Ein Erdbeben im Raum Worms hat am Donnerstagabend, 10. September 2026, weite Teile Südhessens erschüttert. Was zunächst vor allem aus der unmittelbaren Umgebung von Worms und Lampertheim gemeldet wurde, war offenbar wesentlich weiter zu spüren: Beim Hessischen Erdbebendienst gingen Rückmeldungen aus Bürstadt, Lampertheim, Viernheim, Lorsch und Heppenheim sowie aus Teilen des Odenwalds ein.
Quelle: Bild von UnsplashDas Beben ereignete sich um 17.27 Uhr. Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung hat das Ereignis inzwischen manuell ausgewertet und gibt eine Magnitude von 3,2 Mw sowie eine Tiefe von rund zehn Kilometern an. Unmittelbar nach dem Erdbeben waren zunächst Werte zwischen 3,3 und 3,4 gemeldet worden.
Schäden sind nach aktuellem Stand nicht bekannt. In der Nähe des Epizentrums sollen die Erschütterungen etwa zwei bis fünf Sekunden lang wahrnehmbar gewesen sein.
Erdbeben am 10. September: Das ist jetzt bekannt
Das Epizentrum lag im Raum Worms und damit unmittelbar an der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Südhessen. Aufgrund der Nähe zum Kreis Bergstraße wurde das Beben auch auf der hessischen Rheinseite deutlich wahrgenommen.
Die inzwischen erfolgte manuelle Auswertung des GFZ ist genauer als die automatischen Berechnungen unmittelbar nach dem Ereignis. Unterschiedliche Magnitudenangaben kurz nach einem Erdbeben sind deshalb nicht ungewöhnlich.
| Information | Aktueller Stand |
| Datum | 10. September 2026 |
| Uhrzeit | 17.27 Uhr |
| Epizentrum | Raum Worms |
| GFZ-Magnitude | 3,2 Mw |
| Erste Messungen | etwa 3,3 bis 3,4 |
| Tiefe | rund 10 Kilometer |
| In Südhessen gespürt | unter anderem Bürstadt, Lampertheim, Viernheim, Lorsch und Heppenheim |
| Weitere Meldungen | unter anderem aus Wald-Michelbach sowie dem Modau- und Fischbachtal |
| Wahrnehmungsdauer nahe dem Epizentrum | etwa 2 bis 5 Sekunden |
| Schäden | bislang keine bekannt |
| Nachbeben | möglich, aber nicht sicher |
In diesen Orten in Südhessen wurde das Erdbeben gespürt
Besonders interessant ist die inzwischen deutlich größere Zahl an Wahrnehmungsmeldungen aus Südhessen.
Beim Hessischen Erdbebendienst gingen unter anderem Rückmeldungen aus Bürstadt, Lampertheim, Viernheim, Lorsch und Heppenheim ein. Damit wurde das Beben in mehreren Städten des Kreises Bergstraße wahrgenommen.
Die Erschütterungen beschränkten sich aber offenbar nicht auf die Rheinebene und die Bergstraße. Auch aus Wald-Michelbach sowie aus dem Modau- und Fischbachtal kamen Meldungen.
Damit war das Erdbeben teilweise noch viele Kilometer vom eigentlichen Epizentrum entfernt zu bemerken.
Wie stark eine einzelne Person ein Erdbeben wahrnimmt, kann allerdings sehr unterschiedlich sein. Neben der Entfernung zum Epizentrum spielen die Tiefe des Bebens, der Untergrund und das Gebäude eine Rolle.
Während einige Menschen lediglich ein kurzes Vibrieren bemerken, können bei anderen beispielsweise Fenster, Gläser oder Möbel sichtbar wackeln.
Warum gibt es überhaupt Erdbeben in Südhessen?
Dass ausgerechnet zwischen Rhein, Bergstraße und Darmstadt immer wieder kleinere Erdbeben auftreten, hat einen geologischen Grund.
Die Region liegt am nördlichen Oberrheingraben. Dieser gehört nach Angaben des Hessischen Erdbebendienstes zu den aktivsten Erdbebengebieten Hessens.
Der Oberrheingraben entstand durch tektonische Bewegungen der Erdkruste. Über Millionen Jahre senkte sich der Bereich zwischen den Grabenrändern ab. Die geologischen Prozesse haben die Landschaft zwischen Rhein und Bergstraße maßgeblich geprägt und hängen auch mit der Entstehung der heutigen Landschaft des Hessischen Rieds zusammen.
Bis heute bestehen im Untergrund Störungszonen, an denen sich Spannungen aufbauen und wieder lösen können. Dabei entstehen Erdbeben.
Die meisten dieser Ereignisse sind allerdings so schwach, dass Menschen überhaupt nichts davon mitbekommen.
Auch an der Bergstraße bebt die Erde immer wieder
Das aktuelle Ereignis ist kein Einzelfall.
Entlang der Bergstraße und südlich von Darmstadt werden regelmäßig kleinere Erdbeben registriert. Ein spürbares Beispiel ereignete sich am 10. September 2023 bei Pfungstadt.
Damals registrierte der Hessische Erdbebendienst ein Beben mit einer Lokalmagnitude von 3,1 in rund 17 Kilometern Tiefe. Mehr als 130 Menschen meldeten anschließend ihre Wahrnehmungen.
Größere Schäden wurden auch bei diesem Ereignis nicht bekannt.
Der Hessische Erdbebendienst bezeichnete das Pfungstädter Beben als typisch für die Erdbebenaktivität im nördlichen Oberrheingraben.
Sind Erdbeben mit einer Stärke von rund 3 gefährlich?
Ein Erdbeben dieser Größenordnung kann von Menschen deutlich wahrgenommen werden, insbesondere wenn sie sich relativ nah am Epizentrum befinden.
Größere Gebäudeschäden sind bei einem solchen Ereignis normalerweise jedoch nicht zu erwarten.
Die Magnitude allein entscheidet allerdings nicht darüber, wie stark sich ein Erdbeben an einem bestimmten Ort auswirkt. Auch die Tiefe des Erdbebenherdes, die Entfernung zum Epizentrum, der geologische Untergrund und die Bauweise eines Gebäudes spielen eine Rolle.
Beim Beben vom 10. September 2026 wurden nach aktuellem Stand keine größeren Schäden gemeldet.
Warum wurde zunächst eine Stärke von 3,4 genannt?
Direkt nach einem Erdbeben werden Messdaten zunächst automatisch ausgewertet. Dadurch können bereits wenige Minuten nach einem Ereignis erste Angaben zur Magnitude und zum Epizentrum veröffentlicht werden.
Diese Daten sind jedoch vorläufig.
Anschließend überprüfen Fachleute die Messungen und passen die Werte gegebenenfalls an. Deshalb können sich die Angaben verschiedener Erdbebendienste zunächst leicht unterscheiden.
Beim aktuellen Beben wurden unmittelbar nach dem Ereignis Werte von etwa 3,3 beziehungsweise 3,4 genannt.
Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung gibt nach der manuellen Auswertung inzwischen eine Magnitude von 3,2 Mw an.
Das bedeutet nicht, dass das Erdbeben nachträglich schwächer geworden ist. Lediglich die Berechnung wurde mit zusätzlichen Daten präzisiert.
Kann es jetzt Nachbeben geben?
Nach einem Erdbeben können weitere kleinere Erschütterungen auftreten. Die Stadt Worms weist deshalb darauf hin, dass in den kommenden Tagen auch spürbare Nachbeben möglich sind.
Das bedeutet allerdings nicht, dass tatsächlich weitere Erdbeben auftreten müssen.
Auch lässt sich aus einem einzelnen Beben dieser Stärke nicht ableiten, dass unmittelbar ein stärkeres Ereignis bevorsteht.
Erdbeben lassen sich bis heute nicht so genau vorhersagen, dass Zeitpunkt, Ort und Magnitude eines zukünftigen Bebens zuverlässig bestimmt werden könnten.
Kann es in Südhessen auch stärkere Erdbeben geben?
Grundsätzlich sind im Oberrheingraben auch stärkere Erdbeben möglich.
Die Tatsache, dass die meisten heute registrierten Ereignisse sehr klein sind, bedeutet nicht, dass stärkere Beben grundsätzlich ausgeschlossen wären. Der Oberrheingraben ist seit langer Zeit als seismisch aktive Region bekannt.
Moderne Messstationen registrieren dort jedes Jahr zahlreiche kleine Erschütterungen. Ein großer Teil davon erreicht allerdings keine Stärke, bei der Menschen etwas bemerken.
Das Beben vom Donnerstag war dagegen stark genug, um über eine vergleichsweise große Entfernung wahrgenommen zu werden.
Was sollte man bei einem stärkeren Erdbeben tun?
Wer sich während eines stärkeren Erdbebens in einem Gebäude befindet, sollte Abstand zu Fenstern, Regalen und Gegenständen halten, die umfallen oder herunterfallen könnten.
Schutz kann beispielsweise unter einem stabilen Tisch gesucht werden. Während der eigentlichen Erschütterungen sollte man nicht überstürzt über Treppenhäuser nach draußen laufen.
Wer sich im Freien befindet, sollte Abstand zu Gebäuden, Fassaden, Stromleitungen und anderen Objekten halten, von denen Teile herunterfallen könnten.
Beim aktuellen Beben bestand nach den bislang bekannten Informationen jedoch keine größere Gefahr für die Bevölkerung.
Wer das Erdbeben gespürt hat, kann seine Beobachtung melden
Für die Erdbebenforschung sind nicht nur Messstationen interessant. Auch Beobachtungen aus der Bevölkerung helfen dabei, die Auswirkungen eines Bebens genauer zu bestimmen.
Wer die Erschütterungen am Donnerstag selbst wahrgenommen hat, kann dies dem Hessischen Erdbebendienst melden.
Dabei wird beispielsweise abgefragt, wie stark die Erschütterung wahrgenommen wurde, ob Gegenstände gewackelt haben und wo sich die Person zum Zeitpunkt des Bebens befand.
Aus vielen einzelnen Meldungen lässt sich anschließend rekonstruieren, in welchem Gebiet ein Erdbeben tatsächlich wahrgenommen wurde.
Gerade die zahlreichen Rückmeldungen aus dem Kreis Bergstraße und dem Odenwald zeigen beim aktuellen Ereignis, wie weit die Erschütterungen über das unmittelbare Epizentrum hinaus zu spüren waren.
Erdbeben gehören zur Geologie Südhessens
Für viele Menschen dürfte das Wackeln am Donnerstagabend überraschend gewesen sein. Geologisch betrachtet sind kleinere Erdbeben in Südhessen jedoch kein außergewöhnliches Ereignis.
Der nördliche Oberrheingraben gehört zu den erdbebenaktiveren Gebieten Hessens. Die meisten Erschütterungen bleiben so schwach, dass sie ausschließlich von Messgeräten registriert werden.
Das Beben vom 10. September war mit einer Magnitude von 3,2 dagegen stark genug, um von Worms über Lampertheim, Bürstadt, Viernheim und Heppenheim bis in Teile des Odenwalds wahrgenommen zu werden.
Nach aktuellem Stand blieb es bei einem kurzen Schrecken. Größere Schäden wurden nicht bekannt.
