Kreis Bergstraße. Wer durch die Weinberge und Hanglagen an der Bergstraße wandert, begegnet ihnen immer wieder. Zwischen Reben, Wegen und Grundstücken ziehen sich Mauern aus Naturstein durch die Landschaft. Auf den ersten Blick wirken sie wie gewöhnliche alte Grundstücksbegrenzungen. Tatsächlich erzählen Trockenmauern viel über die Geschichte der Region.
Quelle: Bild von UnsplashSie wurden ohne klassischen Mörtel errichtet und erfüllten über Generationen eine wichtige Aufgabe bei der Bewirtschaftung steiler Flächen.
Heute besitzen viele dieser Mauern noch eine zweite Bedeutung. Ihre Spalten, Hohlräume und warmen Steinflächen sind wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Wie wichtig ihr Erhalt ist, zeigen zwei aktuelle Projekte in Lautertal und Bensheim. Rund 62.000 Euro fließen dort in die Sanierung historischer Trockenmauern.
Was ist eigentlich eine Trockenmauer?
Der entscheidende Unterschied zu einer gewöhnlichen Mauer steckt bereits im Namen.
Eine Trockenmauer wird aus Natursteinen aufgeschichtet, ohne die Zwischenräume vollständig mit Mörtel oder Beton zu verbinden.
Die Stabilität entsteht durch die sorgfältige Auswahl, Anordnung und Verzahnung der Steine.
Dabei müssen größere und kleinere Steine so miteinander kombiniert werden, dass sich die Konstruktion selbst trägt.
Das klingt zunächst einfach, erfordert in der Praxis aber viel Erfahrung.
Wie kann eine Mauer ohne Mörtel halten?
Trockenmauern funktionieren durch ihr eigenes Gewicht und die richtige Anordnung der Steine.
Die einzelnen Steine werden so gesetzt, dass sie möglichst stabil aufeinanderliegen und Kräfte in das Mauerwerk beziehungsweise den Untergrund ableiten.
Kleine Steine können dabei helfen, Zwischenräume auszugleichen und größere Steine zu stabilisieren.
Besonders bei Stützmauern ist außerdem entscheidend, dass die Konstruktion dem Druck des dahinterliegenden Erdreichs standhält.
Eine fachgerecht errichtete Trockenmauer kann deshalb über viele Jahrzehnte bestehen.
Warum wurden Trockenmauern an der Bergstraße gebaut?
Der wichtigste Grund liegt in der Landschaft.
Die Bergstraße verläuft entlang des westlichen Odenwaldrandes. Viele Flächen steigen östlich der Ebene deutlich an.
Für Landwirtschaft und Weinbau waren solche Hänge schwieriger zu bewirtschaften als flaches Gelände.
Trockenmauern halfen dabei, Hänge zu strukturieren und nutzbare Flächen zu schaffen oder zu stabilisieren.
Besonders im Weinbau waren solche Strukturen wertvoll.
Mauern machten steile Flächen besser nutzbar
An einem steilen Hang können Boden und Wasser leichter talwärts wandern.
Durch Mauern lässt sich ein Hang in kleinere Bereiche gliedern.
Dadurch entstehen Flächen, die sich besser bewirtschaften lassen.
Gleichzeitig können Stützmauern Erdreich sichern.
Über Generationen entstand dadurch eine Kulturlandschaft, deren heutiges Erscheinungsbild stark vom Menschen geprägt wurde.
Was heute idyllisch und natürlich wirkt, ist deshalb teilweise das Ergebnis jahrhundertelanger Arbeit.
Trockenmauern gehören zur Geschichte des Weinbaus
Besonders eng ist die Verbindung zum Weinbau.
Reben benötigen sonnige Lagen. Genau diese finden sich an vielen Hängen der Bergstraße.
Die Bewirtschaftung solcher Flächen war früher allerdings mit erheblicher Handarbeit verbunden.
Trockenmauern und Terrassen halfen dabei, Hanglagen besser nutzbar zu machen.
Noch heute lassen sich an verschiedenen Stellen Strukturen erkennen, die an frühere Formen des Weinbaus erinnern.
Wer verstehen möchte, warum die Bergstraße als Weinregion so besonders aussieht, muss deshalb auch ihre Mauern betrachten.
Warum sind Trockenmauern häufig warm?
Naturstein kann sich bei Sonneneinstrahlung stark erwärmen.
Besonders an sonnenexponierten Hängen nehmen die Steine tagsüber Wärme auf.
Diese wird anschließend langsam wieder abgegeben.
Dadurch entsteht unmittelbar an der Mauer ein besonderes Mikroklima.
Für wärmeliebende Tiere kann das attraktiv sein.
Gleichzeitig bleiben tiefere Spalten deutlich geschützter und teilweise kühler.
Auf wenigen Zentimetern entstehen dadurch sehr unterschiedliche Bedingungen.
Die Spalten sind kein Baumangel
Bei einer modernen Betonmauer würde man größere offene Fugen möglicherweise als Problem betrachten.
Bei einer Trockenmauer gehören sie zum Prinzip.
Zwischen den Steinen entstehen zahlreiche Nischen und Hohlräume.
Genau diese machen die Mauern ökologisch so interessant.
Tiere können sich darin verstecken, überwintern oder Schutz vor Fressfeinden und Witterung finden.
Auch Pflanzen können kleine Spalten besiedeln.
Eine Trockenmauer ist deshalb weit mehr als eine Ansammlung aufgeschichteter Steine.
Welche Tiere leben in Trockenmauern?
Der Kreis Bergstraße nennt eine ganze Reihe von Tiergruppen, die von solchen Strukturen profitieren.
Dazu gehören Eidechsen, Schlingnattern, Insekten, Kleinsäuger und verschiedene Vogelarten.
Welche Arten tatsächlich in einer bestimmten Mauer vorkommen, hängt von Lage, Umgebung, Alter und Zustand ab.
Eine sonnenbeschienene Mauer in einer strukturreichen Landschaft bietet andere Bedingungen als eine vollständig beschattete Mauer.
Besonders wertvoll ist häufig das Zusammenspiel aus Steinflächen, Vegetation und angrenzenden offenen Bereichen.
Warum mögen Eidechsen Trockenmauern?
Eidechsen sind wechselwarme Tiere.
Ihre Körpertemperatur hängt stark von der Umgebung ab.
Sonnenbeschienene Steine bieten ihnen deshalb geeignete Plätze zum Aufwärmen.
Gleichzeitig können sie bei Gefahr schnell in Spalten verschwinden.
Eine Trockenmauer verbindet damit zwei wichtige Eigenschaften.
Sie bietet Wärme und unmittelbar daneben geschützte Rückzugsorte.
Genau diese Kombination macht strukturreiche Steinbereiche für verschiedene Reptilien interessant.
Auch Schlingnattern können profitieren
Der Kreis Bergstraße nennt ausdrücklich auch Schlingnattern als mögliche Bewohner beziehungsweise Nutzer der sanierten Trockenmauern.
Die heimische Schlange bevorzugt strukturreiche und wärmebegünstigte Lebensräume.
Trockenmauern können dort Rückzugsorte und geeignete Strukturen bieten.
Wer eine Schlange an einer solchen Mauer entdeckt, sollte das Tier nicht bedrängen oder einfangen.
Beobachtungen zeigen vielmehr, wie vielfältig ein scheinbar unspektakulärer Steinwall sein kann.
Insekten finden zahlreiche kleine Nischen
Auch für Insekten können Trockenmauern interessant sein.
Die vielen Zwischenräume schaffen geschützte Bereiche.
Je nach Umgebung können unterschiedliche Arten davon profitieren.
Entscheidend ist auch hier, dass die Mauer nicht isoliert betrachtet wird.
Blütenreiche Säume, Wiesen, Gehölze und andere Strukturen in der Umgebung erhöhen den ökologischen Wert einer Landschaft zusätzlich.
Eine Trockenmauer kann dabei wie ein kleines Verbindungselement innerhalb dieses Lebensraums wirken.
Warum sind Trockenmauern geschützt?
In Hessen werden Trockenmauern ausdrücklich zu den gesetzlich geschützten Biotopen gezählt.
Der Grund liegt in ihrer besonderen Bedeutung für Natur und Landschaft.
Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Arten und sind gleichzeitig Bestandteil historisch gewachsener Kulturlandschaften.
Das bedeutet auch, dass alte Trockenmauern nicht einfach wie beliebiges Baumaterial behandelt werden sollten.
Wer an einer bestehenden Mauer größere Veränderungen plant, sollte vorher klären, welche naturschutzrechtlichen Vorgaben gelten.
Darf eine alte Trockenmauer einfach entfernt werden?
Bei einer ökologisch wertvollen und gesetzlich geschützten Trockenmauer ist Vorsicht geboten.
Dass sich die Mauer auf einem Grundstück befindet, bedeutet nicht automatisch, dass sie ohne weitere Prüfung beseitigt oder grundlegend verändert werden darf.
Neben dem Biotopschutz können auch Artenschutz und weitere Vorschriften eine Rolle spielen.
Das gilt besonders dann, wenn geschützte Tiere die Mauer nutzen.
Grundstückseigentümer sollten bei Unsicherheit deshalb die zuständige Naturschutzbehörde kontaktieren, bevor sie eine alte Trockenmauer entfernen oder umfassend umbauen.
Warum müssen alte Trockenmauern überhaupt saniert werden?
Eine Trockenmauer kann sehr lange halten.
Unverwüstlich ist sie aber nicht.
Mit der Zeit können sich Steine verschieben.
Wurzeln können in das Mauerwerk eindringen.
Erdruck, Wasser und Witterung wirken ebenfalls auf die Konstruktion ein.
Wenn einzelne Bereiche zusammenbrechen, können weitere Abschnitte instabil werden.
Auch starker Bewuchs kann die ursprüngliche Struktur und ökologische Funktion verändern.
Deshalb ist gelegentlich eine fachgerechte Sanierung notwendig.
85 Meter Trockenmauer in Knoden saniert
Ein aktuelles Beispiel befindet sich im Lautertaler Ortsteil Knoden.
Dort wurde eine rund 85 Meter lange Trockenmauer saniert.
Die Gemeinde Lautertal erhielt dafür nach Angaben des Kreises rund 53.900 Euro aus der Ersatzgeldförderung.
Die Mauer befindet sich unterhalb des Nibelungensteigs.
Vor der Sanierung war ihr Zustand deutlich beeinträchtigt.
Verschiebungen, zusammengebrochene Bereiche und starker Bewuchs hatten der historischen Struktur zugesetzt.
Mauer wurde freigestellt und wiederaufgebaut
Bei dem Projekt ging es nicht darum, die alte Trockenmauer durch eine moderne Betonwand zu ersetzen.
Die vorhandene Struktur wurde freigestellt und fachgerecht wiederaufgebaut.
Unterstützt wurde das Projekt durch den Landschaftspflegeverband Kreis Bergstraße.
Dadurch soll die Mauer ihre Funktion als Bestandteil der Kulturlandschaft und als Lebensraum wieder besser erfüllen können.
Gerade bei historischen Trockenmauern ist die Art der Sanierung entscheidend.
Wer sämtliche Fugen einfach mit Beton verschließt, verändert den Charakter der Mauer grundlegend.
Zweites Projekt befindet sich in Bensheim Gronau
Auch in Bensheim Gronau wird eine alte Trockenmauer instand gesetzt.
Der NABU Meerbachtal erhält dafür 8.000 Euro Förderung.
Ein erster Abschnitt wurde bereits saniert.
Nun soll ein weiterer, oberhalb gelegener Teil der alten Mauer folgen.
Der Kreis spricht von einem rund 50 Meter langen Mauerabschnitt.
Mit den Arbeiten soll das Projekt vervollständigt werden.
Insgesamt fließen rund 62.000 Euro
Zusammengerechnet unterstützt der Kreis die beiden Projekte mit rund 62.000 Euro.
Der deutlich größere Anteil entfällt mit rund 53.900 Euro auf die bereits abgeschlossene Sanierung in Knoden.
Weitere 8.000 Euro sind für den Abschnitt in Bensheim Gronau vorgesehen.
Finanziert werden die Maßnahmen aus der Ersatzgeldförderung.
Damit fließen Mittel gezielt in Projekte zum Schutz und zur Aufwertung von Natur und Landschaft.
Was ist Ersatzgeld?
Eingriffe in Natur und Landschaft müssen nach den geltenden Vorschriften grundsätzlich vermieden beziehungsweise ausgeglichen oder ersetzt werden.
Ist ein entsprechender Ausgleich oder Ersatz nicht in der vorgesehenen Form möglich, können unter bestimmten Voraussetzungen Ersatzzahlungen anfallen.
Solche Mittel können wiederum für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege eingesetzt werden.
Im Kreis Bergstraße wird ein Teil dieser Gelder nun für den Erhalt der beiden Trockenmauern genutzt.
So wird aus einer finanziellen Kompensation ein konkretes Naturschutzprojekt vor Ort.
Warum ist eine Sanierung vergleichsweise teuer?
Auf den ersten Blick können knapp 54.000 Euro für eine 85 Meter lange Steinmauer hoch erscheinen.
Eine fachgerechte Trockenmauersanierung besteht jedoch nicht daraus, lose Steine lediglich wieder übereinanderzulegen.
Beschädigte Bereiche müssen zurückgebaut und Steine anschließend passend gesetzt werden.
Je nach Lage kommen schwierige Zugänge und Arbeiten am Hang hinzu.
Außerdem soll die Mauer anschließend wieder langfristig stabil sein.
Das traditionelle Prinzip verlangt deshalb Erfahrung und handwerkliches Können.
Trockenmauerbau ist eine besondere Handwerkstechnik
Die Kunst des Trockenmauerbaus besitzt sogar internationale kulturelle Bedeutung.
Die UNESCO führt die entsprechende Handwerkstechnik auf ihrer Repräsentativen Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit.
Dabei geht es nicht darum, jede einzelne Trockenmauer zum Welterbe zu erklären.
Geschützt beziehungsweise gewürdigt wird vielmehr das über Generationen weitergegebene Wissen um die Bauweise.
Steine müssen so ausgewählt und gesetzt werden, dass eine stabile Konstruktion ohne bindenden Mörtel entsteht.
Warum verwendet man keinen Mörtel?
Der Verzicht auf Mörtel ist nicht einfach eine historische Notlösung.
Er gehört zum grundlegenden Charakter der Bauweise.
Die Mauer bleibt dadurch durchlässiger.
Wasser kann durch Zwischenräume abfließen, statt sich vollständig hinter einer geschlossenen Wand zu stauen.
Gleichzeitig entstehen die ökologisch wertvollen Fugen und Hohlräume.
Bei einer fachgerechten Konstruktion verbinden sich damit technische und ökologische Vorteile.
Können Trockenmauern Starkregen aushalten?
Wie widerstandsfähig eine konkrete Mauer ist, hängt stark von Bauweise, Zustand, Untergrund und Hanglage ab.
Trockenmauern besitzen durch ihre Fugen jedoch eine gewisse Wasserdurchlässigkeit.
Das unterscheidet sie von vollständig geschlossenen Konstruktionen.
Trotzdem können außergewöhnliche Wassermengen, ausgespülter Boden oder beschädigte Mauerbereiche zu Problemen führen.
Gerade an Hängen ist deshalb ein guter Zustand wichtig.
Eine Trockenmauer sollte nicht als allgemeiner Hochwasserschutz verstanden werden.
Warum wächst auf manchen Mauern so viel?
Mit zunehmendem Alter siedeln sich Pflanzen an und auf den Mauern an.
Das kann ökologisch wertvoll sein.
Gleichzeitig ist nicht jeder Bewuchs für die Konstruktion unproblematisch.
Kräftige Wurzeln können Steine verschieben und instabile Bereiche weiter lockern.
Bei der Pflege muss deshalb zwischen wertvoller Vegetation und schädlichem Bewuchs unterschieden werden.
Ein vollständiges Säubern sämtlicher Fugen wäre aus Naturschutzsicht ebenfalls nicht automatisch sinnvoll.
Trockenmauern zeigen, dass Kulturlandschaft menschengemacht ist
Die Bergstraße wird häufig wegen ihrer Landschaft geschätzt.
Weinberge, Waldrand, historische Orte und offene Hänge ergeben ein charakteristisches Bild.
Ein erheblicher Teil davon ist jedoch keine unberührte Naturlandschaft.
Landwirtschaft und Weinbau haben die Region über Jahrhunderte verändert.
Trockenmauern sind ein besonders sichtbares Beispiel dafür.
Sie wurden von Menschen geschaffen und entwickelten sich gleichzeitig zu wertvollen Lebensräumen.
Kulturgeschichte und Naturschutz lassen sich hier kaum voneinander trennen.
Warum gibt es heute weniger Trockenmauern als früher?
Traditionelle Hangbewirtschaftung war arbeitsintensiv.
Mit Veränderungen in Landwirtschaft und Weinbau verloren manche kleineren oder schwer zugänglichen Flächen ihre wirtschaftliche Bedeutung.
Wurden Mauern nicht mehr gepflegt, konnten sie überwachsen oder nach und nach zusammenbrechen.
Andere wurden durch modernere Bauweisen ersetzt.
Dadurch gingen Strukturen verloren, die zuvor über Generationen zur Landschaft gehört hatten.
Der heutige Erhalt soll deshalb verhindern, dass weitere wertvolle Abschnitte verschwinden.
Können neue Trockenmauern ebenfalls wertvoll sein?
Ja.
Auch neu angelegte Trockenmauern können mit der Zeit Lebensräume bieten.
Besonders sinnvoll sind sie, wenn sie in eine passende Umgebung eingebunden werden.
Eine einzelne Mauer in einer ansonsten strukturarmen Fläche erfüllt andere Funktionen als eine Trockenmauer, die an Wiesen, Säume, Weinberge oder Gehölze anschließt.
Ökologischer Wert entsteht häufig durch das Zusammenspiel verschiedener Lebensräume.
Alte Mauern besitzen zusätzlich eine historische Dimension.
Darf man im eigenen Garten eine Trockenmauer bauen?
Grundsätzlich können Trockenmauern auch in privaten Gärten angelegt werden.
Sie eignen sich beispielsweise zur Gliederung eines Grundstücks oder zur Gestaltung kleiner Höhenunterschiede.
Bei größeren Stützmauern, Grundstücksgrenzen oder besonderen Standorten können jedoch baurechtliche beziehungsweise nachbarrechtliche Vorgaben relevant werden.
Wer eine größere Anlage plant, sollte deshalb vorher prüfen, welche Regeln am konkreten Grundstück gelten.
Aus ökologischer Sicht sollte möglichst auf eine Bauweise geachtet werden, die tatsächlich offene Fugen und Hohlräume erhält.
Warum sollte man keine Tiere aus den Spalten holen?
Wer beim Wandern eine Eidechse oder ein anderes Tier an einer Trockenmauer entdeckt, sollte es möglichst ungestört lassen.
Die Spalten dienen gerade als Rückzugsraum.
Steine herauszuziehen, um ein Tier besser sehen zu können, kann die Mauer beschädigen und den Lebensraum stören.
Auch scheinbar lose Steine sollten nicht als Souvenir mitgenommen werden.
Die Stabilität einer Trockenmauer beruht auf dem Zusammenspiel vieler einzelner Steine.
Wanderer können die Mauern gut entdecken
Trockenmauern lassen sich an der Bergstraße besonders gut zu Fuß wahrnehmen.
In Weinbergen und an historischen Wegen fallen die Strukturen deutlich stärker auf als aus dem Auto.
Das aktuelle Projekt in Knoden liegt beispielsweise unterhalb des Nibelungensteigs.
Damit begegnen Wanderer dort unmittelbar einem Stück historischer Kulturlandschaft.
Wer genauer hinsieht, erkennt schnell, dass die Mauern keineswegs gleichmäßig aus industriell gefertigten Steinen bestehen.
Gerade ihre unregelmäßige Struktur macht einen Teil ihres Charakters aus.
Warum die Mauern zur Bergstraße passen
Die besondere Landschaft der Bergstraße entstand durch das Zusammenspiel aus Geologie, Klima und menschlicher Nutzung.
Das vergleichsweise milde Klima begünstigt seit langer Zeit den Weinbau.
Die Hanglagen boten gute Bedingungen für Reben, machten die Bewirtschaftung aber anspruchsvoll.
Trockenmauern waren eine Möglichkeit, mit diesen Bedingungen umzugehen.
Damit erzählen sie dieselbe Geschichte wie viele Weinberge selbst.
Sie zeigen, wie Menschen die natürlichen Voraussetzungen der Region genutzt und die Landschaft dabei dauerhaft geprägt haben.
Kleine Bauwerke mit großer Bedeutung
Eine einzelne Trockenmauer wirkt im Vergleich zu einem Schloss oder einer Burg unscheinbar.
Für die Kulturlandschaft können solche kleinen Strukturen jedoch mindestens ebenso charakteristisch sein.
Sie erzählen vom früheren Arbeitsalltag, von landwirtschaftlicher Nutzung und traditionellem Handwerk.
Gleichzeitig bieten sie heute Lebensräume, die in intensiv genutzten Landschaften seltener geworden sind.
Genau diese Verbindung erklärt, warum Geld und Arbeitszeit in ihren Erhalt investiert werden.
Häufig gestellte Fragen zu Trockenmauern an der Bergstraße
Wer die Landschaft hinter solchen Bauwerken besser verstehen möchte, findet bei uns auch die Erklärung, warum der Frühling an der Bergstraße besonders früh beginnt.
