Südhessen. Straßenlaternen, beleuchtete Firmengebäude, Schaufenster, Werbeanlagen und private Außenbeleuchtung sorgen dafür, dass es selbst mitten in der Nacht vielerorts kaum noch richtig dunkel wird. Was für Menschen längst selbstverständlich erscheint, kann für Tiere und Umwelt zum Problem werden.
Quelle: Bild von UnsplashAm Freitag, 11. September 2026, soll die bundesweite Earth Night darauf aufmerksam machen. Auch Darmstadt beteiligt sich an der Aktion gegen Lichtverschmutzung. Das wohl sichtbarste Zeichen setzt die Stadt auf der Mathildenhöhe: Der Hochzeitsturm bleibt in dieser Nacht unbeleuchtet.
Doch was genau ist Lichtverschmutzung – und warum kann selbst eine einzelne Gartenlampe Teil des Problems sein?
Was bedeutet Lichtverschmutzung?
Von Lichtverschmutzung spricht man, wenn künstliches Licht die natürliche Dunkelheit der Nacht zunehmend verdrängt.
Dabei geht es nicht darum, notwendige Straßen- oder Sicherheitsbeleuchtung grundsätzlich abzuschalten. Problematisch ist vor allem Licht, das unnötig lange brennt, deutlich heller als erforderlich ist oder nicht gezielt auf die tatsächlich benötigte Fläche gerichtet wird.
Das lässt sich beispielsweise bei Außenleuchten beobachten, die nicht nur einen Weg oder Eingang beleuchten, sondern gleichzeitig Licht nach oben und zur Seite abstrahlen. Viele einzelne Lichtquellen können zusammen dazu führen, dass der Himmel über Städten und dicht besiedelten Regionen auch nachts deutlich aufgehellt bleibt.
Wer nachts aus einem hell beleuchteten Stadtgebiet in eine abgelegene Region fährt, kann den Unterschied häufig mit bloßem Auge erkennen. Mit zunehmender Entfernung von größeren Siedlungen werden wesentlich mehr Sterne sichtbar.
Warum künstliches Licht für Tiere zum Problem werden kann
Für zahlreiche Tierarten gehört Dunkelheit zu ihrem natürlichen Lebensraum. Besonders nachtaktive Tiere haben sich über lange Zeiträume an den Wechsel zwischen Tag und Nacht angepasst.
Künstliche Beleuchtung kann diese Abläufe verändern. Insekten werden beispielsweise von bestimmten Lichtquellen angezogen und verbringen teilweise lange Zeit damit, sie zu umkreisen. Dadurch fehlt ihnen Energie für Nahrungssuche, Fortpflanzung und andere natürliche Verhaltensweisen.
Auch andere nachtaktive Tiere können betroffen sein. Beleuchtete Bereiche verändern Lebensräume und können Einfluss darauf haben, wann und wo Tiere nach Nahrung suchen oder sich fortbewegen.
Das Problem endet deshalb nicht automatisch an der Stadtgrenze. Auch Beleuchtung an Gewerbegebieten, Sportanlagen, Straßen oder privaten Grundstücken kann die nächtliche Umgebung verändern.
Auch für Menschen ist Dunkelheit wichtig
Der natürliche Wechsel zwischen Helligkeit am Tag und Dunkelheit in der Nacht spielt auch für den menschlichen Organismus eine Rolle.
Licht ist einer der wichtigen Taktgeber für den Tag-Nacht-Rhythmus. Deshalb kann insbesondere unnötiges Licht während der eigentlichen Ruhephase störend wirken.
Nicht jede Straßenlaterne vor dem Schlafzimmerfenster führt automatisch zu gesundheitlichen Problemen. Die grundsätzliche Bedeutung einer möglichst natürlichen Dunkelphase ist jedoch einer der Gründe dafür, warum Kommunen und Umweltorganisationen einen bewussteren Umgang mit nächtlicher Beleuchtung fordern.
Darmstadt nennt neben Tier- und Umweltschutz ausdrücklich auch den Schutz des Menschen als Ziel seiner Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung.
Darmstadt lässt den Hochzeitsturm dunkel
Zur Earth Night am 11. September beteiligt sich Darmstadt mit einem besonders sichtbaren Wahrzeichen.
Der Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe wird in dieser Nacht nicht beleuchtet. Die Stadt will damit auf einen bewussteren Umgang mit künstlichem Licht aufmerksam machen.
Die diesjährige Aktion besitzt in Darmstadt zusätzlich eine besondere Bedeutung. Der 11. September ist zugleich der Jahrestag der Darmstädter Brandnacht. In der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 wurden große Teile Darmstadts durch einen Bombenangriff zerstört, mehr als 11.000 Menschen kamen ums Leben.
Das Ausschalten nicht notwendiger Beleuchtung erhält dadurch in diesem Jahr neben der ökologischen auch eine symbolische Bedeutung.
Darmstadt hat bereits Regeln für eine umweltverträglichere Beleuchtung
Mit der Teilnahme an der Earth Night soll es nicht bei einer einzigen dunkleren Nacht bleiben.
Darmstadt beschäftigt sich bereits grundsätzlich mit der Frage, wie öffentliche Beleuchtung gestaltet werden kann, ohne mehr Licht als notwendig in die Umgebung abzugeben. Dafür hat die Stadt eine Lichtleitlinie und einen ergänzenden Lichtleitfaden entwickelt.
Diese sollen bei neuen Beleuchtungskonzepten berücksichtigt werden und dazu beitragen, Licht bedarfsgerechter und umweltverträglicher einzusetzen.
Ein Beispiel dafür ist das Ludwigshöhviertel. Bei der Entwicklung des neuen Stadtquartiers wurde die öffentliche Beleuchtung von Beginn an so geplant, dass sie nach Angaben der Stadt bedarfsgerecht, energieeffizient und möglichst umweltverträglich funktioniert.
Damit zeigt sich auch, dass weniger Lichtverschmutzung nicht zwangsläufig bedeutet, Straßen und Wege vollständig dunkel zu lassen. Entscheidend ist vielmehr, Licht dort einzusetzen, wo es tatsächlich gebraucht wird.
Was kann man selbst gegen Lichtverschmutzung tun?
Auch private Haushalte können die nächtliche Lichtmenge beeinflussen. Dafür muss nicht zwangsläufig vollständig auf Außenbeleuchtung verzichtet werden.
Ein erster Schritt kann sein, die Beleuchtung rund um Haus und Garten kritisch zu betrachten. Brennt eine Lampe die gesamte Nacht, obwohl der Bereich nur gelegentlich genutzt wird, können Bewegungsmelder oder Zeitschaltungen sinnvoll sein.
Auch die Ausrichtung spielt eine Rolle. Eine Leuchte, die gezielt einen Weg nach unten beleuchtet, gibt wesentlich weniger unnötiges Licht in die Umgebung ab als eine Lampe, die gleichzeitig Fassaden, Bäume und den Himmel anstrahlt.
Die Initiatoren der Earth Night empfehlen außerdem möglichst warmes beziehungsweise gelbliches Licht und eine Beleuchtung, deren Helligkeit auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt ist.
Gerade bei dekorativer Garten- und Fassadenbeleuchtung lohnt sich deshalb die Frage, ob das Licht mitten in der Nacht überhaupt noch benötigt wird.
Earth Night beginnt mit Einbruch der Dunkelheit
Die Earth Night findet 2026 am Freitag, 11. September, statt. Die Aktion beginnt mit Einbruch der Dunkelheit, spätestens um 22 Uhr.
Teilnehmer sollen nicht notwendige Außenbeleuchtung möglichst für die gesamte Nacht ausschalten oder zumindest deutlich reduzieren.
Mitmachen können nicht nur Städte und Gemeinden. Auch Privatpersonen, Unternehmen, Vereine und andere Einrichtungen sind ausdrücklich zur Teilnahme eingeladen.
Darmstadt ruft deshalb ebenfalls dazu auf, ab Einbruch der Dunkelheit auf nicht notwendige Außen- und Innenbeleuchtung zu verzichten.
Die Aktion findet bewusst in zeitlicher Nähe zum Neumond statt. Dadurch ist die natürliche Dunkelheit besonders ausgeprägt. Bei klarem Himmel wird zugleich sichtbar, was künstliches Licht im Alltag häufig überstrahlt: ein deutlich dunklerer Nachthimmel und wesentlich bessere Bedingungen für den Blick auf die Sterne.
Eine dunkle Nacht als Anstoß für den Alltag
Eine einzelne Earth Night wird die Lichtverschmutzung in Südhessen nicht lösen. Genau das ist allerdings auch nicht der eigentliche Anspruch der Aktion.
Vielmehr soll die Nacht dazu führen, den alltäglichen Umgang mit künstlichem Licht zu hinterfragen. Muss die Firmenfassade um drei Uhr morgens noch beleuchtet sein? Muss die Gartenlampe bis zum Sonnenaufgang brennen? Und lässt sich eine notwendige Leuchte so ausrichten, dass sie tatsächlich nur den gewünschten Bereich beleuchtet?
Oft reichen vergleichsweise kleine Veränderungen aus.
Die Earth Night soll deshalb vor allem eines zeigen: Dunkelheit ist nicht einfach die Abwesenheit von Licht. Für Menschen, Tiere und die Natur ist sie ein natürlicher Bestandteil der Nacht, der in dicht besiedelten Regionen zunehmend verloren geht.
