Bahnreisende im Odenwald müssen sich zum Start der Herbstferien erneut auf Einschränkungen einstellen. Wegen des Neubaus der Zeller Brücke an der B45 wird die Bahnstrecke bei Bad König für mehr als zwei Wochen gesperrt.
Quelle: Bild von UnsplashDie Sperrung beginnt am Freitagabend, 2. Oktober 2026, und dauert bis Montagmorgen, 19. Oktober 2026.
Während dieser Zeit wird ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Hintergrund sind Arbeiten unmittelbar über den Gleisen der Odenwaldbahn.
Für das insgesamt rund 15 Millionen Euro teure Brückenprojekt ist die nächste Bauphase entscheidend: Über der Bahnstrecke wird die Schalung vorbereitet, auf deren Grundlage anschließend der neue Brückenüberbau betoniert werden kann.
Odenwaldbahn ab 2. Oktober erneut gesperrt
Die Bahnstrecke unterhalb der Zeller Brücke muss nach Angaben von Hessen Mobil ab Freitagabend, 2. Oktober, erneut vollständig gesperrt werden.
Die Sperrpause endet voraussichtlich am Montagmorgen, 19. Oktober.
Damit umfasst sie praktisch die gesamten hessischen Herbstferien und zusätzlich die unmittelbar angrenzenden Tage.
Für Bahnreisende wird während der Sperrung ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.
Wer in diesem Zeitraum mit der Odenwaldbahn unterwegs ist, sollte deshalb vor der Fahrt seine konkrete Verbindung prüfen und zusätzliche Reisezeit einplanen.
Warum muss die Bahnstrecke gesperrt werden?
Grund für die Sperrung ist nicht die Bahnstrecke selbst, sondern die darüber entstehende neue Zeller Brücke.
Während der Sperrpause wird die Schalung für den späteren Brückenüberbau über den Bahngleisen hergestellt.
Das bereits errichtete Traggerüst nimmt diese Schalung auf.
Anschließend kann darauf der eigentliche Überbau der neuen Brücke hergestellt werden.
Die Arbeiten finden damit unmittelbar oberhalb der Bahnstrecke statt. Ein regulärer Zugbetrieb ist während dieser Bauphase nicht möglich.
Neue Zeller Brücke nimmt Gestalt an
Beim Neubau der Zeller Brücke sind inzwischen deutliche Fortschritte sichtbar.
Die beiden Pfeilerpaare sowie das Widerlager in Richtung Bad König sind nach Angaben von Hessen Mobil weitgehend fertiggestellt.
Am Widerlager in Richtung Michelstadt wurde das Fundament hergestellt.
Parallel dazu laufen Arbeiten am Traggerüst weiter.
Dieses Gerüst spielt für den nächsten großen Bauabschnitt eine zentrale Rolle, weil es die Schalung des späteren Brückenüberbaus trägt.
Betonage soll rund 30 Stunden dauern
Nach der Herstellung der Schalung folgt im November einer der wichtigsten Schritte des gesamten Neubaus.
Dann soll der komplette Brückenüberbau betoniert werden.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die geplante Dauer: Die Betonage soll nach Angaben von Hessen Mobil rund 30 Stunden am Stück erfolgen.
Der Grund dafür liegt in der Konstruktion.
Durch die durchgehende Betonage sollen Fugen im Beton vermieden werden.
Erst nachdem der Beton ausreichend ausgehärtet ist, können Schalung und Traggerüst wieder entfernt werden.
Danach folgen unter anderem der Fahrbahnaufbau sowie Arbeiten an den Kappen und Abdichtungen der Brücke.
Im Januar folgt die nächste Sperrung
Mit der Sperrung im Oktober sind die Einschränkungen für die Odenwaldbahn noch nicht vollständig beendet.
Eine weitere Sperrpause ist bereits für Anfang 2027 vorgesehen.
Vom 4. bis 9. Januar 2027 soll die Bahnstrecke erneut gesperrt werden.
Diese Arbeiten fallen in die hessischen Weihnachtsferien.
Dann sollen die Schalung und das Traggerüst über den Bahngleisen zurückgebaut werden.
Auch während dieser Sperrpause soll ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden.
Warum die Zeller Brücke überhaupt neu gebaut wird
Die Geschichte des Projekts begann überraschend im Frühjahr 2025.
Ende April wurden bei Brückenprüfungen Risse im Beton der alten Zeller Brücke festgestellt.
Die Brücke musste daraufhin aus Sicherheitsgründen kurzfristig für den Verkehr gesperrt werden.
Das Bauwerk führte die B45 sowohl über die Mümling als auch über die Strecke der Odenwaldbahn.
Die Sperrung traf den Odenwald deshalb an einer besonders empfindlichen Stelle.
Die B45 gehört zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen der Region.
Nach der Sperrung wurde eine überbehördliche Projekt-Taskforce eingerichtet, um Abriss und Ersatzneubau möglichst schnell voranzutreiben.
Alte Brücke wurde 2025 gesprengt
Eine Sanierung des bestehenden Bauwerks kam letztlich nicht mehr infrage.
Die alte Zeller Brücke wurde im Sommer 2025 abgebrochen.
Seit April 2026 entsteht an ihrer Stelle die neue Brücke.
Der Ersatzneubau wird erneut als Spannbetonbauwerk mit drei Feldern ausgeführt und soll sich optisch am bisherigen Erscheinungsbild orientieren.
Ganz identisch wird die neue Brücke allerdings nicht.
Aufgrund der Konstruktion wird der neue Überbau rund 51 Zentimeter höher als beim alten Bauwerk.
Auch die Fundamente werden neu aufgebaut: Widerlager und Pfeiler erhalten eine Tiefgründung.
Rund 15 Millionen Euro für das gesamte Projekt
Allein das neue Brückenbauwerk kostet nach aktuellen Angaben rund 10,2 Millionen Euro.
Rechnet man den Abbruch der alten Brücke, Landschaftsbau und weitere Kosten hinzu, belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 15 Millionen Euro.
Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Bundes.
Damit gehört der Ersatzneubau zu den größeren aktuellen Infrastrukturprojekten im Odenwaldkreis.
Wann wird die B45 bei Bad König wieder freigegeben?
Für Autofahrer bleibt die entscheidende Frage, wann die wichtige Verbindung wieder vollständig genutzt werden kann.
Nach aktuellem Zeitplan soll die neue Zeller Brücke im Juni 2027 für den Verkehr freigegeben werden.
Hessen Mobil teilt mit, dass sich der Neubau weiterhin im Zeitplan befindet.
Nach der Betonage des Überbaus im November folgen im Winter weitere Arbeiten.
Dazu gehören unter anderem Abdichtung, Brückenausstattung und Straßenbau.
Die endgültige Verkehrsfreigabe hängt allerdings auch davon ab, wie sich die Witterungsverhältnisse im Winter auf die Bauarbeiten auswirken.
Was Bahnreisende jetzt beachten sollten
Für Reisende wird zunächst die Sperrung im Oktober relevant.
Wer zwischen dem 2. und 19. Oktober mit der Odenwaldbahn unterwegs sein möchte, sollte vor Fahrtbeginn die aktuelle Verbindung kontrollieren.
Während der Sperrpause wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.
Durch Busfahrten und mögliche zusätzliche Umstiege können sich die Reisezeiten gegenüber einer normalen Zugverbindung verlängern.
Besonders Pendler und Reisende mit Anschlussverbindungen sollten deshalb etwas mehr Zeit einplanen.
Die nächsten Schritte an der Zeller Brücke
| Zeitraum | Geplante Arbeiten |
| 2.–19. Oktober 2026 | Sperrung der Bahnstrecke und Herstellung der Schalung über den Gleisen |
| November 2026 | Betonage des gesamten Brückenüberbaus |
| Winter 2026/27 | Weitere Arbeiten am Überbau, Fahrbahn und Brückenausstattung |
| 4.–9. Januar 2027 | Erneute Bahnsperrung zum Rückbau von Schalung und Traggerüst |
| Juni 2027 | Geplante Verkehrsfreigabe der neuen Zeller Brücke |
Damit steht beim Neubau in den kommenden Monaten eine entscheidende Phase bevor.
Wenn der aktuelle Zeitplan gehalten werden kann, soll eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen im Odenwald im kommenden Sommer wieder vollständig hergestellt sein.
