Neuer KI Campus in Darmstadt: Was in Eberstadt entstehen soll

Darmstadt. Im Süden Darmstadts könnte ein neuer Standort für digitale Infrastruktur und Künstliche Intelligenz entstehen. Der Magistrat hat am 26. August 2026 die Aufstellung des Bebauungsplans E 58 beschlossen. Das Plangebiet befindet sich in Eberstadt zwischen Marienburgstraße und Industriestraße.

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Im Mittelpunkt der Planung steht ein Campus für digitale Infrastruktur und KI. Vorgesehen ist unter anderem ein Rechenzentrum. Hinzu kommen technische Anlagen, weitere gewerbliche Nutzungen, Grünflächen und die notwendige Erschließung.

Bis zur Umsetzung sind allerdings noch mehrere Schritte notwendig. Der aktuelle Beschluss schafft zunächst die Grundlage für das weitere Planungsverfahren.

Wo soll der neue KI Campus entstehen?

Der geplante Standort befindet sich im Darmstädter Stadtteil Eberstadt. Der Bebauungsplan trägt die Bezeichnung E 58 und umfasst einen Bereich zwischen Marienburgstraße und Industriestraße.

Damit liegt das geplante Rechenzentrum in einem bereits gewerblich geprägten Teil des Darmstädter Südens.

Die genaue Ausgestaltung des Campus wird erst im weiteren Planungsverfahren festgelegt. Der Aufstellungsbeschluss bestimmt zunächst, für welchen Bereich und mit welchem grundsätzlichen Ziel ein Bebauungsplan erarbeitet werden soll.

Was ist auf dem Gelände geplant?

Nach Angaben der Stadt sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen Campus für digitale Infrastruktur und KI geschaffen werden.

Ein zentraler Bestandteil ist ein Rechenzentrum. Außerdem berücksichtigt die Planung die dafür notwendigen technischen Nebenanlagen und Infrastruktureinrichtungen.

Darüber hinaus sollen auf dem Gelände weitere gewerbliche Nutzungen möglich sein. Auch Grünstrukturen und Erschließungsflächen sind Bestandteil des geplanten Bebauungsplans.

Es geht somit nicht ausschließlich um ein einzelnes Gebäude mit Servern, sondern um die Entwicklung eines größeren Standorts für digitale Infrastruktur und Gewerbe.

Warum braucht Darmstadt ein weiteres Rechenzentrum?

Rechenzentren bilden die technische Grundlage für zahlreiche digitale Anwendungen. Daten werden dort gespeichert, verarbeitet und zwischen verschiedenen Systemen übertragen.

Mit der zunehmenden Nutzung von Cloud Diensten und Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz steigt auch der Bedarf an entsprechender Rechenleistung.

Die Stadt Darmstadt begründet die Planung deshalb unter anderem mit der wachsenden Bedeutung leistungsfähiger Rechenzentren für Digitalisierung und Wirtschaft.

Auch für die öffentliche Daseinsvorsorge spielt digitale Infrastruktur inzwischen eine größere Rolle. Viele Verwaltungsleistungen, Kommunikationssysteme und digitale Dienste sind auf leistungsfähige Server und Netze angewiesen.

KI benötigt besonders viel Rechenleistung

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz erhöht den Bedarf zusätzlich.

Vor allem das Training großer KI Modelle erfordert erhebliche Rechenkapazitäten. Aber auch der spätere Betrieb solcher Anwendungen findet in Rechenzentren statt.

Dabei werden große Mengen an Daten verarbeitet. Die dafür notwendigen Server benötigen Strom und erzeugen während des Betriebs Wärme.

Genau diese beiden Punkte spielen bei neuen Rechenzentren eine immer größere Rolle. Neben der technischen Leistungsfähigkeit geht es deshalb zunehmend um Energieeffizienz und die Frage, wie die entstehende Wärme sinnvoll genutzt werden kann.

Abwärme des Rechenzentrums soll genutzt werden

Dieser Aspekt ist auch bei der Planung in Eberstadt vorgesehen.

Nach Angaben der Stadt soll das Rechenzentrum nach dem zum Zeitpunkt des Bauantrags aktuellen Stand der Technik errichtet und betrieben werden. Dabei sollen ein ressourcenschonender und energieeffizienter Betrieb berücksichtigt werden.

Besondere Bedeutung hat die Abwärme.

Server produzieren während des Betriebs kontinuierlich Wärme und müssen gekühlt werden. Diese Energie kann grundsätzlich für andere Zwecke weiterverwendet werden.

Beim geplanten Campus in Eberstadt soll deshalb geprüft beziehungsweise vorbereitet werden, wie die Abwärme zu einer sicheren, kostengünstigen und nachhaltigen Wärmeversorgung im Umfeld beitragen kann.

Der Vorhabenträger unterstützt nach Angaben der Stadt das Ziel, dieses Potenzial möglichst umfassend zu erschließen.

Wie funktioniert die Nutzung von Rechenzentrumswärme?

Bei einem Rechenzentrum entsteht die Wärme nicht durch eine klassische Heizung. Sie fällt beim Betrieb der Server an.

Die elektrischen Komponenten erwärmen sich und müssen gekühlt werden. Statt die dabei abgeführte Wärme ungenutzt an die Umgebung abzugeben, kann sie technisch aufbereitet werden.

Eine mögliche Lösung besteht darin, die Wärme über Wärmetauscher und gegebenenfalls Wärmepumpen in ein Wärmenetz einzuspeisen.

Ob und in welchem Umfang das beim Darmstädter Projekt möglich sein wird, hängt von der späteren technischen Planung und geeigneten Abnehmern in der Umgebung ab.

Der aktuelle Beschluss bedeutet deshalb noch nicht, dass bereits feststeht, welche Gebäude künftig mit der Wärme des Rechenzentrums versorgt werden.

Energieverbrauch bleibt ein wichtiges Thema

Die Ansiedlung großer Rechenzentren wird häufig auch wegen ihres Stromverbrauchs diskutiert.

Je größer die Rechenleistung eines Standorts ist, desto höher kann der Energiebedarf ausfallen. Hinzu kommt der Strom für Kühlung und weitere technische Einrichtungen.

Wie hoch der Verbrauch des geplanten Darmstädter Rechenzentrums konkret sein könnte, geht aus der aktuellen Mitteilung der Stadt nicht hervor.

Für die weitere Planung dürfte die Energieversorgung dennoch zu den zentralen Punkten gehören.

Die Stadt betont ausdrücklich, dass bei Errichtung und Betrieb die Anforderungen an einen ressourcenschonenden und energieeffizienten Betrieb berücksichtigt werden sollen.

Warum ist Darmstadt für digitale Infrastruktur interessant?

Darmstadt besitzt bereits seit Jahrzehnten eine starke Verbindung zu Forschung, IT und Technologie.

Die Technische Universität, zahlreiche Forschungsinstitute und technologieorientierte Unternehmen prägen den Standort. Gleichzeitig liegt Darmstadt innerhalb der wirtschaftsstarken Rhein Main Region.

Für digitale Unternehmen ist außerdem die Nähe zum Großraum Frankfurt relevant.

Frankfurt zählt zu den wichtigsten Standorten für digitale Netzinfrastruktur in Europa. Die gesamte Region ist deshalb für Betreiber von Rechenzentren besonders interessant.

Darmstadt muss dabei allerdings abwägen, wo entsprechende Anlagen städtebaulich sinnvoll angesiedelt werden können.

Stadt entwickelt eigenes Konzept für Rechenzentren

Das Projekt in Eberstadt steht deshalb nicht isoliert.

Darmstadt arbeitet derzeit an einem städtebaulichen Ansiedlungskonzept für Rechenzentren. Das geplante Rechenzentrum im Bereich des Bebauungsplans E 58 soll in diesem Konzept berücksichtigt werden.

Ein solches Konzept kann dabei helfen, mögliche Standorte systematischer zu bewerten.

Denn Rechenzentren stellen besondere Anforderungen an Grundstücke und Infrastruktur. Gleichzeitig können ihre Größe, ihr Energiebedarf und ihre technischen Anlagen Auswirkungen auf das Umfeld haben.

Die Stadt muss deshalb wirtschaftliche Interessen, Digitalisierung, Energieversorgung und städtebauliche Anforderungen miteinander verbinden.

Was ist der Bebauungsplan E 58?

Der Bebauungsplan E 58 soll die planungsrechtliche Grundlage für die weitere Entwicklung des Areals zwischen Marienburgstraße und Industriestraße schaffen.

Ein Bebauungsplan regelt wesentlich konkreter als eine allgemeine Entwicklungsidee, welche Nutzungen auf einem Grundstück zulässig sind.

Dabei können beispielsweise Art und Umfang einer Bebauung, Verkehrsflächen, Grünstrukturen und weitere städtebauliche Vorgaben festgelegt werden.

Der Beschluss vom 26. August 2026 bedeutet zunächst, dass dieses Verfahren auf den Weg gebracht wird.

Ist der KI Campus bereits beschlossen?

Nein. An dieser Stelle ist eine klare Unterscheidung wichtig.

Der Magistrat hat die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen. Damit ist weder das Rechenzentrum bereits gebaut noch liegt aufgrund dieses Beschlusses automatisch eine Baugenehmigung vor.

Zunächst müssen die notwendigen planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Auch die Stadtverordnetenversammlung spielt im weiteren Verfahren eine Rolle. Nach deren Beschluss soll der Aufstellungsbeschluss öffentlich bekannt gemacht werden.

Bis zu einem möglichen Baustart sind daher weitere Schritte erforderlich.

Ein städtebaulicher Vertrag gehört ebenfalls zur Planung

Parallel zum Bebauungsplan hat Darmstadt bereits einen städtebaulichen Vertrag vorbereitet.

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Grundzustimmung nach Paragraph 11 des Baugesetzbuches.

Nach Angaben der Stadt wurde dieser Vertrag bislang einseitig von der Vorhabenträgerin unterzeichnet.

Nach einem entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung soll auch die Stadt den Vertrag unterzeichnen. Erst dadurch wird er rechtswirksam.

Solche Verträge können dazu dienen, grundlegende Verpflichtungen zwischen einer Kommune und einem Vorhabenträger für die Entwicklung eines Areals festzuhalten.

Eberstadt entwickelt sich zunehmend als Technologiestandort

Das geplante Rechenzentrum ist nicht das einzige aktuelle Technologieprojekt in Eberstadt.

Auf dem ehemaligen Gelände der Software AG wird mit dem „The Valley Business Campus“ ebenfalls ein Standort weiterentwickelt, der sich insbesondere an Unternehmen aus Technologie, KI, Digitalwirtschaft und Kreativwirtschaft richtet.

Die bestehenden Gebäude sollen dort grundsätzlich erhalten und modernisiert werden. Ein Schwerpunkt liegt auf leistungsfähiger Daten und Netzwerkinfrastruktur.

Damit zeichnet sich im Darmstädter Süden eine Entwicklung ab, bei der digitale Unternehmen und entsprechende Infrastruktur eine zunehmende Rolle spielen.

Der geplante Campus zwischen Marienburgstraße und Industriestraße wäre allerdings ein eigenständiges Vorhaben.

Rechenzentren werden für Städte zur Planungsaufgabe

Der Fall Darmstadt zeigt eine Entwicklung, die inzwischen viele Städte im Rhein Main Gebiet beschäftigt.

Rechenzentren benötigen geeignete Grundstücke, eine leistungsfähige Stromversorgung und eine sehr gute digitale Anbindung. Gleichzeitig müssen Auswirkungen auf Stadtbild, Umwelt und Infrastruktur berücksichtigt werden.

Für Kommunen stellt sich deshalb nicht nur die Frage, ob Rechenzentren benötigt werden.

Entscheidend ist ebenso, an welchen Standorten sie sinnvoll angesiedelt werden können und welche Anforderungen an die Betreiber gestellt werden.

Die Nutzung der Abwärme wird dabei zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil der Planung.

Was bedeutet das Projekt für Eberstadt?

Kurzfristig verändert sich für Anwohner zunächst wenig.

Der Aufstellungsbeschluss ist der Beginn eines weiteren planungsrechtlichen Prozesses. Erst im Laufe dieses Verfahrens werden viele Details konkreter.

Langfristig könnte sich der Bereich zwischen Marienburgstraße und Industriestraße allerdings deutlich verändern.

Mit dem Rechenzentrum, weiteren Gewerbeflächen, technischen Einrichtungen und Grünstrukturen soll dort ein neuer Campus entstehen.

Damit würde Eberstadt einen weiteren Standort für digitale Infrastruktur erhalten.

Wann könnte das Rechenzentrum gebaut werden?

Einen konkreten Termin für den Baustart oder die Fertigstellung nennt die Stadt in ihrer Mitteilung vom 26. August nicht.

Das ist angesichts des aktuellen Planungsstands nachvollziehbar.

Zunächst muss der Bebauungsplan erarbeitet und das notwendige Verfahren durchlaufen werden. Erst danach können konkrete Bauvorhaben auf der entsprechenden planungsrechtlichen Grundlage weiterverfolgt werden.

Bis dahin können sich Details des Projekts noch verändern.

Darmstadt setzt stärker auf KI und digitale Infrastruktur

Die Planung zeigt dennoch, welche Bedeutung die Stadt digitalen Zukunftstechnologien beimisst.

Darmstadt möchte die Voraussetzungen schaffen, damit Rechenleistung und digitale Infrastruktur auch regional zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig dürfte entscheidend sein, wie sich ein solches Projekt mit den Anforderungen an Energieeffizienz und Stadtentwicklung verbinden lässt.

Besonders interessant wird deshalb die weitere Planung zur Nutzung der Abwärme. Gelingt es, einen Teil der entstehenden Energie für die Wärmeversorgung in der Umgebung einzusetzen, könnte das Rechenzentrum neben seiner digitalen Funktion auch eine Rolle bei der lokalen Energieversorgung übernehmen.

Bis dahin bleibt der Campus allerdings ein Vorhaben in einem frühen Planungsstadium. Mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan E 58 ist nun der erste wichtige kommunalpolitische Schritt gemacht.

Häufig gestellte Fragen zum KI Campus in Darmstadt

Wenn Sie sich für weitere große Bauprojekte in Darmstadt interessieren, lesen Sie hier, was auf dem ehemaligen Airfield Griesheim entstehen soll.

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