Darmstadt/Griesheim. Auf einem Teil des ehemaligen Airfield Griesheim stehen große Veränderungen bevor. Wo früher militärische und fliegerische Nutzungen das Gelände prägten, sollen künftig ein Einsatztrainingszentrum der Generalzolldirektion und ein neues Gewerbegebiet entstehen. Die Planungen haben im August 2026 einen weiteren wichtigen Schritt genommen.
Quelle: Bild von UnsplashDer Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat am 19. August die Offenlage des Bebauungsplans W 67 und der 18. Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Stimmt auch die Stadtverordnetenversammlung zu, können Bürger und Behörden im Rahmen der Offenlage Stellungnahmen zu den Plänen abgeben.
Wo befindet sich das Airfield Griesheim eigentlich?
Der Name kann zunächst für Verwirrung sorgen. Das aktuelle Plangebiet befindet sich im äußersten Westen Darmstadts unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zur Stadt Griesheim.
Es handelt sich um einen Teilbereich des ehemaligen August Euler Flugplatzes zwischen dem Autobahnkreuz Darmstadt und Griesheim. Die Flughafenstraße dient dabei als wichtige Erschließungsstraße.
Die Fläche gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Sie soll nach den derzeitigen Planungen einer neuen Nutzung zugeführt werden.
Was soll auf dem Gelände entstehen?
Die Planung sieht zwei wesentliche Nutzungen vor.
Im nördlichen Teil des Plangebiets soll ein neues Einsatztrainingszentrum der Generalzolldirektion entstehen. Der südliche Bereich ist für ein Gewerbegebiet vorgesehen.
Damit soll eine Fläche neu genutzt werden, die bereits durch ihre frühere militärische und fliegerische Nutzung geprägt ist.
Die Stadt verfolgt dabei das Ziel, zusätzliche Gewerbeflächen zu schaffen, ohne dafür ausschließlich bislang unbebaute Flächen am Stadtrand erschließen zu müssen.
Zoll plant neues Einsatztrainingszentrum
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist das geplante Einsatztrainingszentrum der Generalzolldirektion.
Nach den bisher veröffentlichten Planungen soll die Einrichtung mehrere Gebäude und Trainingsbereiche umfassen.
Vorgesehen sind unter anderem eine Schießanlage, eine Trainingshalle, ein eigenes Gebäude für das Einsatztrainingszentrum und eine Außentrainingsfläche.
Damit handelt es sich nicht lediglich um ein Verwaltungsgebäude. Auf dem Gelände sollen Einsatzkräfte praktisch ausgebildet und auf verschiedene Situationen vorbereitet werden können.
Generalzolldirektion hatte Darmstadt als Standort ausgewählt
Die Planungen für das Trainingszentrum sind nicht erst 2026 entstanden.
Bereits 2022 hatte Darmstadt über das neue Konversionsprojekt informiert. Damals erklärte die Stadt, dass die Generalzolldirektion Darmstadt als einen von elf Standorten in Deutschland für ein entsprechendes Trainingszentrum ausgewählt habe.
Seitdem laufen die notwendigen planerischen Vorbereitungen.
Denn auch wenn ein großer Teil des Areals bereits in der Vergangenheit genutzt wurde, kann dort nicht ohne entsprechende planungsrechtliche Voraussetzungen gebaut werden.
Im Süden soll ein Gewerbegebiet entstehen
Das Zoll Trainingszentrum nimmt nur einen Teil des geplanten Areals ein.
Im südlichen Bereich sollen zusätzliche Gewerbeflächen geschaffen werden. Damit reagiert Darmstadt auf die anhaltende Nachfrage nach Flächen für Unternehmen.
Gerade in einer dicht bebauten Stadt wie Darmstadt sind größere zusammenhängende Gewerbeflächen begrenzt.
Ehemalige Militärflächen spielen deshalb bei der Stadtentwicklung seit Jahren eine wichtige Rolle.
Statt ausschließlich neue Flächen außerhalb bestehender Siedlungsbereiche zu erschließen, können bereits genutzte Areale umgewandelt werden.
Was bedeutet Konversion?
Bei der Entwicklung des Airfields fällt häufig der Begriff Konversion.
Gemeint ist damit die Umwandlung einer Fläche, die ihre ursprüngliche Nutzung verloren hat. In Darmstadt betrifft das häufig ehemalige militärische Standorte.
Nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte wurden bereits mehrere solcher Areale für neue Zwecke entwickelt.
Beim Airfield soll nun ebenfalls eine ehemalige militärisch geprägte Fläche schrittweise einer zivilen Nutzung zugeführt werden.
Geschichte des Geländes reicht mehr als 100 Jahre zurück
Das Airfield ist allerdings nicht irgendeine ehemalige Militärfläche.
Seine Geschichte reicht bis in die Anfangszeit der Luftfahrt zurück.
Bereits ab 1908 entstanden dort Hallen einer Flugzeugfabrik und Kasernengebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten amerikanische Streitkräfte Teile der Flächen und Gebäude.
Über Jahrzehnte war das Gelände damit eng mit der Luftfahrt und später mit der militärischen Nutzung verbunden.
Diese Vergangenheit ist bis heute an verschiedenen Stellen sichtbar.
Flugbetrieb endete 1992
Als Flugplatz wurde das Gelände bis Anfang der 1990er Jahre genutzt.
Nach Angaben der Stadt Darmstadt endete die Funktion als Flugplatz im Jahr 1992. Die US Army blieb allerdings noch deutlich länger vor Ort.
Erst 2008 wurde der Standort von den amerikanischen Streitkräften endgültig aufgegeben.
Seitdem stellt sich die Frage, wie die früher genutzten Flächen langfristig entwickelt werden können.
Das aktuelle Bauleitplanverfahren soll für einen Teil des Geländes nun eine Antwort darauf geben.
Nicht das gesamte ehemalige Flugplatzgelände wird bebaut
Bei den Planungen ist eine Unterscheidung besonders wichtig.
Der Bebauungsplan W 67 betrifft nur einen Teil des ehemaligen Airfields. Er bedeutet nicht, dass der gesamte historische August Euler Flugplatz zu einem Gewerbegebiet wird.
Das ist auch aus Naturschutzgründen von Bedeutung.
Teile des ehemaligen Flugplatzes besitzen heute einen hohen ökologischen Wert und stehen unter besonderem Schutz.
Ehemaliger August Euler Flugplatz ist auch Naturschutzgebiet
Auf dem früheren Flugplatzgelände hat sich über die Jahrzehnte ein wertvoller Lebensraum entwickelt.
Das Naturschutzgebiet „Ehemaliger August Euler Flugplatz von Darmstadt“ umfasst nach Angaben der Stadt rund 71 Hektar. Ein großer Teil gehört gleichzeitig zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000.
Das Gebiet bietet Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere.
Die besondere ökologische Bedeutung hängt auch mit den offenen und teilweise sandigen Flächen zusammen, die sich von vielen anderen Landschaften in Südhessen unterscheiden.
Naturschutz spielt deshalb eine wichtige Rolle
Die Nähe zu ökologisch wertvollen Bereichen macht die Planung anspruchsvoller.
Stadtentwicklung und Naturschutz müssen an dieser Stelle miteinander abgestimmt werden.
Bereits bei der Vorstellung des Projekts im Jahr 2022 hatte Darmstadt betont, dass die gewerbliche Entwicklung unter Berücksichtigung ökologischer Anforderungen erfolgen soll.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Fläche des früheren Flugplatzes automatisch unter Naturschutz steht.
Entscheidend ist die genaue Abgrenzung des jeweiligen Plangebiets und der geschützten Bereiche.
Warum muss der Flächennutzungsplan geändert werden?
Für das Projekt reicht der Bebauungsplan allein nicht aus.
Parallel soll die 18. Änderung des Darmstädter Flächennutzungsplans erfolgen.
Der Grund liegt in der bisherigen Darstellung der Flächen. Teile des betroffenen Gebiets sind dort bislang als Waldflächen dargestellt. Für die geplante Nutzung müssen Flächen hauptsächlich als gewerbliche Bauflächen ausgewiesen werden. In kleinerem Umfang ist auch die umgekehrte Änderung von gewerblichen Bauflächen zu Waldflächen vorgesehen.
Erst wenn die übergeordnete Flächennutzungsplanung und der Bebauungsplan zusammenpassen, können die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die spätere Bebauung geschaffen werden.
Was regelt der Bebauungsplan W 67?
Ein Bebauungsplan legt vergleichsweise konkret fest, was auf einer Fläche gebaut und wie sie genutzt werden darf.
Beim Airfield soll der Bebauungsplan W 67 die Grundlage für das Einsatztrainingszentrum und die Gewerbeflächen schaffen.
Dazu gehören unter anderem Vorgaben zur Art der Nutzung, zur Erschließung und zu den Flächen, die bebaut werden können.
Der Bebauungsplan ist damit ein entscheidender Schritt zwischen einer grundsätzlichen Entwicklungsidee und einer später tatsächlich möglichen Bebauung.
Planung läuft bereits seit mehreren Jahren
Die aktuelle Entscheidung im August 2026 ist nicht der Beginn des Verfahrens.
Schon im Jahr 2022 hatte Darmstadt die Entwicklung des Areals öffentlich vorgestellt. Im Sommer 2023 folgte eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit.
Die entsprechenden Unterlagen lagen damals vom 12. Juni bis 12. Juli 2023 öffentlich aus. Bürger konnten sich über die Ziele informieren und Stellungnahmen abgeben.
Seitdem wurde die Planung weiterbearbeitet.
Warum wurde der Geltungsbereich verändert?
Im Zuge der weiteren Bearbeitung wurde der Geltungsbereich des Plans geringfügig angepasst.
Deshalb hat der Magistrat im August 2026 nicht nur die Offenlage beschlossen. Gleichzeitig musste auch der ursprüngliche Aufstellungsbeschluss entsprechend geändert werden.
Solche Anpassungen sind in längeren Bauleitplanverfahren nicht ungewöhnlich.
Zwischen ersten Entwürfen und einer späteren Offenlage können sich beispielsweise durch Fachgutachten, Abstimmungen oder veränderte Rahmenbedingungen Änderungen ergeben.
Bürger können erneut Stellung nehmen
Mit der Offenlage erreicht das Verfahren eine wichtige Phase.
Wenn die Stadtverordnetenversammlung den aktuellen Vorlagen ebenfalls zustimmt, werden die Planungsunterlagen öffentlich zugänglich gemacht.
Während des vorgesehenen Zeitraums können Bürger und Behörden Stellungnahmen einreichen.
Damit besteht noch einmal die Möglichkeit, Hinweise und Einwände in das Verfahren einzubringen.
Die Offenlage bedeutet deshalb noch nicht, dass unmittelbar danach gebaut wird.
Wann beginnen die Bauarbeiten?
Ein konkreter Termin für den Baustart lässt sich aus dem aktuellen Beschluss noch nicht ableiten.
Zunächst muss das Bauleitplanverfahren weitergeführt werden.
Nach der Offenlage müssen eingegangene Stellungnahmen geprüft und abgewogen werden. Je nach Ergebnis können weitere Änderungen an der Planung notwendig werden.
Erst wenn das Verfahren abgeschlossen und entsprechendes Baurecht vorhanden ist, können die nächsten Schritte für die konkrete Umsetzung folgen.
Auch Griesheim ist von der Entwicklung betroffen
Obwohl das aktuelle Plangebiet auf Darmstädter Gemarkung liegt, spielt die Stadt Griesheim bei der Entwicklung eine wichtige Rolle.
Das Areal grenzt unmittelbar an Griesheim und wird über die Flughafenstraße erschlossen.
Darmstadt und Griesheim haben deshalb bereits einen Koordinationsvertrag zur Entwicklung der angrenzenden Flächen geschlossen.
Damit sollen die Planungen beider Städte aufeinander abgestimmt werden.
Auf Griesheimer Seite ist ein Wohnquartier geplant
Direkt auf der anderen Seite der Stadtgrenze verfolgt Griesheim eigene Entwicklungspläne.
Dort geht es um das geplante Wohnquartier Griesheimer Anger.
Während auf Darmstädter Seite Gewerbe und das Einsatztrainingszentrum vorgesehen sind, soll auf Griesheimer Seite neuer Wohnraum entstehen.
Gerade deshalb ist eine gemeinsame Planung wichtig.
Wenn Wohnen und Gewerbe unmittelbar nebeneinander entstehen, müssen beispielsweise Verkehr, Lärmschutz, Entwässerung und Infrastruktur aufeinander abgestimmt werden.
Verkehr wird zu einem wichtigen Thema
Neue Gewerbeflächen und ein Einsatztrainingszentrum bringen zusätzlichen Verkehr mit sich.
Beschäftigte, Besucher, Lieferverkehr und Einsatzkräfte müssen das Gelände erreichen können.
Gleichzeitig entsteht auf Griesheimer Seite perspektivisch ein neues Wohnquartier.
Die verkehrliche Erschließung gehört deshalb zu den Punkten, die Darmstadt und Griesheim gemeinsam koordinieren wollen. Auch Fragen der Infrastruktur und Entwässerung sind Bestandteil der interkommunalen Zusammenarbeit.
Alte Gebäude prägen das Areal noch heute
Auf dem Plangebiet befinden sich noch Gebäude, die mit der früheren Flugplatznutzung verbunden waren.
Ältere Planungsunterlagen der Stadt sehen vor, einen Großteil dieser Gebäude im Zuge der Entwicklung abzubrechen.
Eine wichtige Ausnahme bildet ein denkmalgeschützter Hangar. Dieser soll erhalten bleiben.
Damit bleibt zumindest ein Teil der baulichen Geschichte des früheren Flugplatzes sichtbar.
Der historische Charakter verschwindet also nicht vollständig
Das Airfield steht beispielhaft für eine Herausforderung, die viele ehemalige Militärstandorte betrifft.
Einerseits sollen nicht mehr benötigte Flächen sinnvoll genutzt werden. Andererseits besitzen solche Areale häufig eine besondere Geschichte, vorhandene Denkmäler oder wertvolle Naturräume.
Beim ehemaligen Flugplatz treffen alle drei Aspekte aufeinander.
Die künftige Entwicklung muss deshalb Gewerbenutzung, Bundeseinrichtung, Denkmalschutz und ökologische Belange miteinander verbinden.
Warum Darmstadt neue Gewerbeflächen sucht
Darmstadt gehört zu den wirtschaftlich starken Standorten in Südhessen. Gleichzeitig ist die verfügbare Fläche innerhalb des Stadtgebiets begrenzt.
Neue Gewerbeflächen lassen sich deshalb nicht beliebig ausweisen.
Die Stadt begründet die Entwicklung des Airfield Teilbereichs ausdrücklich mit der fortwährenden und steigenden Nachfrage nach Gewerbeflächen.
Dabei ist ein Punkt besonders relevant: Bei dem Gelände handelt es sich zumindest teilweise um bereits versiegelte beziehungsweise vorgenutzte Konversionsflächen.
Solche Standorte können bei der Stadtentwicklung eine Alternative zur erstmaligen Erschließung völlig unberührter Flächen darstellen.
Aus einem Flugplatz wird ein neuer Stadtbaustein
Die Entwicklung zeigt zugleich, wie stark sich die Funktion des Geländes innerhalb von etwas mehr als einem Jahrhundert verändert hat.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die aufkommende Luftfahrt im Mittelpunkt. Später folgte die militärische Nutzung durch amerikanische Streitkräfte.
Nach deren Abzug begann eine lange Phase der Neuorientierung.
Mit dem Einsatztrainingszentrum und den geplanten Gewerbeflächen könnte nun ein weiterer Abschnitt in der Geschichte des Areals beginnen.
Noch ist die Planung nicht abgeschlossen
Trotz des aktuellen Beschlusses sollte die Entwicklung nicht als bereits endgültig beschlossenes Bauprojekt verstanden werden.
Der Magistrat hat zunächst die Offenlage der entsprechenden Planungen beschlossen.
Die Stadtverordnetenversammlung muss den Vorlagen ebenfalls zustimmen. Anschließend können Bürger und Behörden Stellungnahmen abgeben.
Erst danach geht das Bauleitplanverfahren weiter.
Bis zum tatsächlichen Baubeginn können deshalb noch weitere planerische und rechtliche Schritte notwendig sein.
Airfield Griesheim könnte sich in den kommenden Jahren deutlich verändern
Das ehemalige Flugplatzgelände gehört zu den geschichtsträchtigsten Flächen im Westen Darmstadts.
Mit dem Bebauungsplan W 67 soll nun für einen Teilbereich eine neue Nutzung vorbereitet werden.
Geplant sind ein Einsatztrainingszentrum der Generalzolldirektion und Gewerbeflächen. Gleichzeitig müssen die Nähe zu geschützten Naturräumen, die historische Bedeutung des Areals und die Entwicklung des angrenzenden Griesheimer Angers berücksichtigt werden.
Der Beschluss vom August 2026 bringt das Projekt einen Schritt weiter. Bis tatsächlich gebaut werden kann, ist das Verfahren allerdings noch nicht abgeschlossen.
