Hessen gehört zu den fünf Bundesländern mit der jüngsten Bevölkerung. Doch innerhalb Südhessens zeigen sich deutliche Unterschiede. Während die Wissenschaftsstadt Darmstadt eine vergleichsweise junge Bevölkerung hat, liegt das Durchschnittsalter im Odenwaldkreis deutlich höher. Eine Gemeinde im Odenwald gehört sogar zu den ältesten in ganz Hessen.
Quelle: Bild von UnsplashNach neuen Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes waren die Menschen in Hessen Ende 2025 durchschnittlich 44,4 Jahre alt. Damit lag das Land unter dem bundesweiten Durchschnitt von 45,0 Jahren.
Besonders interessant ist allerdings, wie unterschiedlich sich das Alter der Bevölkerung zwischen Städten und ländlichen Gemeinden entwickelt.
Hessen ist jünger als der Bundesdurchschnitt
Mit einem Durchschnittsalter von 44,4 Jahren belegte Hessen Ende 2025 bundesweit den fünften Platz unter den Ländern mit der jüngsten Bevölkerung.
Am jüngsten war die Bevölkerung in Hamburg mit durchschnittlich 42,3 Jahren. Sachsen-Anhalt hatte mit 48,4 Jahren den höchsten Wert.
Im Vergleich zum Zensus 2011 ist das Durchschnittsalter in Hessen um ein Jahr gestiegen. Damals lag es bei 43,4 Jahren.
Die Bevölkerung wird damit auch in Hessen älter, allerdings nicht überall gleich schnell.
Darmstadt ist deutlich jünger als der Odenwaldkreis
Wie groß die Unterschiede innerhalb Südhessens sind, zeigt ein Blick auf die regionalen Zahlen.
In der Wissenschaftsstadt Darmstadt lag das Durchschnittsalter Ende 2024 bei 41,0 Jahren. Im Landkreis Groß-Gerau waren es 43,2 Jahre.
Deutlich höher fiel der Wert im Landkreis Bergstraße mit 45,6 Jahren aus. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg erreichte 44,9 Jahre.
Im Odenwaldkreis lag das Durchschnittsalter bei 46,7 Jahren.
Diese regionalen Werte stammen aus der amtlichen Bevölkerungsvorausberechnung des Hessischen Statistischen Landesamtes und beziehen sich auf das Basisjahr 2024. Sie sind deshalb nicht unmittelbar mit dem neu veröffentlichten hessischen Landeswert für Ende 2025 gleichzusetzen.
Trotzdem verdeutlichen sie, wie unterschiedlich die Altersstruktur innerhalb der Region ausfällt.
Fränkisch-Crumbach gehört zu den ältesten Gemeinden Hessens
Besonders auffällig ist eine Gemeinde im Odenwaldkreis.
In Fränkisch-Crumbach lag das Durchschnittsalter Ende 2025 bei 51,0 Jahren.
Damit teilte sich die Gemeinde nach Angaben des Statistischen Landesamtes den höchsten Wert in ganz Hessen mit Jesberg im Schwalm-Eder-Kreis.
Die jüngste Bevölkerung lebte dagegen in Gießen. Dort waren die Einwohner durchschnittlich 38,9 Jahre alt.
Zwischen Gießen und Fränkisch-Crumbach lagen somit mehr als zwölf Jahre.
Der Vergleich macht deutlich, dass der hessische Landesdurchschnitt nur einen Teil der demografischen Entwicklung beschreibt.
Kleine Gemeinden altern schneller als Großstädte
Die Statistik zeigt außerdem einen langfristigen Trend.
In hessischen Großstädten mit mindestens 100.000 Einwohnern sank das durchschnittliche Alter zwischen 2011 und 2025 leicht von 42,0 auf 41,9 Jahre.
In Landgemeinden stieg es dagegen von 45,0 auf 47,1 Jahre.
Auch in Kleinstädten nahm das Durchschnittsalter deutlich zu. Hier erhöhte sich der Wert von 44,3 auf 46,0 Jahre.
In Mittelstädten stieg er von 43,5 auf 44,5 Jahre.
Die Entwicklung betrifft damit nicht ausschließlich einzelne Orte. Vielmehr zeigt sich ein struktureller Unterschied zwischen größeren Städten und kleineren Gemeinden.
Warum die Altersstruktur für Südhessen wichtig ist
Das Durchschnittsalter ist mehr als eine statistische Kennzahl.
Eine ältere Bevölkerung kann andere Anforderungen an medizinische Versorgung, Mobilität, Wohnraum und öffentliche Infrastruktur stellen als eine jüngere.
In kleineren Gemeinden kann beispielsweise die Erreichbarkeit von Arztpraxen, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Verkehrsmitteln besonders wichtig werden.
Gleichzeitig benötigen Städte mit vielen jungen Erwachsenen ausreichend Ausbildungsplätze, bezahlbaren Wohnraum und eine passende Verkehrsinfrastruktur.
Aus dem Durchschnittsalter allein lässt sich allerdings nicht ableiten, ob eine Kommune gut oder schlecht auf diese Herausforderungen vorbereitet ist.
Dafür müssten weitere Daten berücksichtigt werden, etwa zur Bevölkerungsentwicklung, zu Haushaltsformen und zur örtlichen Versorgung.
Frauen sind im Durchschnitt älter als Männer
Auch zwischen den Geschlechtern bestehen Unterschiede.
Frauen waren in Hessen Ende 2025 durchschnittlich 45,6 Jahre alt. Bei Männern lag der Wert bei 43,2 Jahren.
Damit waren Frauen im Durchschnitt 2,4 Jahre älter.
Dieser Abstand hatte bereits 2011 bestanden.
Die unterschiedlichen Durchschnittswerte spiegeln unter anderem die Alterszusammensetzung der Bevölkerung wider. Aus ihnen lässt sich jedoch nicht unmittelbar die Lebenserwartung einzelner Menschen ablesen.
Wie sich die Altersstruktur künftig verändern könnte
Die amtliche Bevölkerungsvorausberechnung zeigt, dass die demografischen Unterschiede zwischen südhessischen Regionen auch künftig relevant bleiben könnten.
Für das Jahr 2035 wird beispielsweise für Darmstadt ein Durchschnittsalter von 42,9 Jahren vorausberechnet.
Im Landkreis Bergstraße liegt der entsprechende Wert bei 47,0 Jahren, im Odenwaldkreis bei 48,6 Jahren.
Dabei handelt es sich ausdrücklich um Modellrechnungen und nicht um feststehende zukünftige Entwicklungen.
Geburtenzahlen, Wanderungsbewegungen und andere demografische Faktoren können die tatsächliche Entwicklung verändern.
Südhessen hat keine einheitliche Altersstruktur
Die aktuellen Landeszahlen und die regionalen Daten zeigen insgesamt ein differenziertes Bild.
Hessen ist im Bundesvergleich relativ jung. Innerhalb Südhessens stehen jedoch jüngere Städte und ältere ländliche Gemeinden nebeneinander.
Besonders deutlich wird dies am Beispiel Darmstadt und Odenwaldkreis.
Für die Kommunen bedeutet das, dass Lösungen für die demografische Entwicklung nicht überall gleich aussehen können.
Welche Angebote künftig benötigt werden, hängt auch davon ab, wie viele junge Familien, Erwerbstätige und ältere Menschen vor Ort leben.
