

Auch Informationen zu kritischen Produktions- und Betriebsabläufen sowie wichtige Notfallkontakte sollten im Ernstfall schnell erreichbar sein.

Sinnvoll kann außerdem ein Krisen- oder Notfallhandbuch sein. Darin lassen sich Verantwortlichkeiten und Abläufe festhalten, sodass im Ernstfall nicht erst geklärt werden muss, wer welche Aufgabe übernimmt.

Entscheidend ist jedoch, dass diese Informationen tatsächlich verfügbar bleiben. Ein Notfallplan, der ausschließlich auf einem Server gespeichert wurde, auf den wegen eines Cyberangriffs oder Stromausfalls niemand mehr zugreifen kann, erfüllt seinen Zweck nicht.

Die ersten Stunden einer Krise können entscheidend sein

Ein Notfall bedeutet häufig, dass innerhalb kurzer Zeit viele Entscheidungen getroffen werden müssen.

Deshalb sollten grundlegende Verantwortlichkeiten möglichst bereits vorher geklärt sein. Unternehmen können beispielsweise festlegen, wer im Krisenfall Entscheidungen trifft, Mitarbeiter informiert oder mit Kunden und Lieferanten kommuniziert.

Bei größeren Betrieben kann außerdem ein Krisenstab sinnvoll sein, in dem unterschiedliche Verantwortungsbereiche zusammenkommen.

Die IHK Darmstadt beschäftigt sich in ihren Informationen zur betrieblichen Krisenvorsorge ausdrücklich mit den ersten 48 Stunden nach einem größeren Ereignis. Je klarer die Zuständigkeiten vorher geregelt sind, desto weniger muss unter Zeitdruck improvisiert werden.

Dabei muss ein Krisenplan nicht zwangsläufig aus einem umfangreichen Handbuch bestehen. Gerade für kleinere Unternehmen können wenige Seiten mit klaren Ansprechpartnern, Zuständigkeiten und Abläufen bereits eine wichtige Grundlage bilden.

Auch Lieferketten können zum Risiko werden

Nicht jede Krise beginnt im eigenen Unternehmen. Besonders die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie abhängig Betriebe von funktionierenden Lieferketten sein können.

Problematisch wird es beispielsweise, wenn ein wichtiges Bauteil oder Material ausschließlich von einem einzigen Lieferanten bezogen wird. Kann dieser plötzlich nicht mehr liefern, steht möglicherweise die eigene Produktion still.

Unternehmen können deshalb prüfen, welche Zulieferer für den Betrieb besonders wichtig sind und ob es für kritische Produkte alternative Bezugsquellen gibt.

Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, sämtliche Lieferanten doppelt vorzuhalten. Schon das Wissen darüber, an welchen Stellen besonders große Abhängigkeiten bestehen, kann bei der Vorbereitung helfen.

Warum Hessen das Thema Krisenvorsorge stärker in den Mittelpunkt stellt

Das Land Hessen beschäftigt sich derzeit im Rahmen seiner Resilienzwoche verstärkt mit der Widerstandsfähigkeit von Staat, Infrastruktur und Wirtschaft.

Am 9. September stand dabei insbesondere die wirtschaftliche Resilienz im Mittelpunkt. Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori betonte anlässlich des Resilienztages die Bedeutung gemeinsamer Vorsorge von Staat und Wirtschaft.

Dabei spielen unter anderem eine sichere Energieversorgung, funktionierende Verkehrswege und widerstandsfähige Unternehmen eine Rolle.

Auch die veränderte sicherheitspolitische Lage hat dazu geführt, dass das Thema an Bedeutung gewinnt. Die IHK Darmstadt informiert Unternehmen inzwischen nicht nur über klassische betriebliche Notfälle, sondern auch über mögliche Anforderungen in größeren Krisenlagen.

Für viele kleinere und mittelständische Betriebe in Südhessen dürfte jedoch zunächst eine wesentlich einfachere Frage entscheidend sein: Könnte das eigene Unternehmen weiterarbeiten, wenn morgen für mehrere Stunden oder sogar Tage Strom, Internet oder ein wichtiges IT-System ausfallen?

Wer darauf keine klare Antwort geben kann, hat bereits einen guten Ausgangspunkt dafür gefunden, die eigene Krisenvorsorge zu überprüfen.

Häufige Fragen zur Krisenvorsorge für Unternehmen

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