E-Auto laden ohne eigene Garage: Welche Möglichkeiten Mieter wirklich haben

Eine Wallbox an der eigenen Garage, das Elektroauto über Nacht anschließen und morgens mit vollem Akku losfahren: So sieht der einfachste Alltag mit einem E-Auto aus.

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Doch was passiert, wenn die Garage fehlt?

Gerade für Mieter, Bewohner von Mehrfamilienhäusern und Menschen, die ihr Auto am Straßenrand abstellen, wird aus der vermeintlich einfachen Frage nach dem nächsten Auto schnell eine Frage der Infrastruktur. Dass dieses Problem auch in Südhessen relevant ist, zeigt eine Bensheimer Haushaltsbefragung: 54 Prozent der erfassten Elektro- und Hybridfahrzeuge wurden zu Hause geladen. Weitere 25 Prozent am Arbeitsplatz und 20 Prozent an öffentlichen Ladepunkten.

Wer zu Hause keine Steckdose oder Wallbox erreichen kann, braucht also eine andere Strategie.

Dabei gibt es inzwischen mehr Möglichkeiten, als viele vermuten. Und selbst Mieter mit einem festen Stellplatz müssen den Traum von der eigenen Wallbox nicht grundsätzlich aufgeben.

Das eigentliche Problem beginnt nicht beim Auto

Reichweite und Ladegeschwindigkeit haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Für viele Interessenten liegt die entscheidende Hürde inzwischen woanders: Wo kommt regelmäßig Strom ins Auto?

Besonders deutlich wird das bei Menschen, die keinen eigenen Stellplatz besitzen.

Ulrich Erven, Leiter der Landesinitiative „Strom bewegt“ bei der Landesenergieagentur Hessen, nennt genau diese Gruppe als eine der zentralen Herausforderungen beim weiteren Ausbau der Elektromobilität.

Nach seinen Angaben kommt für rund 60 Prozent der Menschen ein Elektroauto derzeit nicht infrage, solange sie weder zu Hause noch beim Arbeitgeber laden können.

Betroffen sind insbesondere Mieter, Bewohner von Mehrfamilienhäusern und Menschen, deren Fahrzeug normalerweise am Straßenrand steht.

Die Stadt Bensheim greift das Thema deshalb am 24. September bei einem Informationsabend unter dem Titel „Laden ohne eigenes Haus? Elektromobilität für alle“ auf.

Doch welche Möglichkeiten gibt es bereits heute?

Möglichkeit 1: Mieter können eine Wallbox verlangen – unter bestimmten Voraussetzungen

Eine wichtige Unterscheidung wird häufig übersehen:

Zur Miete zu wohnen bedeutet nicht automatisch, dass eine eigene Wallbox ausgeschlossen ist.

Nach § 554 des Bürgerlichen Gesetzbuchs können Mieter grundsätzlich verlangen, dass ihnen der Vermieter bauliche Veränderungen erlaubt, die dem Laden eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs dienen.

Der Vermieter darf eine solche Veränderung also nicht ohne Weiteres grundsätzlich ausschließen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Mieter einfach selbst eine Wallbox montieren lassen darf.

Die bauliche Veränderung muss mit dem Vermieter abgestimmt werden. Außerdem kann es Situationen geben, in denen die Maßnahme für den Vermieter unter Berücksichtigung seiner Interessen nicht zumutbar ist.

Vor einer Installation sollte deshalb immer geklärt werden, wo die Wallbox angebracht wird, wie die Stromleitung verläuft, welcher Zähler verwendet wird, wer die Kosten übernimmt und was beispielsweise bei einem späteren Auszug passiert.

Wer einen festen Stellplatz am Mietshaus besitzt, hat damit grundsätzlich eine wesentlich bessere Ausgangslage als jemand, der jeden Abend irgendwo im öffentlichen Straßenraum parkt.

Möglichkeit 2: Auch Wohnungseigentümer haben einen Anspruch

Ähnlich sieht es bei einer Eigentumswohnung aus.

Nach dem Wohnungseigentumsgesetz kann jeder Wohnungseigentümer angemessene bauliche Veränderungen verlangen, die dem Laden elektrisch betriebener Fahrzeuge dienen.

Das ist gerade in größeren Wohnanlagen wichtig.

Denn dort geht es häufig nicht nur um eine einzelne Wallbox. Wenn später fünf, zehn oder zwanzig Bewohner elektrisch fahren möchten, müssen Stromanschluss, Leitungen, Lastmanagement und Abrechnung gemeinsam gedacht werden.

Eine einzelne Lösung kann deshalb kurzfristig funktionieren – eine vorbereitete Infrastruktur für mehrere Stellplätze kann langfristig sinnvoller sein.

Genau für Mehrparteienhäuser gibt es 2026 zudem ein neues Förderprogramm des Bundes.

Bis zu 2.000 Euro Förderung pro Stellplatz

Seit April 2026 unterstützt der Bund den Aufbau privater Ladeinfrastruktur an und in Mehrparteienhäusern.

Insgesamt stehen dafür 500 Millionen Euro bereit.

Gefördert werden unter anderem Wallboxen, technische Ausrüstung, Netzanschlüsse und notwendige Baumaßnahmen.

Je zu elektrifizierendem Stellplatz sind nach Angaben der Bundesregierung maximal

AusstattungMaximale Förderung
Vorbereitung ohne installierte Wallbox1.300 Euro
Stellplatz mit Wallbox1.500 Euro
Ladepunkt mit bidirektionalem Laden2.000 Euro

möglich.

Das Programm richtet sich unter anderem an Wohnungseigentümergemeinschaften, Vermieter, Wohnungsbaugesellschaften und Immobilienunternehmen.

Eine interessante Bedingung zeigt, wohin die Entwicklung gehen soll: Mindestens 20 Prozent der vorhandenen Stellplätze eines Mehrparteienhauses müssen vorverkabelt werden. Zudem müssen mindestens sechs Stellplätze elektrifiziert werden.

Es geht also bewusst nicht nur darum, irgendwo eine einzelne Wallbox anzuschrauben. Wohngebäude sollen auf eine Zukunft vorbereitet werden, in der mehrere Bewohner gleichzeitig Elektroautos nutzen.

Möglichkeit 3: Das Auto lädt, während man arbeitet

Wer zu Hause keine Lademöglichkeit hat, sollte den Blick auf einen Ort richten, an dem das Auto ohnehin viele Stunden steht: den Arbeitsplatz.

Auch das zeigen die Zahlen aus Bensheim.

Bei der Haushaltsbefragung wurden 25 Prozent der erfassten Elektro- und Hybrid-Pkw am Arbeitsort geladen.

Das ist durchaus logisch.

Ein Auto, das morgens auf dem Firmenparkplatz abgestellt und erst am Nachmittag wieder bewegt wird, benötigt nicht zwingend einen Schnelllader. Über mehrere Stunden kann bereits eine normale AC-Lademöglichkeit ausreichend sein.

Für Arbeitnehmer ohne eigenen Stellplatz zu Hause kann ein Ladepunkt beim Arbeitgeber deshalb den entscheidenden Unterschied machen.

Vor dem Kauf eines Elektroautos lohnt sich eine erstaunlich einfache Frage an den Arbeitgeber:

Kann ich mein Auto während der Arbeit laden?

Wenn die Antwort ja lautet, verliert die fehlende Wallbox zu Hause erheblich an Bedeutung.

Möglichkeit 4: Öffentlich laden – aber den Preis vorher prüfen

Bleiben öffentliche Ladesäulen.

Sie sind für Menschen ohne privaten Stellplatz besonders wichtig, haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Die Kosten können sich je nach Betreiber, Tarif und Ladegeschwindigkeit deutlich unterscheiden.

Die Verbraucherzentrale nennt für 2026 als ungefähren Durchschnitt rund 52 Cent pro Kilowattstunde an AC-Ladepunkten und etwa 60 Cent beim DC-Schnellladen. Abweichungen nach oben und unten sind möglich.

Hinzu kommen je nach Tarif Grundgebühren oder Blockiergebühren.

Gerade wer ausschließlich öffentlich lädt, sollte deshalb nicht einfach die nächstgelegene Säule verwenden.

Ein kleines Rechenbeispiel zeigt warum.

Verbraucht ein Elektroauto 18 Kilowattstunden auf 100 Kilometer, ergeben sich bei 52 Cent je Kilowattstunde rechnerisch Energiekosten von etwa:

9,36 Euro pro 100 Kilometer.

Bei 60 Cent sind es:

10,80 Euro pro 100 Kilometer.

Wer regelmäßig fährt, kann durch unterschiedliche Ladetarife über das Jahr deshalb einen spürbaren Betrag sparen.

Schnellladen ist nicht automatisch die beste Lösung

Gerade Menschen ohne eigene Wallbox könnten auf die Idee kommen, das Auto grundsätzlich am Schnelllader vollzuladen.

Für längere Reisen ist das sinnvoll.

Im Alltag muss es aber nicht die beste Lösung sein.

Normale AC-Ladesäulen laden langsamer, sind dafür häufig günstiger. Steht das Auto ohnehin mehrere Stunden beim Einkaufen, bei der Arbeit, beim Sport oder über Nacht auf einem geeigneten Parkplatz, spielt die maximale Ladegeschwindigkeit eine wesentlich kleinere Rolle.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Wo kann ich mein Auto möglichst schnell laden?“

Sondern:

„Wo steht mein Auto ohnehin regelmäßig längere Zeit?“

Genau dort ist Ladeinfrastruktur besonders sinnvoll.

Supermarkt, Fitnessstudio und Parkhaus werden zur Tankstelle

Damit verändert sich auch das Prinzip des Tankens.

Ein Verbrenner wird gezielt zur Tankstelle gefahren.

Ein Elektroauto kann dagegen geladen werden, während sein Besitzer etwas völlig anderes macht.

Beim Einkauf.

Während der Arbeit.

Im Fitnessstudio.

Im Parkhaus.

Oder während eines Restaurant- oder Kinobesuchs.

Ulrich Erven von der Landesenergieagentur Hessen beschreibt genau diesen Unterschied: Statt für das Tanken einen zusätzlichen Stopp einzulegen, könne ein Elektroauto zunehmend dort geladen werden, wo sich der Fahrer ohnehin aufhalte.

Für Menschen ohne eigene Garage wird deshalb nicht nur die Anzahl öffentlicher Ladesäulen entscheidend sein. Wichtig ist auch, wo diese Ladepunkte stehen.

Eine Säule an einem Ort, an dem das Auto regelmäßig zwei oder drei Stunden geparkt wird, kann im Alltag wertvoller sein als ein Schnelllader, zu dem extra gefahren werden muss.

Und wenn das Auto immer an der Straße steht?

Das bleibt die schwierigste Situation.

Wer weder einen privaten Stellplatz noch eine Lademöglichkeit beim Arbeitgeber besitzt und sein Fahrzeug ausschließlich im öffentlichen Straßenraum abstellt, ist stärker von der kommunalen Ladeinfrastruktur abhängig.

Für diese Gruppe entscheidet letztlich das Wohnumfeld darüber, wie komfortabel ein Elektroauto genutzt werden kann.

Gibt es eine öffentliche Ladesäule in Laufweite?

Kann während des Einkaufs geladen werden?

Gibt es Ladepunkte am Arbeitsplatz?

Liegt ein Parkhaus mit Ladeinfrastruktur auf dem täglichen Weg?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich sinnvoll beurteilen, ob ein Elektroauto zum eigenen Alltag passt.

Bensheim sieht sich vergleichsweise gut aufgestellt

Für Bensheim bewertet Erven die derzeitige Situation positiv. Rechnerisch gebe es ausreichend Ladepunkte; die Stadt sei im Vergleich mit anderen Kommunen gut aufgestellt.

Die Bensheimer Haushaltsbefragung liefert dazu einen interessanten Einblick.

Von den erfassten Ladevorgängen der Elektro- und Hybrid-Pkw entfielen:

54 Prozent auf den privaten Raum, 25 Prozent auf den Arbeitsplatz und 20 Prozent auf öffentliche Standorte innerhalb Bensheims.

99 Prozent der erfassten Ladevorgänge fanden insgesamt in Bensheim statt.

Das zeigt gleichzeitig die Herausforderung: Mehr als die Hälfte wurde zu Hause geladen.

Soll Elektromobilität auch für Menschen ohne Eigenheim oder privaten Stellplatz selbstverständlich werden, müssen Arbeitsplatz und öffentliche Ladeinfrastruktur einen größeren Teil dieser Aufgabe übernehmen können.

Bensheim informiert am 24. September

Genau darum geht es auch beim Informationsabend der Stadt.

Unter dem Titel „Laden ohne eigenes Haus? Elektromobilität für alle“ lädt Bensheim am Donnerstag, 24. September, ab 18 Uhr ins Kolpinghaus, Am Rinnentor 46, ein.

Die rund zweistündige Veranstaltung richtet sich an Bürger, Unternehmen und politische Vertreter. Neben Ulrich Erven sollen weitere Fachleute Fragen rund um Elektromobilität und Ladeinfrastruktur beantworten.

Dass Bensheim das Thema aufgreift, hat auch mit den eigenen Klimazielen zu tun. Im Masterplan Klimaschutz II der Stadt wird der Verkehrssektor mit rund 50 Prozent als größter Verursacher der Treibhausgasemissionen in Bensheim angegeben.

Vor dem E-Auto-Kauf sollte deshalb eine andere Frage zuerst kommen

Wer keine Garage besitzt, muss ein Elektroauto nicht grundsätzlich ausschließen.

Aber die Reihenfolge sollte eine andere sein.

Nicht zuerst das Auto auswählen und anschließend überlegen, wo es geladen werden kann.

Sondern zuerst prüfen:

Wo steht mein Auto nachts? Wo steht es tagsüber? Welche Ladepunkte liegen auf meinen regelmäßigen Wegen? Kann ich beim Arbeitgeber laden? Gibt es einen festen Stellplatz am Wohnhaus, an dem eine Wallbox möglich wäre?

Erst danach lässt sich realistisch beurteilen, wie gut ein Elektroauto zum eigenen Alltag passt.

Die eigene Garage bleibt wahrscheinlich die komfortabelste Lösung.

Eine zwingende Voraussetzung für Elektromobilität ist sie aber längst nicht mehr.

Häufige Fragen zum Laden eines E-Autos ohne eigene Garage

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