Die historische Überwaldbahn zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach könnte wieder für den Personenverkehr genutzt werden. Doch eine neue Machbarkeitsstudie kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Keine der drei untersuchten Betriebsvarianten erreicht die erforderliche Wirtschaftlichkeit. Für die Reaktivierung wären Investitionen von mindestens 30,6 Millionen Euro in die Infrastruktur notwendig.
Quelle: Bild von UnsplashDer Kreis Bergstraße hat die Ergebnisse am 8. Oktober 2026 veröffentlicht. Damit liegt nun eine fachliche Grundlage für die weitere politische Diskussion vor. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Vorhabens ist damit allerdings noch nicht getroffen.
Drei Möglichkeiten für die Rückkehr der Bahn untersucht
Die Überwaldbahn ist eine historische Bahnstrecke, deren Hauptstrecke zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach verlief. Eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs wurde nun auf ihre technische Machbarkeit und ihren wirtschaftlichen Nutzen geprüft.
Mit der Untersuchung war das Beratungsbüro ederlog beauftragt. Beteiligt waren neben dem Kreis Bergstraße die Gemeinden Wald-Michelbach, Abtsteinach und Mörlenbach sowie der Verkehrsverbund Rhein-Neckar.
Die Fachleute betrachteten drei Varianten: einen vollelektrischen Bahnbetrieb, den Einsatz von Akkutriebwagen mit einer Ladeinsel in Wald-Michelbach und einen Straßenbahnbetrieb.
Dabei ging es nicht nur darum, ob Züge technisch wieder fahren könnten. Untersucht wurden auch der Zustand der bestehenden Infrastruktur, der notwendige Ausbau sowie der verkehrliche und volkswirtschaftliche Nutzen.
Keine Variante erreicht den erforderlichen Nutzen-Kosten-Wert
Das entscheidende Ergebnis betrifft den sogenannten Nutzen-Kosten-Index. Er setzt den bewerteten volkswirtschaftlichen Nutzen eines Vorhabens ins Verhältnis zu seinen Kosten.
Ein Wert von mindestens 1 gilt als erforderliche Schwelle für eine positive Wirtschaftlichkeitsbewertung.
Davon bleiben alle untersuchten Varianten deutlich entfernt.
Für den Betrieb mit Akkutriebwagen errechneten die Gutachter einen Index von 0,22. Bei einer vollständig elektrifizierten Bahnstrecke liegt der Wert bei 0,24.
Am besten schneidet noch die Straßenbahnvariante mit einem Index von 0,40 ab. Doch auch sie erreicht die notwendige Schwelle bei Weitem nicht.
Damit lässt sich nach dem Ergebnis der Studie keine der untersuchten Lösungen wirtschaftlich rechtfertigen.
Das bedeutet nicht, dass eine Reaktivierung technisch grundsätzlich unmöglich wäre. Der errechnete Nutzen steht jedoch in keinem ausreichenden Verhältnis zu den erforderlichen Investitionen.
Mindestens 30,6 Millionen Euro für die Infrastruktur
Ein wesentlicher Grund für das Ergebnis ist der erhebliche Erneuerungsbedarf.
Die Gutachter gehen davon aus, dass Gleise und Oberbau vollständig erneuert werden müssten. Mehrere Bahnübergänge wären technisch zu sichern.
Hinzu käme der Bau von fünf neuen Haltepunkten.
Je nach Betriebsvariante schätzt die Studie die notwendigen Infrastrukturkosten auf 30,6 bis 36,6 Millionen Euro.
Diese Summe macht deutlich, dass eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs weit über die Instandsetzung einzelner Streckenabschnitte hinausgehen würde.
Für einen regulären Bahnbetrieb müsste ein erheblicher Teil der technischen Infrastruktur neu aufgebaut oder grundlegend modernisiert werden.
Warum auch die Straßenbahnvariante nicht überzeugt
Mit einem Nutzen-Kosten-Index von 0,40 erreicht die Straßenbahnvariante zwar das beste Ergebnis der drei untersuchten Konzepte.
Für eine positive Wirtschaftlichkeitsbewertung reicht das jedoch nicht aus.
Ein höherer Index bedeutet zunächst nur, dass diese Variante im Verhältnis zwischen bewertetem Nutzen und Kosten günstiger abschneidet als die anderen beiden.
Er bedeutet nicht automatisch, dass die Straßenbahn die kostengünstigste Lösung wäre. Dafür müssten die Investitions- und Betriebskosten der einzelnen Varianten gesondert betrachtet werden.
Die vom Kreis veröffentlichten Ergebnisse lassen jedenfalls keine wirtschaftlich tragfähige Betriebsvariante erkennen.
Was die Ergebnisse für Wald-Michelbach und Mörlenbach bedeuten
Für die Gemeinden im Überwald ist die Frage nach der Bahnverbindung von besonderer Bedeutung.
Eine reaktivierte Strecke könnte grundsätzlich eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, den öffentlichen Verkehr in der Region zu ergänzen.
Die Studie zeigt nun allerdings, dass der dafür notwendige Aufwand hoch wäre und der bewertete Nutzen die Kosten nicht ausreichend rechtfertigt.
Damit stellt sich für die Kommunen die Frage, wie die Verkehrsanbindung des Überwaldes künftig weiterentwickelt werden soll.
Welche alternativen Maßnahmen dafür infrage kommen, geht aus der veröffentlichten Zusammenfassung der Machbarkeitsstudie nicht hervor.
Die Untersuchung liefert zunächst eine Bewertung der drei geprüften Bahnkonzepte und keine umfassende Entscheidung über sämtliche zukünftigen Verkehrsangebote in der Region.
Politische Beratungen stehen noch bevor
Die Ergebnisse werden nun in den politischen Gremien der beteiligten Kommunen und des Kreises Bergstraße beraten.
Landrat Christian Engelhardt bewertet die Untersuchung als Grundlage für Klarheit über die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Vorhabens.
Der Kreis kommt auf Basis der Studie zu dem Schluss, dass eine Reaktivierung für den Personenverkehr wirtschaftlich nicht sinnvoll sei.
Ob die politischen Gremien daraus weitere Beschlüsse ableiten und welche Folgen dies für die künftige Verkehrsplanung hat, bleibt abzuwarten.
Eine endgültige politische Entscheidung wird in der Mitteilung vom 8. Oktober noch nicht genannt.
Die Zukunft der Überwaldbahn bleibt eine politische Frage
Die neue Studie macht deutlich, wie groß die Hürden für eine Rückkehr des Personenverkehrs auf der Überwaldbahn sind.
Alle drei Varianten bleiben deutlich unter dem erforderlichen Nutzen-Kosten-Index. Gleichzeitig wären Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro notwendig.
Damit haben sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Reaktivierung nicht bestätigt.
Die weitere Entscheidung liegt nun bei den zuständigen politischen Gremien. Für die Menschen im Überwald bleibt vor allem die Frage, wie eine langfristig gute Verkehrsanbindung der Region gewährleistet werden kann.
