Aus acht Monaten wurden mehr als vier Jahre. Für die Menschen in Hirschhorn endet damit eine außergewöhnlich lange Geduldsprobe: Die sanierte Wehrbrücke über den Neckar ist wieder für den Verkehr freigegeben.
Quelle: Bild von UnsplashAm Montagnachmittag, 28. September 2026, wurde die zentrale Verbindung zwischen der Hirschhorner Kernstadt und dem Stadtteil Ersheim offiziell wieder geöffnet.
Ab Dienstag, 29. September, kehren nun auch die ÖPNV-Verbindungen auf ihre gewohnten Wege über die Wehrbrücke zurück.
Damit endet eine Sperrung, die den Alltag in Hirschhorn seit 2022 geprägt hat.
Wehrbrücke verbindet Hirschhorn mit Ersheim
Die Bedeutung der Brücke wird verständlich, wenn man einen Blick auf die Lage Hirschhorns wirft.
Die historische Kernstadt liegt auf der einen Seite des Neckars, der Stadtteil Ersheim auf der anderen.
Die Wehrbrücke im Verlauf der Kreisstraße K 38 stellt eine der wichtigsten direkten Verbindungen zwischen beiden Seiten dar.
In Ersheim leben rund 1.500 Menschen. Dort befinden sich außerdem unter anderem die Grundschule und Gewerbebetriebe.
Fällt diese Verbindung weg, sind die Folgen deshalb wesentlich größer als bei der Sperrung einer gewöhnlichen innerörtlichen Straße.
Mehr als vier Jahre war die Brücke gesperrt
Die Sanierungsarbeiten begannen Anfang Juni 2022.
Dass die Sperrung mehr als vier Jahre dauern würde, war damals nicht vorgesehen.
Nach Angaben des Kreises Bergstraße war die lange Bauzeit ungeplant und ursprünglich nicht absehbar.
Während der Arbeiten zeigte sich, dass die Schäden an der historischen Stahlkonstruktion umfangreicher waren als zunächst angenommen.
Dadurch wurde aus einer ohnehin anspruchsvollen Brückensanierung ein außergewöhnlich langes Bauprojekt.
Eigentlich sollten die Arbeiten deutlich schneller abgeschlossen sein
Besonders deutlich wird die Verzögerung beim Vergleich mit der ursprünglichen Planung.
Für die Sanierung waren zunächst ungefähr acht Monate vorgesehen.
Tatsächlich dauerte es vom Beginn der Arbeiten im Juni 2022 bis zur Verkehrsfreigabe Ende September 2026 mehr als vier Jahre.
Für Anwohner, Gewerbetreibende und Verkehrsteilnehmer bedeutete das über Jahre hinweg Umwege und Einschränkungen.
Vor allem der Schwerlastverkehr war stark betroffen.
Während der Sperrung mussten Lastwagen teilweise Umleitungen von mehr als 30 Kilometern in Kauf nehmen.
Warum dauerte die Sanierung so lange?
Ein wesentlicher Grund lag im Zustand der Brücke.
Bei der Wehrbrücke handelt es sich um eine historische genietete Stahlkonstruktion.
Bereits vor Beginn der Arbeiten waren sichtbare Korrosionsschäden bekannt.
Besonders betroffen waren Verstärkungsbleche an den Längsträgern.
Während der Sanierung wurden jedoch weitere Schäden sichtbar, die bei den vorbereitenden Untersuchungen nicht vollständig erkannt werden konnten.
Genau das machte die Arbeiten wesentlich aufwendiger.
Mehrere hundert Nieten mussten entfernt werden
Die Sanierung lässt erahnen, wie kompliziert Arbeiten an einer solchen Konstruktion sein können.
Um beschädigte Verstärkungsbleche austauschen zu können, mussten nach Angaben des Kreises mehrere hundert Nieten aus der Stahlkonstruktion gelöst werden.
Bevor Teile der Hauptträger demontiert werden konnten, mussten die jeweiligen Brückenbereiche zunächst mit Hilfskonstruktionen statisch entlastet werden.
Dafür waren aufwendige Gerüst- und Auswechselkonstruktionen notwendig.
Die Arbeiten ähnelten damit weniger einer gewöhnlichen Fahrbahnsanierung als einer grundlegenden Restaurierung der historischen Stahlkonstruktion.
Asbesthaltiges Material sorgte für zusätzlichen Aufwand
Während der Arbeiten kam ein weiteres Problem hinzu.
In der Beschichtung der Fahrbahntafel wurde asbesthaltiges Material gefunden.
Dieses musste fachgerecht entfernt und entsorgt werden.
Auch zusätzliche Korrosionsschäden wurden während der Sanierung entdeckt.
Der Aufwand für das Entfernen der alten Beschichtungen und das Aufbringen des neuen Korrosionsschutzes fiel dadurch wesentlich größer aus als ursprünglich erwartet.
Hessen Mobil vergleicht die Sanierung deshalb mit der Restaurierung eines Oldtimers: Manche Schäden werden erst sichtbar, wenn einzelne Bauteile freigelegt sind.
Eine Brücke aus den 1930er-Jahren
Die Wehrbrücke ist bereits rund 90 Jahre alt.
Sie entstand zusammen mit der Neckarstaustufe Hirschhorn zwischen 1931 und 1935.
1979 und 1980 wurde die Konstruktion umgebaut und erweitert.
Eigentlich besteht das Bauwerk aus zwei Teilbrücken.
Auf der Ersheimer Seite befindet sich eine zweifeldrige Schleusenbrücke, auf der Hirschhorner Seite die dreifeldrige eigentliche Wehrbrücke.
Beide Teile bestehen aus genieteten Stahlkonstruktionen.
Die Wehrbrücke steht zudem unter Denkmalschutz.
Die Brücke hat mehr Aufgaben als nur den Straßenverkehr
Das Bauwerk verbindet nicht nur die Kernstadt mit Ersheim.
Über die Wehrbrücke wird auch das Flusskraftwerk der Neckar AG angebunden.
Außerdem dient sie als Revisionsweg zu den Wehrpfeilern und als Leitungsbrücke für Betreiber und Versorgungsunternehmen.
Entsprechend wichtig war es, die Konstruktion nicht lediglich oberflächlich zu reparieren.
Ziel der Sanierung war es, Verkehrs- und Standsicherheit langfristig zu gewährleisten.
Rund elf Millionen Euro für die Sanierung
Die jahrelangen zusätzlichen Arbeiten haben sich auch bei den Kosten bemerkbar gemacht.
Nach aktuellen Angaben des Kreises Bergstraße kostete die Sanierung insgesamt rund 11 Millionen Euro.
Damit gehört das Projekt zu den größeren Infrastrukturmaßnahmen des Kreises der vergangenen Jahre.
Die Wehrbrücke soll nach Abschluss der umfangreichen Arbeiten nun langfristig für ihre verschiedenen Aufgaben gerüstet sein.
Behelfszufahrt über die Brentanostraße wird aufgehoben
Mit der Verkehrsfreigabe verändert sich gleichzeitig die bisherige Verkehrsführung.
Während der Vollsperrung bestand für den Anliegerverkehr eine beschränkte Behelfszufahrt über die Brentanostraße.
Diese wird im Zuge der Wiedereröffnung aufgehoben.
Auch die dort eingerichtete provisorische Verkehrsführung wird damit nicht mehr benötigt.
Für Hirschhorn bedeutet die Öffnung deshalb nicht nur eine zusätzliche Verbindung über den Neckar.
Ein jahrelanger Ausnahmezustand im örtlichen Straßennetz geht zu Ende.
Ab Dienstag fahren auch die Busse wieder über die Brücke
Für Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs ist besonders der 29. September wichtig.
Ab Dienstag können die ÖPNV-Verbindungen nach Angaben des Kreises wieder wie gewohnt über die Wehrbrücke fahren.
Damit kehren auch die Buslinien auf ihre regulären Wege zurück.
Gerade für Schüler und Pendler aus Ersheim ist das eine wichtige Veränderung.
Ersheim war besonders von der Sperrung betroffen
Die jahrelange Sperrung traf den Stadtteil Ersheim besonders stark.
Die direkte Verbindung zur Kernstadt fehlte.
Autofahrer mussten auf Umleitungsstrecken ausweichen, während für bestimmte Verkehre Behelfslösungen geschaffen wurden.
Auch Gewerbetreibende bekamen die Auswirkungen zu spüren.
Hirschhorns Bürgermeister Martin Hölz bezeichnet die Wiedereröffnung deshalb als Ende einer langjährigen Geduldsprobe.
Bürgern, Gewerbetreibenden und Verkehrsteilnehmern sei während der vergangenen Jahre viel abverlangt worden.
Eine der längsten Baustellen der Region endet
Straßensperrungen über einige Wochen oder Monate gehören auch in Südhessen zum Alltag.
Mehr als vier Jahre sind dagegen eine andere Dimension.
Die Wehrbrücke ist deshalb längst mehr als nur ein gewöhnliches Sanierungsprojekt geworden.
Für viele Menschen in Hirschhorn war die gesperrte Verbindung seit 2022 Teil des täglichen Lebens.
Kinder, die beim Beginn der Sanierung noch in der Grundschule waren, sind heute mehrere Jahre älter.
Unternehmen mussten über Jahre mit veränderten Zufahrten umgehen.
Pendler gewöhnten sich an Umwege.
Seit dem 28. September gehört dieser Zustand nun der Vergangenheit an.
Was Autofahrer ab heute wissen müssen
Seit Montagnachmittag ist die Wehrbrücke wieder für den Straßenverkehr freigegeben.
Ab Dienstag folgt der reguläre ÖPNV.
Gleichzeitig wird die bisherige Behelfszufahrt über die Brentanostraße aufgehoben.
Restarbeiten, der Rückbau der Baustelleneinrichtung und Reinigungsarbeiten waren unmittelbar vor der Freigabe noch durchgeführt worden.
Nach mehr als vier Jahren kann der Verkehr damit wieder direkt zwischen Hirschhorn und Ersheim über den Neckar rollen.
