Ärztenachwuchs im Kreis Bergstraße: Erster Weiterbildungstag bringt Mediziner zusammen

Wie finden junge Ärztinnen und Ärzte nach ihrem Studium den richtigen beruflichen Einstieg? Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es im Kreis Bergstraße? Und wie können Arztpraxen frühzeitig mit dem medizinischen Nachwuchs in Kontakt kommen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein neuer Weiterbildungstag, den das Gesundheitsamt des Kreises Bergstraße erstmals veranstaltet hat.

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Knapp 30 Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der medizinischen Versorgung kamen dabei zusammen. Unter den Teilnehmern waren Medizinstudierende, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, erfahrene Fachärzte sowie Vertreter verschiedener Beratungs- und Förderstellen.

Das Ziel war nicht, möglichst viele Vorträge anzubieten, sondern persönliche Kontakte zu ermöglichen. Denn gerade beim Einstieg in den Arztberuf können Gespräche mit erfahrenen Medizinern und Informationen über regionale Weiterbildungsmöglichkeiten entscheidend sein.

Medizinisches Speed-Dating im Gesundheitsamt

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein ungewöhnliches Format: ein Speed-Dating für die medizinische Weiterbildung.

Anders als bei klassischen Vortragsveranstaltungen wechselten die Teilnehmer zwischen kurzen Gesprächsrunden. Verschiedene Beratungsstellen stellten ihre Angebote vor und beantworteten individuelle Fragen.

Mit dabei waren das BeratungsCenter Südhessen und die Nachwuchsförderung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, das Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen sowie der Fachbereich Gesundheitsversorgung des Kreises Bergstraße.

Dabei ging es unter anderem um berufliche Perspektiven, Weiterbildungsmöglichkeiten und bestehende Förderangebote.

Nach den kurzen Gesprächsrunden blieb Zeit, einzelne Themen ausführlicher zu besprechen und Kontakte zu vertiefen.

Die Veranstaltung sollte damit eine Verbindung zwischen Menschen schaffen, die sich an unterschiedlichen Punkten ihrer medizinischen Laufbahn befinden.

Warum der Kreis Bergstraße um junge Ärzte wirbt

Die Nachwuchsförderung ist für den Kreis Bergstraße ein wichtiges Thema.

Vor allem in der hausärztlichen Versorgung stellt sich zunehmend die Frage, wer bestehende Praxen übernimmt, wenn ihre Inhaber in den Ruhestand gehen.

Der Kreis weist auf seiner Internetseite ausdrücklich darauf hin, dass für zahlreiche Arztpraxen Nachfolger gesucht werden.

Dabei sind die Voraussetzungen innerhalb des Landkreises unterschiedlich. Zwischen den größeren Städten an der Bergstraße und kleineren Gemeinden im Ried oder Odenwald bestehen Unterschiede hinsichtlich Erreichbarkeit, Bevölkerungsstruktur und vorhandener medizinischer Angebote.

Eine pauschale Aussage, wonach überall im Kreis bereits ein gleich großer Ärztemangel herrscht, wäre deshalb nicht angemessen.

Die Herausforderung besteht vielmehr darin, medizinischen Nachwuchs für die Region zu gewinnen und langfristig an bestehende Praxen und Versorgungseinrichtungen zu binden.

Persönliche Kontakte können den Berufseinstieg erleichtern

Die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Angelika Beckenbach betonte bei der Vorstellung des neuen Formats, dass persönliche Begegnungen gerade am Beginn einer ärztlichen Laufbahn wichtig seien.

Studierende und junge Ärzte sollen nicht nur erfahren, welche Weiterbildungsstellen grundsätzlich existieren. Sie sollen auch Menschen kennenlernen, die bereits in der Region arbeiten.

Dadurch können Fragen geklärt werden, die sich aus einer Stellenanzeige allein kaum beantworten lassen.

Wie ist die Weiterbildung organisiert? Welche Fachrichtungen werden angeboten? Welche Möglichkeiten bestehen in einer Gemeinschaftspraxis? Und an wen kann man sich wenden, wenn man später selbst eine Praxis übernehmen möchte?

Solche Fragen lassen sich in direkten Gesprächen häufig konkreter besprechen als in allgemeinen Informationsveranstaltungen.

Der Weiterbildungstag sollte dafür einen möglichst unkomplizierten Rahmen schaffen.

Weiterbildungsverbund Bergstraße verbindet Kliniken und Praxen

Der neue Weiterbildungstag ist nicht die einzige Initiative, mit der der Kreis den medizinischen Nachwuchs unterstützt.

Bereits seit 2017 besteht der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Bergstraße.

Darin arbeiten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit Kliniken und weiteren Partnern zusammen, um angehenden Allgemeinmedizinern eine strukturierte Weiterbildung zu ermöglichen.

Der Verbund soll den Wechsel zwischen unterschiedlichen Weiterbildungsabschnitten erleichtern. Denn wer Facharzt für Allgemeinmedizin werden möchte, muss nach dem Medizinstudium mehrere Jahre praktische Weiterbildung absolvieren.

Dazu gehören Tätigkeiten in stationären Einrichtungen und in ambulanten Praxen.

Wenn die verschiedenen Weiterbildungsabschnitte regional gut aufeinander abgestimmt sind, kann dies die Planung für junge Ärzte vereinfachen.

Zugleich lernen sie während dieser Zeit unterschiedliche medizinische Einrichtungen im Kreis Bergstraße kennen.

Nach Angaben des Kreises gehörten dem Verbund im Frühjahr 2026 bereits mehr als 38 Mitglieder an.

Kooperationen mit Universitäten sollen Nachwuchs früh erreichen

Der Kreis setzt außerdem darauf, Medizinstudierende möglichst früh mit der ärztlichen Arbeit vor Ort vertraut zu machen.

Dafür bestehen Kooperationen mit den medizinischen Fakultäten in Heidelberg und Mannheim.

Studierende können ihr allgemeinmedizinisches Blockpraktikum in Lehrpraxen im Kreis Bergstraße absolvieren.

Der Landkreis unterstützt diese Aufenthalte, indem er unter bestimmten Voraussetzungen Fahrt- und Übernachtungskosten übernimmt.

Für die teilnehmenden Praxen ergibt sich daraus ebenfalls eine Möglichkeit: Sie können angehende Mediziner kennenlernen und ihnen einen realistischen Einblick in die hausärztliche Arbeit vermitteln.

Gerade für kleinere Gemeinden kann das wichtig sein. Wer während des Studiums bereits positive Erfahrungen in einer Region sammelt, zieht möglicherweise später auch eine berufliche Tätigkeit dort in Betracht.

Ob solche Praktika tatsächlich zu einer späteren Niederlassung führen, lässt sich jedoch nicht pauschal vorhersagen.

Förderung für neue Hausarztpraxen in mehreren Kommunen

Neben Weiterbildung und Vernetzung spielen finanzielle Rahmenbedingungen eine Rolle.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen bietet unter bestimmten Voraussetzungen eine Förderung für die Niederlassung von Hausärztinnen und Hausärzten an.

Auf seiner Informationsseite nennt der Kreis Bergstraße eine mögliche Unterstützung von bis zu 66.000 Euro über fünf Jahre.

Als förderfähige Kommunen werden dort mit Stand September 2025 Biblis, Bürstadt, Einhausen, Groß-Rohrheim, Lampertheim, Lorsch und Viernheim aufgeführt.

Die Förderung ist an konkrete Voraussetzungen gebunden. Außerdem können sich Fördergebiete und Bedingungen verändern.

Interessierte Ärztinnen und Ärzte sollten deshalb die aktuell geltenden Regelungen unmittelbar bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen prüfen.

Eine automatische Auszahlung allein aufgrund einer Niederlassung in einer dieser Kommunen ist damit nicht verbunden.

Was bringt der Weiterbildungstag für die Patienten?

Für Patienten im Kreis Bergstraße ergeben sich durch eine solche Veranstaltung zunächst keine unmittelbaren Veränderungen.

Der Weiterbildungstag schafft weder automatisch neue Arzttermine noch zusätzliche Praxissitze.

Er ist vielmehr ein Baustein einer längerfristigen Strategie.

Wenn junge Ärzte regionale Weiterbildungsmöglichkeiten kennenlernen und Kontakte zu bestehenden Praxen aufbauen, kann dies die spätere Entscheidung für eine Tätigkeit im Landkreis erleichtern.

Besonders relevant ist das für die Nachfolge bestehender Hausarztpraxen.

Eine erfolgreiche Praxisübernahme kann dazu beitragen, medizinische Angebote an einem Standort zu erhalten.

Ob aus dem ersten Weiterbildungstag konkrete neue Weiterbildungsstellen, Kooperationen oder Niederlassungen entstehen, geht aus der Pressemitteilung des Kreises vom 14. Oktober nicht hervor.

Medizinische Nachwuchsförderung bleibt eine langfristige Aufgabe

Der erste Weiterbildungstag im Kreis Bergstraße zeigt, dass die Verantwortlichen bei der Sicherung der medizinischen Versorgung nicht ausschließlich auf finanzielle Anreize setzen.

Auch persönliche Begegnungen, eine gut organisierte Weiterbildung und frühzeitige Kontakte zwischen Studierenden und regionalen Praxen gehören zur Strategie.

Die knapp 30 Teilnehmer konnten sich über vorhandene Angebote informieren und neue Kontakte knüpfen.

Ob das Veranstaltungsformat künftig wiederholt wird, hat der Kreis in seiner aktuellen Mitteilung nicht angekündigt.

Die Nachwuchsförderung selbst bleibt jedoch eine langfristige Aufgabe. Denn eine verlässliche medizinische Versorgung hängt auch davon ab, ob junge Ärztinnen und Ärzte in der Region eine berufliche Zukunft sehen.

Häufige Fragen zur medizinischen Weiterbildung im Kreis Bergstraße

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