Unbezahlte Rechnungen, eine Kontopfändung oder die Sorge, die nächste Miete nicht mehr überweisen zu können: Finanzielle Schwierigkeiten können den Alltag schnell bestimmen. In Darmstadt suchen immer mehr Menschen Unterstützung bei der städtischen Schuldner- und Insolvenzberatung. Das zeigt der jetzt veröffentlichte Jahresbericht für 2025.
Quelle: Bild von UnsplashInsgesamt verzeichnete die Beratungsstelle im vergangenen Jahr 2.234 Beratungen. Das waren 169 mehr als 2024. Besonders häufig ging es darum, bestehende Schulden zu regulieren oder akute finanzielle Krisen zu bewältigen.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt sieht in der Entwicklung einen wachsenden Bedarf an frühzeitiger Unterstützung. Denn wenn Zahlungsprobleme über längere Zeit ungelöst bleiben, können sie weitreichende Folgen haben – bis hin zum Verlust der Wohnung oder des Arbeitsplatzes.
Zahl der Beratungen steigt um rund acht Prozent
Der Jahresbericht 2025 zeigt eine deutliche Zunahme der Nachfrage.
Während die städtische Schuldner- und Insolvenzberatung 2024 insgesamt 2.065 Beratungen verzeichnete, waren es im vergangenen Jahr 2.234. Das entspricht einem Anstieg um rund 8,2 Prozent.
Die Zahlen verdeutlichen, dass das Beratungsangebot stärker in Anspruch genommen wurde.
Allerdings ist dabei eine wichtige Unterscheidung erforderlich: Die Statistik zählt Beratungen beziehungsweise Beratungskontakte. Daraus lässt sich nicht unmittelbar ableiten, dass 2.234 unterschiedliche Menschen Unterstützung gesucht haben.
Auch lässt sich aus der gestiegenen Beratungszahl allein nicht bestimmen, wie viele Darmstädter insgesamt überschuldet sind.
Die Entwicklung zeigt zunächst, dass die städtische Beratungsstelle häufiger gefragt war als im Vorjahr.
Mehr als 1.300 Beratungen zur Schuldenregulierung
Den größten Teil der Beratungsarbeit machte die Unterstützung bei der Regulierung bestehender Schulden aus.
Insgesamt 1.338 Beratungen hatten dieses Ziel.
Dabei geht es zunächst darum, die finanzielle Situation vollständig zu erfassen. Welche Forderungen bestehen? Wie hoch sind die regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben? Welche Zahlungsverpflichtungen sind besonders dringend?
Anschließend kann gemeinsam mit den Betroffenen ein Vorgehen entwickelt werden.
Dazu gehören beispielsweise die Prüfung von Forderungen, die Kommunikation mit Gläubigern und die Suche nach realistischen Möglichkeiten zur Rückzahlung.
Nicht in jeder Situation ist eine vollständige Rückzahlung möglich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann deshalb auch ein Verbraucherinsolvenzverfahren infrage kommen.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von der individuellen finanziellen Situation ab.
555 Kurzberatungen bei akuten finanziellen Problemen
Neben der längerfristigen Schuldenregulierung spielte die unmittelbare Krisenhilfe eine wichtige Rolle.
In 555 Fällen führte die Beratungsstelle sogenannte Kurzberatungen durch.
Im Mittelpunkt standen dabei die finanzielle Existenzsicherung und Fragen zum Schutz vor Zwangsvollstreckungsmaßnahmen.
Solche Beratungen können besonders wichtig werden, wenn bereits eine Kontopfändung vorliegt oder eine andere Maßnahme unmittelbar bevorsteht.
Auch drohende Wohnungs- oder Energieverluste können Anlass sein, möglichst schnell professionelle Unterstützung zu suchen.
In akuten Situationen geht es häufig zunächst darum, die dringendsten Probleme zu ordnen und weitere Nachteile nach Möglichkeit abzuwenden.
Erst danach kann die längerfristige Regulierung der Schulden im Vordergrund stehen.
Telefonische und digitale Beratung ebenfalls gefragt
Nicht alle Beratungsgespräche fanden persönlich statt.
Weitere 341 Beratungen wurden telefonisch oder per E-Mail durchgeführt.
Damit nutzt die städtische Beratungsstelle unterschiedliche Wege, um Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten zu erreichen.
Gerade bei ersten Fragen kann eine telefonische Kontaktaufnahme hilfreich sein.
Wer beispielsweise unsicher ist, welche Unterlagen benötigt werden oder wie eine Beratung abläuft, kann sich zunächst an die zuständige Stelle wenden.
Ob eine vollständige Beratung telefonisch oder schriftlich möglich ist, hängt allerdings vom jeweiligen Anliegen ab.
Bei komplexen finanziellen Situationen können ausführlichere Gespräche und zusätzliche Unterlagen erforderlich sein.
245 Bescheinigungen für den Pfändungsschutz ausgestellt
Ein weiterer Bestandteil der Arbeit betrifft den Schutz des Existenzminimums bei Kontopfändungen.
Im Jahr 2025 stellte die Darmstädter Schuldner- und Insolvenzberatung 245 Bescheinigungen über erhöhte Pfändungsfreibeträge aus.
Hintergrund ist das sogenannte Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto.
Wird ein Konto gepfändet, kann ein P-Konto dazu beitragen, dass ein gesetzlich geschützter Betrag weiterhin für den Lebensunterhalt verfügbar bleibt.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann sich dieser geschützte Betrag erhöhen, beispielsweise wenn gesetzliche Unterhaltspflichten bestehen.
Für eine solche Erhöhung kann eine entsprechende Bescheinigung erforderlich sein.
Die Beratungsstelle unterstützt Betroffene dabei, ihre Möglichkeiten zu prüfen und die benötigten Nachweise zu erhalten.
Eine P-Konto-Bescheinigung beseitigt allerdings nicht die zugrunde liegenden Schulden. Sie dient dem Schutz bestimmter Geldbeträge vor einer Kontopfändung.
Warum finanzielle Schwierigkeiten früh angesprochen werden sollten
Wer Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, versucht häufig zunächst, die Situation selbst zu bewältigen.
Manche Betroffene verschieben Zahlungen, nutzen den Dispokredit oder nehmen zusätzliche Kredite auf, um bestehende Verpflichtungen zu erfüllen.
Dadurch können sich finanzielle Probleme weiter verschärfen.
Die städtische Schuldnerberatung empfiehlt deshalb, Unterstützung nicht erst dann zu suchen, wenn bereits mehrere Vollstreckungsmaßnahmen eingeleitet wurden.
Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Barbara Akdeniz betont in der aktuellen Mitteilung, dass Überschuldung die gesellschaftliche Teilhabe gefährden und persönliche Krisen verschärfen könne.
Eine frühzeitige Beratung soll helfen, solche Entwicklungen möglichst zu verhindern.
Dabei geht es nicht ausschließlich um Zahlen und Zahlungspläne. Finanzielle Schwierigkeiten können auch familiäre Beziehungen, die Gesundheit und das Arbeitsleben belasten.
Deshalb berücksichtigt die soziale Schuldnerberatung neben wirtschaftlichen Fragen auch die persönliche Lebenssituation.
Was macht die städtische Schuldnerberatung konkret?
Die Schuldner- und Insolvenzberatung der Wissenschaftsstadt Darmstadt besteht seit 1985.
Sie ist eine anerkannte Beratungsstelle im Sinne der Insolvenzordnung und unterstützt Darmstädter Bürgerinnen und Bürger bei bestehenden oder drohenden Schuldenproblemen.
Am Anfang steht häufig eine Bestandsaufnahme.
Gemeinsam wird geprüft, welche Forderungen offen sind, welche Einnahmen zur Verfügung stehen und welche Ausgaben regelmäßig anfallen.
Anschließend können Maßnahmen zur finanziellen Stabilisierung besprochen werden.
Die Beratungsstelle unterstützt auch bei Verhandlungen mit Gläubigern und bei der Vorbereitung eines möglichen Verbraucherinsolvenzverfahrens.
Zudem gehört die Beratung zum Schutz vor Kontopfändungen zu ihren Aufgaben.
Das Ziel besteht darin, gemeinsam mit den Betroffenen einen gangbaren Weg aus der finanziellen Krise zu entwickeln.
Beratung ist kostenlos und vertraulich
Für Menschen, die ohnehin unter finanziellen Schwierigkeiten leiden, ist ein Punkt besonders wichtig: Die städtische Schuldner- und Insolvenzberatung ist kostenlos.
Die Gespräche werden vertraulich behandelt. Die Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht.
Das Angebot richtet sich an Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Darmstadt.
Menschen aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg müssen sich dagegen an die für ihren Landkreis zuständige Schuldnerberatung wenden.
Auch in anderen südhessischen Landkreisen gibt es entsprechende Beratungsangebote.
Wer außerhalb Darmstadts wohnt, sollte deshalb zunächst die zuständige Stelle am eigenen Wohnort ermitteln.
Wo Betroffene in Darmstadt Hilfe bekommen
Die Schuldner- und Insolvenzberatung gehört zum Amt für Soziales und Prävention der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Sie befindet sich in der Frankfurter Straße 71, 64293 Darmstadt.
Telefonisch ist die Beratungsstelle unter 06151 13-3496 erreichbar.
Anfragen können außerdem per E-Mail an schuldnerberatung@darmstadt.de gerichtet werden.
Persönliche Beratungen finden nach Vereinbarung statt.
Die neue Leiterin Larissa Gregarek ermutigt Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten, sich an die Einrichtung zu wenden. Gemeinsam mit den Ratsuchenden wolle das Team die jeweilige Situation betrachten und schrittweise Lösungswege entwickeln.
Vorsicht vor kostenpflichtigen Angeboten im Internet
Wer online nach Hilfe bei Schulden sucht, stößt auf zahlreiche kommerzielle Angebote.
Nicht alle davon sind seriös.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt warnt deshalb ausdrücklich vor Internetangeboten, die schnelle Lösungen bei Schuldenproblemen versprechen.
Betroffene sollten darauf achten, ob eine Beratungsstelle anerkannt ist, welche Leistungen angeboten werden und ob Kosten entstehen.
Bei der städtischen Schuldnerberatung fallen für die Beratung keine Gebühren an.
Eine weitere Anlaufstelle für allgemeine Informationen ist das unabhängige Informationsangebot www.meine-schulden.de.
Steigende Nachfrage macht frühzeitige Hilfe wichtiger
Die Zahlen für 2025 zeigen, dass die Darmstädter Schuldner- und Insolvenzberatung stärker nachgefragt wird.
Mit 2.234 Beratungen wurde das Vorjahresniveau deutlich überschritten.
Besonders häufig benötigten Menschen Unterstützung bei der Regulierung bestehender Schulden oder bei akuten finanziellen Problemen.
Wie sich die Nachfrage im laufenden Jahr 2026 entwickelt, lässt sich aus dem veröffentlichten Jahresbericht noch nicht ableiten.
Fest steht jedoch, dass die Stadt weiterhin ein kostenloses und vertrauliches Beratungsangebot bereitstellt.
Wer Schwierigkeiten hat, Rechnungen zu bezahlen oder den Überblick über bestehende Forderungen verliert, muss deshalb nicht warten, bis sich die Situation weiter verschärft.
