Radschnellweg durch Viernheim: Aus 2,50 Metern sollen fünf werden

Wer heute mit dem Fahrrad zwischen Mannheim, Viernheim und Weinheim unterwegs ist, fährt eine Strecke, die zwar drei eng miteinander verbundene Städte verbindet, sich für Radfahrer aber noch längst nicht überall wie eine durchgehende Verkehrsachse anfühlt.

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Genau das soll sich mit dem Radschnellweg RS 15 ändern.

Nach Jahren der Planung rückt das Projekt nun näher an die Umsetzung. Der Kreis Bergstraße, die Stadt Viernheim und Hessen Mobil haben eine Verwaltungsvereinbarung für den Viernheimer Abschnitt unterzeichnet. Sie regelt die weiteren Planungsschritte und den späteren Bau. Der Förderantrag für den ersten Bauabschnitt soll noch im Herbst 2026 gestellt werden, der erste Spatenstich ist nach aktuellem Stand im Laufe des Jahres 2027 vorgesehen.

Für Viernheim ist das mehr als ein neuer Fahrradweg. An einigen Stellen soll die Infrastruktur deutlich größer ausfallen als heute.

Fünf Meter statt 2,50 Meter

Wie groß der Unterschied werden kann, zeigt die Alte Mannheimer Straße.

Dort existiert bereits ein Zweirichtungsradweg mit einer Breite von 2,50 Metern. Für den RS 15 soll er auf fünf Meter verbreitert werden.

Die nutzbare Breite würde sich damit verdoppeln.

Zusätzlich ist eine Beleuchtung vorgesehen. Nach Angaben der Stadt sollen beim RS 15 hohe Standards bei Sicherheit, Komfort und Qualität erreicht werden.

Das verdeutlicht auch, was der Begriff Radschnellweg eigentlich bedeutet. Es geht nicht lediglich darum, vorhandene Radwege miteinander zu verbinden und ein neues Schild aufzustellen. Die Strecke soll so ausgebaut werden, dass Radfahrer längere Alltagswege möglichst zügig und mit wenigen Hindernissen zurücklegen können.

18 Kilometer zwischen Mannheim und Weinheim

Insgesamt soll der RS 15 rund 18 Kilometer lang werden.

Die Verbindung führt von Mannheim über Viernheim nach Weinheim. Allein 5,8 Kilometer liegen auf Viernheimer Gemarkung.

Damit liegt ungefähr ein Drittel der gesamten Verbindung in Viernheim.

Das ist für die Stadt besonders interessant, weil sie zwischen zwei größeren Nachbarstädten liegt. Für Pendler endet der tägliche Weg schließlich nicht an einer Landes- oder Stadtgrenze.

Genau darin liegt eine Besonderheit des Projekts: Der RS 15 verbindet Baden-Württemberg und Hessen und muss deshalb über unterschiedliche kommunale und administrative Zuständigkeiten hinweg geplant werden.

Warum wird dafür überhaupt ein Radschnellweg gebaut?

Eine Antwort darauf liefert eine Zahl aus der frühen Planung.

Bereits eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2019 prognostizierte für die Verbindung ein Verlagerungspotenzial von 2.000 bis 2.800 Radfahrenden pro Tag.

Natürlich ist das keine Garantie dafür, dass später tatsächlich täglich genau so viele Menschen die Strecke benutzen werden.

Die Prognose zeigt aber, für welche Größenordnung geplant wird.

Der RS 15 ist damit nicht als Freizeitroute für gelegentliche Sonntagsausflüge gedacht. Er soll Teil der alltäglichen Verkehrsinfrastruktur werden – etwa für den Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Bahnhof oder zum Einkaufen.

Gerade mit E-Bikes sind dabei Entfernungen interessant geworden, für die viele Menschen früher automatisch das Auto genutzt hätten.

Warum dauert das Projekt schon so lange?

Wer sich an frühere Meldungen zum RS 15 erinnert, könnte sich fragen, warum 2026 noch immer über Planung gesprochen wird.

Tatsächlich läuft das Projekt bereits seit mehreren Jahren.

Nach der Machbarkeitsstudie von 2019 folgte 2020 eine erste Kooperationsvereinbarung. Im Jahr 2024 fanden zwei Bürgerbeteiligungen statt. Anschließend wurden Vor-, Entwurfs- und Ausführungsplanung vorangetrieben.

Mit der jetzt geschlossenen Vereinbarung werden die Zuständigkeiten für die nächsten Schritte konkreter verteilt.

Die Stadt Viernheim übernimmt unter anderem Ausschreibung, Vergabe, Bauüberwachung und Fördermittelmanagement. Hessen Mobil übernimmt bei Arbeiten an der K4 die fachliche Oberaufsicht und begleitet die Bauausführung. Der Kreis Bergstraße trägt die Kosten für den Ausbau des Radwegs im ersten Abschnitt; bei gemeinsamen Maßnahmen werden die Kosten nach den jeweiligen gesetzlichen Regelungen verteilt.

Damit beginnt zwar noch nicht unmittelbar der Bau. Das Projekt bewegt sich aber weiter von der grundsätzlichen Planung in Richtung Umsetzung.

Wo soll zuerst gebaut werden?

Der erste Bauabschnitt liegt auf der Mannheimer Seite des Viernheimer Streckenanteils.

Er reicht von der Gemarkungsgrenze Mannheim/Viernheim bis zum Brückenbauwerk der A6.

Für diesen Abschnitt soll im Herbst 2026 der Förderantrag gestellt werden.

Nach derzeitigem Zeitplan könnte der erste Spatenstich 2027 erfolgen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass 2027 bereits der komplette Radschnellweg zwischen Mannheim und Weinheim fertig sein wird.

Sechs Bauabschnitte – und jeder kann etwa ein Jahr dauern

Gerade hier lohnt ein genauer Blick auf die aktuelle Mitteilung.

Die Umsetzung ist in sechs Bauabschnitte aufgeteilt.

Für jeden dieser Abschnitte wird derzeit mit einer Bauzeit von ungefähr einem Jahr gerechnet.

Das bedeutet nicht zwangsläufig sechs Jahre Bauzeit am Stück. Bauphasen können sich je nach Planung und Projektablauf anders verteilen oder teilweise überschneiden.

Es zeigt aber: Der erste Spatenstich ist eher der Anfang eines größeren Infrastrukturprojekts als dessen baldiger Abschluss.

Für Radfahrer dürfte deshalb die Frage interessant werden, wann welche Teilstücke tatsächlich nutzbar sind.

Ein Radweg so breit wie eine kleine Straße

Besonders auffällig bleibt die geplante Dimension an der Alten Mannheimer Straße.

Fünf Meter Breite sind für einen Radweg ungewöhnlich großzügig und verändern die Wahrnehmung solcher Infrastruktur.

Zwei Radfahrer können nebeneinander fahren, während Gegenverkehr weiterhin Platz benötigt. Hinzu kommen unterschiedliche Geschwindigkeiten: klassische Fahrräder, schnelle Pedelec-Fahrer, Lastenräder oder Eltern mit Fahrradanhängern teilen sich dieselbe Verbindung.

Je stärker solche Wege im Alltag genutzt werden, desto wichtiger werden Überholmöglichkeiten und ausreichend Abstand.

Damit nähert sich die Planung einem Gedanken an, der beim Autoverkehr selbstverständlich ist: Eine wichtige Verkehrsverbindung braucht genügend Kapazität.

Kann der RS 15 tatsächlich Autofahrten ersetzen?

Das ist letztlich die entscheidende Frage.

Zwischen Viernheim und Mannheim beziehungsweise Weinheim sind die Entfernungen kurz genug, dass das Fahrrad für einen Teil der Pendler grundsätzlich eine Alternative sein kann.

Ein Radschnellweg beseitigt allerdings nicht automatisch alle Gründe, die für das Auto sprechen. Wetter, Arbeitszeiten, körperliche Voraussetzungen, Transportbedarf und das konkrete Ziel einer Fahrt spielen weiterhin eine Rolle.

Die Infrastruktur beeinflusst aber, wie attraktiv die Wahl überhaupt ist.

Ein schmaler, unterbrochener oder schlecht beleuchteter Radweg stellt eine andere Ausgangslage dar als eine breite, möglichst direkte und beleuchtete Verbindung.

Ob die vor Jahren prognostizierten 2.000 bis 2.800 Radfahrenden pro Tag erreicht werden, lässt sich deshalb erst nach der Fertigstellung beurteilen.

2027 könnte der RS 15 erstmals sichtbar werden

Viele Jahre bestand das Projekt vor allem aus Machbarkeitsstudien, Vereinbarungen, Varianten und Planungsunterlagen.

Mit dem Förderantrag für den ersten Bauabschnitt und dem vorgesehenen Baustart 2027 könnte sich das ändern.

Dann dürfte erstmals vor Ort deutlich sichtbar werden, was mit einer „Radschnellverbindung“ zwischen Mannheim, Viernheim und Weinheim gemeint ist.

Besonders an der Alten Mannheimer Straße lässt sich das bereits heute gut veranschaulichen:

Wo der Zweirichtungsradweg heute 2,50 Meter breit ist, sollen Radfahrer künftig fünf Meter Platz bekommen.

Für Viernheim wäre das nicht einfach ein breiterer Radweg. Es wäre eine neue Verkehrsachse, die ausdrücklich dafür gebaut wird, das Fahrrad auch auf täglichen Wegen zwischen drei Städten konkurrenzfähiger zu machen.

Häufige Fragen zum Radschnellweg RS 15

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