Schon gewusst? Darum gibt es im Hessischen Ried so viele Kiesseen

Südhessen. Ob der Waidsee in Weinheim, der Erlensee bei Biblis oder zahlreiche weitere Gewässer zwischen Gernsheim, Lampertheim und Bürstadt, im Hessischen Ried gibt es auffallend viele Seen. Gerade an warmen Tagen ziehen sie Badegäste, Wassersportler und Spaziergänger an.

Quelle: Bild von Pixabay

Viele Menschen glauben, diese Seen seien durch den Rhein entstanden. Tatsächlich haben die meisten jedoch einen ganz anderen Ursprung.

Wie das Hessische Ried überhaupt entstanden ist und warum die Landschaft so flach ist, erklären wir in unserem Beitrag „Wie entstand das Hessische Ried?“.

Schon gewusst?

Die meisten Seen im Hessischen Ried sind keine natürlichen Gewässer. Sie entstanden durch den Abbau von Sand und Kies. Nachdem die Rohstoffe gewonnen worden waren, füllten sich die Gruben nach und nach mit Grundwasser.

Warum wurde hier so viel Kies abgebaut?

Das Hessische Ried besteht aus mächtigen Schichten aus Sand und Kies. Diese wurden über Jahrtausende vom Rhein abgelagert.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Bauboom begann, stieg der Bedarf an Kies enorm. Das Material wurde für Straßen, Brücken, Wohnhäuser und Beton benötigt. Im Hessischen Ried fanden Unternehmen ideale Voraussetzungen, da die Lagerstätten oft nur wenige Meter unter der Oberfläche liegen.

Aus Kiesgruben wurden Seen

Sobald eine Kiesgrube ausgebeutet war, blieb eine tiefe Mulde zurück. Da das Grundwasser im Hessischen Ried vergleichsweise hoch steht, füllten sich viele dieser Gruben innerhalb weniger Jahre mit Wasser.

So entstanden zahlreiche Seen, die heute das Landschaftsbild prägen. Manche dienen als Badeseen, andere werden zum Segeln, Angeln oder Tauchen genutzt. Wieder andere stehen unter Naturschutz und bieten seltenen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum.

Warum sind viele Seen so klar?

Viele Besucher wundern sich über das oft klare Wasser.

Der Grund liegt darin, dass viele Kiesseen direkt mit dem Grundwasser verbunden sind. Dieses wird auf natürliche Weise durch Sand- und Kiesschichten gefiltert. Gleichzeitig gibt es in vielen Seen nur wenige Zuflüsse, die Schlamm oder Schwebstoffe eintragen könnten.

Je nach Wetter, Algenwachstum und Nutzung kann die Wasserqualität allerdings unterschiedlich ausfallen.

Ein Gewinn für Natur und Freizeit

Heute sind viele ehemalige Kiesgruben aus dem Alltag der Region nicht mehr wegzudenken. Sie bieten Lebensraum für Wasservögel, Amphibien und Fische. Gleichzeitig sind sie beliebte Ziele für Erholungssuchende.

Einige Seen dürfen zum Baden genutzt werden, andere stehen vollständig unter Naturschutz. Dadurch entstehen Rückzugsräume für seltene Tiere und Pflanzen, die in der intensiv genutzten Landschaft nur noch wenige geeignete Lebensräume finden.

Warum sich im Hessischen Ried besonders viele Störche wohlfühlen, erklären wir im Beitrag „Warum gibt es im Hessischen Ried so viele Störche?“.

Seen prägen heute das Gesicht des Rieds

Die Seen im Hessischen Ried wirken oft wie natürliche Landschaften. Tatsächlich erzählen sie aber auch ein Stück Industriegeschichte. Ohne den jahrzehntelangen Kiesabbau würden viele der heutigen Bade- und Freizeitseen gar nicht existieren.

Heute verbinden sie Natur, Naherholung und Artenschutz, und gehören längst zu den charakteristischen Merkmalen der Region.

Häufig gestellte Fragen

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