Große Spinnen in Südhessen: Warum sie jetzt plötzlich häufiger im Haus auftauchen

Südhessen. Sie sitzt plötzlich in der Badewanne, läuft am Abend über die Wohnzimmerwand oder verschwindet unter einem Schrank: Im Spätsommer und Herbst fallen große Spinnen in Wohnungen und Häusern wieder besonders häufig auf. Dabei entsteht schnell der Eindruck, dass es plötzlich deutlich mehr Tiere gibt.

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Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Spinnen leben teilweise das ganze Jahr in und an Gebäuden. Im Spätsommer sind viele Arten jedoch ausgewachsen und damit wesentlich auffälliger. Hinzu kommt bei bestimmten Arten die Partnersuche. Männchen verlassen ihre gewohnten Verstecke und laufen auf der Suche nach Weibchen umher.

Spinnen in Südhessen: Warum sieht man sie gerade jetzt?

Spätsommer und Herbst sind eine besonders auffällige Zeit für Spinnen. Der NABU bezeichnet diese Jahreszeit ebenfalls als „Spinnenzeit“. Viele Tiere haben inzwischen ihre ausgewachsene Größe erreicht.

Das erklärt bereits einen Teil des Phänomens: Eine kleine Spinne in einer Mauerritze wird kaum wahrgenommen. Ein ausgewachsenes Tier, das abends über einen hellen Fußboden läuft, dagegen sofort.

Bei einigen typischen Hausbewohnern kommt ein weiterer Faktor hinzu. Männliche Spinnen werden während der Paarungszeit mobiler und verlassen ihre Netze beziehungsweise Verstecke, um nach Weibchen zu suchen.

Deshalb können Tiere scheinbar aus dem Nichts in Räumen auftauchen.

Kommen die Spinnen wirklich wegen der Kälte ins Haus?

Diese Erklärung hört man besonders häufig: Draußen wird es kälter, also flüchten Spinnen in die warme Wohnung.

Das trifft so pauschal nicht zu.

Einige der Spinnen, die im Herbst in Gebäuden auffallen, haben dort möglicherweise bereits vorher gelebt. Keller, Garagen, Mauerspalten und andere geschützte Bereiche bieten zahlreichen Arten geeignete Lebensräume.

Andere Tiere gelangen tatsächlich durch geöffnete Fenster, Türen oder kleine Öffnungen ins Gebäude.

Dass im Spätsommer plötzlich mehr Spinnen sichtbar werden, hängt aber nicht allein mit sinkenden Temperaturen zusammen. Körpergröße, Aktivität und Paarungszeit spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Welche großen Spinnen findet man im Haus?

Zu den bekanntesten großen Spinnen in Gebäuden gehören Hauswinkelspinnen.

Auffällig sind insbesondere ihre langen Beine. Dadurch können die Tiere deutlich größer wirken, als ihr eigentlicher Körper ist.

Hauswinkelspinnen bauen bevorzugt trichterartige Netze an geschützten Stellen. Keller, Garagen, Schuppen oder wenig gestörte Ecken bieten dafür geeignete Bedingungen.

Während ein Weibchen längere Zeit an einem passenden Standort bleiben kann, fallen umherlaufende Männchen wesentlich stärker auf.

Genau diese Tiere sorgen häufig für die typische Situation: Abends war der Boden noch leer – und plötzlich sitzt mitten im Raum eine erstaunlich große Spinne.

Und was ist mit der Nosferatu-Spinne?

Eine weitere Art sorgt seit einigen Jahren regelmäßig für Aufmerksamkeit: die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana).

Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum, hat ihr Verbreitungsgebiet aber nach Norden erweitert und kommt inzwischen auch in Deutschland vor. Der NABU beschreibt eine Beinspannweite von bis zu etwa sechs Zentimetern.

Ihren ungewöhnlichen Namen verdankt sie der Zeichnung auf ihrem Vorderkörper, die mit etwas Fantasie an die Filmfigur Nosferatu erinnern soll.

Die Art kann außerdem glatte Oberflächen besser erklimmen als viele typische Winkelspinnen. Dadurch kann sie beispielsweise auch an glatten Wänden auffallen.

Ist die Nosferatu-Spinne gefährlich?

Ihr Name und ihre Größe klingen dramatischer, als die tatsächliche Gefahr für Menschen ist.

Wie die meisten Spinnen besitzt auch die Nosferatu-Spinne Gift, mit dem sie ihre Beute überwältigt. Sie gehört außerdem zu den Arten, die menschliche Haut an geeigneten Stellen grundsätzlich durchdringen können.

Der NABU stuft sie für Menschen dennoch als harmlos ein. Als mögliche Folgen eines Bisses werden Rötung oder leichte Schwellung genannt.

Ein Biss ist zudem kein normales Verhalten gegenüber Menschen. Spinnen versuchen in der Regel eher zu fliehen.

Wer ein Tier entfernen möchte, sollte es trotzdem nicht mit bloßen Händen greifen.

Sind Hauswinkelspinnen gefährlich?

Auch vor den großen Hauswinkelspinnen muss man normalerweise keine Angst haben.

Ihre Größe entsteht vor allem durch die langen Beine. Für Menschen stellen sie im normalen Alltag keine relevante Gefahr dar.

Spinnen sind keine Tiere, die Menschen gezielt verfolgen oder angreifen.

Ihr Gift dient in erster Linie dazu, Beutetiere wie Insekten zu überwältigen.

Das führt zu einem interessanten Nebeneffekt: Wer eine Spinne im Haus entdeckt, hat dort gleichzeitig einen natürlichen Insektenjäger.

Warum sitzen Spinnen so oft in der Badewanne?

Ein Klassiker ist die große Spinne am Morgen in Waschbecken oder Badewanne.

Daraus ist die Vorstellung entstanden, Spinnen würden nachts durch den Abfluss in Wohnungen krabbeln.

In vielen Fällen ist die Erklärung wesentlich einfacher.

Eine umherlaufende Spinne gelangt über Wand, Handtücher oder andere Gegenstände in die Badewanne. An der glatten Oberfläche findet sie anschließend keinen ausreichenden Halt mehr und kommt nicht heraus.

Dadurch entdeckt man sie am nächsten Morgen dort.

Das Tier muss also keineswegs durch den Abfluss gekommen sein.

Warum laufen sie ausgerechnet abends über den Boden?

Viele Spinnenarten sind vor allem in der Dämmerung oder nachts aktiv.

Das ist für Menschen genau der Zeitraum, in dem wir uns ebenfalls zu Hause aufhalten. Licht ist eingeschaltet, helle Böden sorgen für Kontrast und eine größere Spinne fällt sofort auf.

Tagsüber kann dasselbe Tier dagegen hinter einem Möbelstück, in einer Ritze oder an einer anderen geschützten Stelle sitzen.

Dadurch entsteht schnell der Eindruck, die Spinne sei gerade erst ins Haus gekommen.

Tatsächlich kann sie sich schon längere Zeit dort aufgehalten haben.

Gibt es im Spätsommer wirklich mehr Spinnen?

Zumindest werden viele Arten jetzt wesentlich auffälliger.

Der NABU weist darauf hin, dass im Spätsommer viele Spinnen ausgewachsen sind. Auch ihre Netze werden in den zunehmend kühleren Morgenstunden durch Tau besonders sichtbar.

Draußen lässt sich das gut beobachten.

Zwischen Pflanzen, Hecken und Zäunen erscheinen am Morgen plötzlich zahlreiche Netze, die am trockenen Nachmittag nahezu unsichtbar waren.

Auch auffällige Arten wie die Wespenspinne sind im Spätsommer gut zu beobachten. Der NABU beschreibt, dass sich die ursprünglich stärker auf südliche Regionen konzentrierte Art in den vergangenen Jahrzehnten weit nach Norden ausgebreitet hat.

Was sollte man tun, wenn eine große Spinne im Haus sitzt?

Wer das Tier nicht in der Wohnung behalten möchte, muss es nicht töten.

Eine einfache Möglichkeit ist die Glas-Methode.

Dazu wird ein ausreichend großes Glas oder ein anderer transparenter Behälter vorsichtig über die Spinne gestellt. Anschließend schiebt man ein stabiles Stück Papier oder dünne Pappe zwischen Untergrund und Behälter.

Das Tier kann dann nach draußen gebracht werden.

Bei sehr großen oder schnellen Spinnen gibt es außerdem spezielle Spinnenfänger, mit denen Abstand zum Tier gehalten werden kann.

Wichtig ist vor allem, nicht hektisch nach der Spinne zu schlagen. Dadurch wird das Tier ebenfalls hektischer und verschwindet womöglich unter einem Möbelstück.

Sollte man Spinnen mit dem Staubsauger entfernen?

Der Staubsauger ist keine besonders tierfreundliche Lösung.

Durch Luftstrom, mechanische Belastung und den Aufenthalt im Staubbehälter kann die Spinne verletzt oder getötet werden.

Wer sich dem Tier nicht stark nähern möchte, ist mit einem ausreichend großen Behälter oder einem Spinnenfänger besser beraten.

Das hat noch einen weiteren Vorteil: Man weiß anschließend tatsächlich, wo sich die Spinne befindet.

Bei einem Tier, das hinter einem Schrank verschwunden ist, sieht das anders aus.

Wie verhindert man Spinnen im Haus?

Vollständig verhindern lässt sich das kaum.

Gebäude bieten unzählige kleine Öffnungen. Fenster, Türen, Rollladenkästen, Kellerfenster und Mauerritzen können mögliche Zugänge darstellen.

Wer regelmäßig viele Spinnen in Wohnräumen findet, kann deshalb zunächst offensichtliche Eintrittsstellen kontrollieren.

Fliegengitter an Fenstern halten neben Mücken und Fliegen auch einen Teil anderer Tiere draußen.

Ritzen und größere Spalten können ebenfalls geschlossen werden, sofern dies baulich sinnvoll ist.

Absolute Spinnenfreiheit lässt sich dadurch allerdings nicht garantieren.

Licht am offenen Fenster kann indirekt eine Rolle spielen

Spinnen werden nicht einfach deshalb von einer Lampe angezogen, weil sie ins Helle möchten.

Licht kann allerdings zahlreiche Insekten anlocken.

Und dort, wo sich potenzielle Beute sammelt, entstehen wiederum attraktive Jagdmöglichkeiten für Spinnen.

Ein hell beleuchtetes Fenster, das an einem Sommerabend lange geöffnet bleibt, kann deshalb indirekt dazu beitragen, dass sich dort mehr Insekten und damit möglicherweise auch deren Jäger aufhalten.

Fliegengitter können diesen Effekt reduzieren.

Spinnen erfüllen eine wichtige Aufgabe

So unangenehm manche Menschen die Tiere finden: Ökologisch sind Spinnen bedeutende Räuber.

Sie ernähren sich von zahlreichen kleinen Tieren und insbesondere Insekten.

Auch in Wohnungen können Fliegen, Mücken und andere kleine Gliederfüßer zu ihrer Beute gehören.

Eine einzelne Spinne in Keller oder Garage muss deshalb nicht zwingend entfernt werden.

Wer mit ihr leben kann, kann sie dort auch einfach lassen.

Nicht jede auffällige Spinne ist eine Nosferatu-Spinne

Weil die Nosferatu-Spinne in den vergangenen Jahren viel mediale Aufmerksamkeit bekommen hat, wird inzwischen nahezu jede größere Spinne schnell mit ihr verwechselt.

Dabei gibt es in Deutschland zahlreiche Spinnenarten, die eine beachtliche Größe erreichen können.

Allein anhand der Beinspannweite lässt sich eine Art deshalb nicht zuverlässig bestimmen.

Auch Fotos können täuschen: Perspektive, Zoom und fehlende Größenvergleiche lassen ein Tier schnell deutlich größer erscheinen.

Wer eine Spinne bestimmen möchte, sollte möglichst ein scharfes Foto von oben aufnehmen, ohne das Tier dafür anzufassen.

Spinnen im Garten sind jetzt besonders gut zu sehen

Nicht nur in Gebäuden beginnt eine interessante Beobachtungszeit.

Im Spätsommer sind zahlreiche Spinnen ausgewachsen. Tau macht ihre Netze am frühen Morgen besonders sichtbar.

Ein Spaziergang durch Garten, Wiese oder Waldrand kann deshalb zeigen, wie viele Netze sich dort tatsächlich befinden.

Besonders auffällig ist beispielsweise die gelb-schwarz gezeichnete Wespenspinne.

Wer derzeit häufiger im Garten unterwegs ist, sollte außerdem auf andere saisonale Tiere achten. Auch Wespen sind im Spätsommer besonders präsent. Was bei einem Nest direkt am Gebäude zu beachten ist, erklären wir in unserem Ratgeber zum Wespennest am Haus.

Warum der Spinnen-Effekt jedes Jahr wiederkommt

Das Phänomen wiederholt sich praktisch jedes Jahr.

Im Sommer wachsen viele Spinnen heran. Gegen Spätsommer sind sie groß genug, um uns deutlich aufzufallen. Gleichzeitig werden bestimmte Arten beziehungsweise insbesondere deren Männchen während der Fortpflanzungszeit mobiler.

Danach kommt ein psychologischer Effekt hinzu.

Wer die erste große Spinne im Haus entdeckt hat, achtet plötzlich wesentlich stärker auf weitere Tiere.

Die zweite Spinne fällt dann sofort auf, obwohl man kleinere Exemplare möglicherweise monatelang übersehen hat.

Große Spinnen im Haus sind meist kein Grund zur Sorge

Wer derzeit häufiger Spinnen in Südhessen entdeckt, erlebt also kein ungewöhnliches regionales Phänomen.

Spätsommer und Herbst sind schlicht die Zeit, in der viele Spinnen besonders auffällig werden. Sie sind ausgewachsen, teilweise stärker unterwegs und ihre Netze werden draußen durch Tau besser sichtbar.

Auch große Hauswinkelspinnen sind normalerweise kein Grund zur Sorge. Selbst die inzwischen in Deutschland verbreitete Nosferatu-Spinne gilt für Menschen nicht als gefährliche Art.

Wer die achtbeinigen Mitbewohner trotzdem nicht im Wohnzimmer haben möchte, kann sie mit Glas und Papier einfangen und nach draußen setzen.

Häufig gestellte Fragen

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