Kreis Bergstraße. Die Kriminalitätsbelastung im Kreis Bergstraße ist im Jahr 2025 auf einen historischen Tiefstand gefallen. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die Vertreter des Kreises und des Polizeipräsidiums Südhessen vorgestellt haben.
Quelle: Bild von PexelsBesonders bemerkenswert ist die langfristige Entwicklung. Während einzelne Deliktsbereiche weiterhin Herausforderungen darstellen, zeigt die Gesamtstatistik für den Kreis eine rückläufige Belastung. Gleichzeitig bleibt die Aufklärungsquote auf einem hohen Niveau.
Kriminalität Kreis Bergstraße: Was die neuen Zahlen zeigen
Die sogenannte Häufigkeitszahl ist ein wichtiger Wert, um die Kriminalitätsbelastung verschiedener Regionen miteinander vergleichen zu können. Sie gibt an, wie viele registrierte Straftaten auf 100.000 Einwohner kommen.
Im Kreis Bergstraße sank diese Häufigkeitszahl 2025 auf den niedrigsten Stand seit Beginn der entsprechenden statistischen Erfassung. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die im langfristigen Vergleich eine insgesamt niedrige Kriminalitätsbelastung zeigt.
Landrat Christian Engelhardt und Polizeipräsident Björn Gutzeit stellten die Zahlen gemeinsam vor. Dabei wurde auch auf die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Kommunen und weiteren Akteuren im Kreis eingegangen.
Was bedeutet ein historischer Tiefstand?
Die Formulierung klingt zunächst eindeutig. Trotzdem muss sie richtig eingeordnet werden.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Straftaten, die der Polizei bekannt geworden sind. Straftaten, die nicht angezeigt oder auf andere Weise bekannt werden, erscheinen grundsätzlich nicht in dieser Statistik.
Auch Veränderungen beim Anzeigeverhalten oder bei der polizeilichen Kontrolle können einzelne Deliktsbereiche beeinflussen.
Der historische Tiefstand bedeutet deshalb zunächst: Gemessen an den polizeilich registrierten Fällen und der Einwohnerzahl war die statistische Kriminalitätsbelastung im Kreis Bergstraße besonders niedrig.
Das ist ein starkes Indiz für die Entwicklung der Sicherheitslage, sollte aber nicht mit einer vollständigen Erfassung sämtlicher tatsächlich begangener Straftaten verwechselt werden.
Die Aufklärungsquote bleibt hoch
Neben der Zahl der registrierten Straftaten spielt die Aufklärungsquote eine wichtige Rolle.
Sie beschreibt, bei welchem Anteil der polizeilich erfassten Fälle mindestens ein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Im Kreis Bergstraße bewegt sich dieser Wert weiterhin auf einem hohen Niveau.
Dabei unterscheiden sich die Aufklärungschancen je nach Delikt erheblich.
Bei Straftaten, bei denen Täter und Opfer miteinander in Kontakt stehen oder sich kennen, sind Ermittlungsansätze häufig leichter vorhanden. Bei einem Einbruch, bei dem zunächst weder Zeugen noch konkrete Hinweise auf den Täter vorliegen, kann die Ausgangslage wesentlich schwieriger sein.
Die allgemeine Aufklärungsquote allein sagt deshalb wenig darüber aus, wie erfolgreich einzelne Arten von Straftaten aufgeklärt werden.
Einbrüche bleiben für Bürger besonders präsent
Auch bei insgesamt niedriger Kriminalitätsbelastung können einzelne Straftaten das Sicherheitsgefühl stark beeinflussen.
Dazu gehören insbesondere Wohnungseinbrüche. Sie betreffen nicht nur das Eigentum. Für Betroffene kann der Gedanke, dass sich ein Fremder im eigenen Zuhause aufgehalten hat, besonders belastend sein.
Hinzu kommen Einbrüche in Geschäfte, Gaststätten und andere Gebäude.
Dass solche Fälle auch in der Region weiterhin vorkommen, zeigen regelmäßig Polizeimeldungen. In Viernheim suchte die Polizei beispielsweise nach einem Einbruch in eine Gaststätte nach Zeugen.
Die insgesamt positive Kriminalstatistik bedeutet daher nicht, dass Vorsichtsmaßnahmen überflüssig werden.
Betrugsmaschen bleiben eine Herausforderung
Ein Deliktsbereich, der sich in den vergangenen Jahren stark verändert hat, ist Betrug.
Kriminelle müssen ihren Opfern heute nicht mehr persönlich begegnen. Telefon, Messenger, E Mail und Onlineplattformen ermöglichen Betrugsversuche über große Entfernungen.
Besonders perfide sind sogenannte Schockanrufe und Anrufe falscher Polizeibeamter. Täter setzen ihre Opfer dabei gezielt unter emotionalen Druck. Häufig wird behauptet, ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht oder Bargeld müsse angeblich zum Schutz vor Kriminellen an einen vermeintlichen Polizeibeamten übergeben werden.
Auch in Viernheim hat die Polizei bereits vor falschen Polizisten und Schockanrufen gewarnt.
Gerade bei solchen Delikten bleibt Prävention wichtig, weil Täter ihre Vorgehensweisen immer wieder verändern.
Warum die Statistik nicht überall gleich wahrgenommen wird
Sinkende Fallzahlen führen nicht automatisch dazu, dass sich jeder Bürger sicherer fühlt.
Das persönliche Sicherheitsgefühl entsteht aus vielen Faktoren. Eigene Erfahrungen spielen ebenso eine Rolle wie Erlebnisse im Freundeskreis, Berichte in sozialen Netzwerken oder Polizeimeldungen aus dem eigenen Wohnort.
Gerade einzelne spektakuläre Straftaten können die Wahrnehmung stark beeinflussen.
Hinzu kommt, dass lokale Nachrichten heute schneller verbreitet werden. Ein Einbruch oder Betrugsversuch in einer Nachbarstadt kann innerhalb kurzer Zeit in zahlreichen sozialen Netzwerken und Gruppen diskutiert werden.
Dadurch kann der Eindruck entstehen, Kriminalität nehme zu, obwohl die Gesamtstatistik eine andere Entwicklung zeigt.
Kreis Bergstraße setzt auf Prävention
Die Entwicklung der Kriminalität im Kreis Bergstraße wird nicht allein durch Polizeieinsätze beeinflusst.
Präventionsangebote sollen verhindern, dass Straftaten überhaupt entstehen oder Menschen Opfer bekannter Betrugsmaschen werden.
Dabei spielt Information eine zentrale Rolle. Wer beispielsweise weiß, dass echte Polizeibeamte am Telefon kein Bargeld oder Schmuck zur angeblichen sicheren Verwahrung verlangen, kann einen entsprechenden Betrugsversuch schneller erkennen.
Ähnliches gilt für Einbruchschutz. Mechanische Sicherungen, richtig verschlossene Fenster und Türen sowie aufmerksame Nachbarn können dazu beitragen, Tatgelegenheiten zu reduzieren.
Wer für einige Tage oder Wochen verreist, findet in unserem Ratgeber zum Einbruchschutz in der Urlaubszeit weitere Hinweise.
Auch Haustürbetrug ist in Südhessen ein Thema
Nicht jeder Betrugsversuch erfolgt telefonisch oder online.
Immer wieder versuchen Täter, unter einem Vorwand in Wohnungen zu gelangen. Sie geben sich beispielsweise als Handwerker, Mitarbeiter eines Versorgungsunternehmens oder Kontrolleure aus.
In Griesheim warnte die Polizei bereits nach einem entsprechenden Fall vor falschen Handwerkern und dubiosen Haustürgeschäften.
Auch aus Lampertheim wurde über Betrüger berichtet, die sich als Rauchmelderprüfer ausgaben.
Solche Fälle zeigen, warum trotz einer insgesamt positiven Kriminalitätsentwicklung Aufmerksamkeit notwendig bleibt.
Unangekündigte Personen sollten nicht allein aufgrund einer Uniform, Arbeitskleidung oder einer überzeugend klingenden Geschichte in die Wohnung gelassen werden. Im Zweifel lässt sich beim angeblichen Auftraggeber nachfragen.
Was die Polizeiliche Kriminalstatistik überhaupt erfasst
Die Polizeiliche Kriminalstatistik wird jährlich veröffentlicht und basiert auf den der Polizei bekannt gewordenen Straftaten.
Dadurch lassen sich Entwicklungen über mehrere Jahre vergleichen. Gleichzeitig können regionale Unterschiede sichtbar gemacht werden.
Die Statistik enthält zahlreiche Deliktsgruppen. Dazu gehören beispielsweise Diebstahl, Betrug, Gewaltkriminalität und Sachbeschädigung.
Verkehrsdelikte sind dagegen grundsätzlich nicht Bestandteil der Polizeilichen Kriminalstatistik.
Das ist wichtig, wenn Zahlen zur allgemeinen Sicherheitslage miteinander verglichen werden.
Die Häufigkeitszahl macht Regionen vergleichbarer
Die reine Anzahl von Straftaten reicht für einen sinnvollen Vergleich häufig nicht aus.
Ein Kreis mit 300.000 Einwohnern wird normalerweise mehr Straftaten registrieren als eine Gemeinde mit 10.000 Einwohnern. Daraus lässt sich nicht automatisch schließen, dass das Leben im größeren Gebiet gefährlicher ist.
Deshalb wird die Häufigkeitszahl verwendet.
Sie setzt die registrierten Straftaten in Beziehung zur Einwohnerzahl und gibt an, wie viele Fälle rechnerisch auf 100.000 Einwohner entfallen.
Wenn der Kreis Bergstraße bei dieser Kennzahl einen historischen Tiefstand erreicht, ist das deshalb aussagekräftiger als der bloße Blick auf eine absolute Fallzahl.
Nicht jede Straftat wird angezeigt
Eine Grenze der Statistik ist das sogenannte Dunkelfeld.
Damit sind Straftaten gemeint, die zwar begangen, aber nicht der Polizei bekannt werden. Wie groß dieses Dunkelfeld ist, unterscheidet sich je nach Delikt.
Bei einem Einbruch mit erheblichem Sachschaden ist die Wahrscheinlichkeit einer Anzeige vergleichsweise hoch. Bei anderen Straftaten können Betroffene aus unterschiedlichen Gründen darauf verzichten, die Polizei einzuschalten.
Deshalb bildet die Statistik das sogenannte Hellfeld der Kriminalität ab.
Für langfristige Entwicklungen bleibt sie dennoch eines der wichtigsten Instrumente, weil die Zahlen nach einheitlichen Kriterien erhoben und regelmäßig veröffentlicht werden.
Digitalisierung verändert auch Kriminalität
Ein Teil der Kriminalität verlagert sich zunehmend ins Internet.
Phishing Nachrichten, gefälschte Verkaufsangebote, manipulierte Webseiten und betrügerische Messenger Nachrichten können Menschen erreichen, ohne dass sich Täter und Opfer jemals persönlich begegnen.
Das verändert auch die Anforderungen an Prävention und Ermittlungsarbeit.
Während beim klassischen Einbruch Türen und Fenster geschützt werden müssen, geht es bei digitalen Betrugsformen um Passwörter, Zugangsdaten und den kritischen Umgang mit Nachrichten und Zahlungsaufforderungen.
Für Bürger bedeutet das, dass Sicherheitsvorsorge heute sowohl die eigene Wohnung als auch Smartphone und Computer betrifft.
Niedrige Gesamtbelastung bedeutet nicht null Kriminalität
Der historische Tiefstand ist eine positive Nachricht für den Kreis Bergstraße. Er sollte aber nicht falsch interpretiert werden.
Straftaten finden weiterhin statt. Polizeimeldungen über Einbrüche, Betrugsversuche, Diebstähle und andere Delikte werden auch künftig zum Alltag gehören.
Statistisch entscheidend ist die Gesamtentwicklung.
Ein einzelner schwerer Fall kann großes öffentliches Interesse auslösen, verändert aber nicht zwangsläufig den langfristigen Trend.
Umgekehrt sollte eine gute Gesamtstatistik nicht dazu führen, bestimmte Deliktsbereiche oder die Erfahrungen einzelner Opfer kleinzureden.
Was Bürger selbst tun können
Viele Straftaten lassen sich durch den Einzelnen nicht verhindern. Bei einigen typischen Situationen kann Aufmerksamkeit das Risiko jedoch reduzieren.
Haustüren und Fenster sollten beim Verlassen der Wohnung vollständig geschlossen werden. Unbekannte Personen sollten nicht ohne Prüfung in die Wohnung gelassen werden. Bei überraschenden Geldforderungen am Telefon ist grundsätzlich Misstrauen angebracht.
Besonders wichtig ist außerdem, ältere Angehörige über bekannte Betrugsmaschen zu informieren.
Wer einen verdächtigen Anruf erhält, kann das Gespräch beenden und selbstständig über eine bekannte Nummer Kontakt mit Angehörigen oder der Polizei aufnehmen.
Bei einem akuten Notfall gilt weiterhin die 110.
Positive Entwicklung mit Einschränkungen
Die aktuelle Statistik liefert für den Kreis Bergstraße zunächst eine erfreuliche Nachricht. Die registrierte Kriminalitätsbelastung hat einen historischen Tiefstand erreicht.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf einzelne Polizeimeldungen, dass Einbrüche, Betrugsversuche und andere Straftaten weiterhin vorkommen.
Beides widerspricht sich nicht.
Die Kriminalität im Kreis Bergstraße kann insgesamt zurückgehen, während einzelne Delikte weiterhin Aufmerksamkeit und Präventionsarbeit erfordern.
Für die Bewertung der Sicherheitslage ist deshalb der langfristige Blick auf die Statistik sinnvoller als die Betrachtung einzelner Fälle.
